Verzerrt die DEL-Revolution das Playoff-Rennen?

SPORT1
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Verzerrt die DEL-Revolution das Playoff-Rennen?
Verzerrt die DEL-Revolution das Playoff-Rennen?

Wie gerecht ist die Nord-/Südaufteilung in der PENNY DEL? (Ausgewählte Spiele der PENNY DEL LIVE im TV auf SPORT1)

Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie hat die Deutsche Eishockey-Liga die laufende Saison erstmals in eine Nord- und Südstaffel aufgeteilt. Damit sollten der Reiseaufwand eingeschränkt und das Infektionsrisiko verringert werden.

Dieser in der aktuellen Zeit richtige Ansatz hat aber auch sportliche Auswirkungen. So spielen in der Südgruppe mit den Adlern Mannheim und dem EHC Red Bull München die beiden Teams, die seit 2015 den Meister unter sich ausgemacht haben. Dazu kommt der ERC Ingolstadt, der ordentlich aufgerüstet hat.

Für die anderen vier Teams - namentlich die Schwenninger Wild Wings, Straubing Tigers, Augsburger Panther und Nürnberg Ice Tigers - scheint es somit wesentlich schwerer, unter die ersten vier Plätze der Gruppe zu kommen, die zur Teilnahme an den Playoffs berechtigen. (Alles Wichtige zur DEL)

Diese Einschätzung bestätigte auch Marius Möchel, Stürmer der Schwenninger Wild Wings, auf sportschau.de: "Wenn man die Kader durchgeht, kriegt man das Gefühl, dass der Süden stärker besetzt ist - zumal im Süden beide Zugpferde des deutschen Eishockeys vertreten sind."

Geht man allerdings nach der Statistik, wird diese Einschätzung auf den ersten Blick nicht bestätigt.

Verzahnungsrunde: Südteams zeigen ihre Qualität

Nach dem 28. Spieltag - dem letzten Spieltag, bevor es zur sogenannten Verzahnungsrunde kommt - hatten die Teams auf den ersten vier Plätzen eine ähnliche Anzahl von Siegen (nach regulärer Spielzeit, Verlängerung und Penaltyschießen) auf dem Konto. Lediglich die Adler Mannheim thronten mit 20 Siegen über allen. (Tabellen der DEL)

Seit dem 29. Spieltag jedoch zeigt sich die klare Tendenz, dass im Süden die stärkeren Mannschaften spielen. Bis zum 35. Spieltag waren 48 Spiele zwischen den Nord- und Südteams absolviert - 30 davon konnten die südlichen Vertreter für sich entscheiden. Das Spiel zwischen dem ERC Ingolstadt und den Iserlohn Roosters vom 35. Spieltag musste wegen eines Coronabefunds verschoben werden.

Nur am 34. und 35. Spieltag sicherte sich der Süden weniger als vier Siege (drei Siege).

Krupp hebt Berlin in Nordstaffel hervor

In dieser Phase holten die Eisbären Berlin im Norden die meisten Punkte (15) und auch die Fischtown Pinguins überzeugten mit zwölf Punkten. Die Grizzlys Wolfsburg und Iserlohn Roosters - am 28. Spieltag auf Rang drei und vier der Nordtabelle - brachten in dieser Phase aber nur schwache sechs Punkte auf das Konto.

Damit wurde Wolfsburg sogar von der Düsseldorfer EG (13 Punkte) aus den Playoff-Rängen verdrängt. In der Südgruppe holten die vier Topteams alle mindestens zehn Punkte.

Dennoch scheint sich die Aussage von Haie-Trainer Uwe Krupp zu bewahrheiten, dass im Norden "nur Berlin auf dem Level von München, Mannheim und Ingolstadt" zu sein scheint.

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Torgefahr aus dem Süden

Denn auch in puncto Tore spricht vieles für die Qualität im Süden. Bis zum 28. Spieltag erzielten die Teams aus der Südgruppe 2,5 Treffer pro Spiel. In der Verzahnungsrunde sind es nach sieben Spieltagen schon 3,3 Tore pro Spiel. Die Nordteams hingegen verschlechterten sich sogar leicht von 2,6 auf 2,5.

Als zusätzlichen Nachteil könnte man das Fehlen der sogenannten "Sechs-Punkte-Spiele" in der heißen Phase der Hauptrunde anführen. Durch den diesjährigen Modus gibt es an den letzten 14 Spieltagen keine direkten Duelle mehr um die Tickets für die Playoffs.

Keine "Sechs-Punkte-Spiele"

Allerdings kann man dieses Argument nur bedingt gelten lassen!

Ja, die Drucksituation am Ende der Saison ist eine andere. Aber die Anzahl der Punkte, die über die Saison vergeben werden, bleibt gleich und es wird keinem Team verboten, sich schon frühzeitig das nötige Punktepolster anzuschaffen. Dazu bestreitet jedes Team dieselbe Anzahl von Spielen gegen jeden Gegner.

Am Ende ist es wie immer: Alle Teams müssen mit der gleichen Ausgangslage zurechtkommen. (Spielplan und Ergebnisse der DEL)

Es mag in diesem Jahr im Süden etwas schwerer sein, die Playoffs zu erreichen. Aber von unfairen Verhältnissen zu sprechen, wäre wirklich ungerecht.