Dekabank-Chefvolkswirt sieht Aufschwung nicht in Gefahr

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Dekabank erwartet eine Fortsetzung des robusten globalen Wirtschaftsaufschwungs. "Sowohl 2018 als auch 2019 werden stabile Wachstumsjahre sein", sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank am Dienstag in Frankfurt. "Selten ist ein Aufschwung weltweit auf so breiter Basis erfolgt." Erst danach erwartet der Ökonom eine Rückkehr in eine "schwankungsanfälligere Welt".

Für die Weltwirtschaft erwartet die Dekabank im kommenden Jahr ein Wachstum von 3,7 Prozent. Auch die Eurozone dürfte mit 2,0 Prozent eine robuste Expansion hinlegen. Man könne schon von einer Vollauslastung der Wirtschaft sprechen. "Selbst die krisengeschüttelten Staaten sind wieder auf einem guten Weg, allen voran die Länder, die Reformen angestoßen haben", sagte Kater. Die deutsche Wirtschaft sollte mit einem Wachstum von 2,2 Prozent den stabilsten Aufschwung seit der Wiedervereinigung erreichen. Auch die politische Unsicherheit nach der gescheiterten Bildung einer Regierung, sollte sich laut Kater zunächst nicht negativ auswirken.

Befürchtungen, dass sich die Wirtschaft nach der langen Wachstumsphase bald abkühlen könnte, teilt Kater nicht: "Der Aufschwung ist kein Spurt, sondern ein Dauerlauf." Das Wachstum habe sich "festgefressen". Es habe in der Vergangenheit in einigen Ländern immer wieder Expansionsphasen gegeben, die sehr lange angehalten hätten. So wachse die Wirtschaft Australiens seit dem Jahr 1991 ununterbrochen. Auch andere Industrieländer hätten in der Vergangenheit schon ähnlich lange Aufschwungphasen hinter sich.

Große Gefahren sieht Kater für die Wirtschaftsentwicklung in Europa derzeit nicht. Die Inflation dürfte trotz einer starken Verbesserung am Arbeitsmarkt zunächst noch kein großes Thema werden. Unter anderem dämpfe die demografische Entwicklung den Preisauftrieb, da sie mit einer hohen Sparneigung einhergehe. Auch die Unternehmen würden viel sparen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte daher den Leitzins erst im zweiten Halbjahr 2020 anheben. Kater räumt jedoch ein, dass die künftige Inflationsentwicklung schwerer zu prognostizieren sei, da herkömmliche Modelle nicht mehr wie früher funktionierten.

An den Aktienmärkten erwartet die Dekabank im kommenden eine Verschnaufpause. "Nach den positiven Überraschungen dieses Jahres werden die Aktienmärkte 2018 auch wieder einmal durchatmen", sagte Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte & Strategie. Ein Absturz sei aber nicht zu erwarten. Er verwies zudem darauf, dass die europäischen Aktienmärkte im Vergleich zu den USA günstig bewertet seien. Mittel- und langfristig erwarten die Dekabank-Ökonomen, dass sich an den Aktienmärkten eine Verzinsung zwischen drei und fünf Prozent erzielen lasse.