Bayerns Deka-Eigner nennen Bedingungen für Zentralinstitut

Stephan Kahl

(Bloomberg) -- Bayerns Sparkassen haben Bedingungen für die Schaffung eines Zentralinstituts genannt und sich zudem für eine teilweise Neuordnung innerhalb der Finanzgruppe ausgesprochen.

Ein Zentralinstitut müsse vor allem dazu beitragen, die Risiken der Sparkassen-Gruppe zu reduzieren, sagte Ulrich Netzer, Präsident des DekaBank-Miteigentümers Sparkassenverband Bayern, am Mittwoch bei einer Veranstaltung in München. Risiken hätten sich in der Vergangenheit “immer wieder aufreibend zulasten der Sparkassen realisiert”.

Darüber hinaus sei es wichtig, dass ein Zentralinstitut bestimmte Funktionen abdecke. Es müsse ein Wertpapierhaus enthalten und eine Unternehmensbank sein, ergänzend zu den Sparkassen. Darüber hinaus erwartet Netzer einen Immobilienbereich und die Erbringung zentraler Dienste wie Zahlungsverkehr.

Es gelte jetzt, einen professioneller Prozess aufzusetzen, mit dem bald Schritt für Schritt die komplexen Fragen abgearbeitet werden könnten. Netzer: “Denn das Zeitfenster, in dem wir das Heft des Handelns in der Hand haben, ist nicht unbegrenzt. Wir müssen bald vorankommen.”

Die Sparkassen des Freistaats gehören zu den einflussreichsten innerhalb des öffentlich-rechtlichen Bankensektors. Mit einem Anteil von rund 15% sind sie der zweitgrößte Anteilseigner der DekaBank. Darüber hinaus gehört ihnen rund ein Viertel an der BayernLB.

Die Deka-Eigentümer - allesamt regionale Sparkassenverbände - hatten sich im vergangenen Monat darauf verständigt, eine Fusion der Deka mit der Helaba prüfen zu lassen. Bei einem Zusammenschluss wird möglicherweise ein Zentralinstitut für die Sparkassen-Gruppe entstehen, dem sich später auch andere Landesbanken anschließen könnten.

‘Sparkasse reloaded’

“Wer glaubt, dass wir keinen Veränderungsbedarf haben, der verkennt die Realität”, erklärte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Anfang Februar in einem Bloomberg-Interview. Niedrige Zinsen, Regulierung und Digitalisierung drücken auf die Erträge.

Netzer sagte, es sei richtig, dass Schleweis derartige Themen vorantreibe. Das gelte auch für das vom ihm angesetzte Projekt “Sparkasse reloaded”, bei dem es unter anderem um eine stärkere Zentralisierung innerhalb der Finanzgruppe und die Frage geht, welche Aufgaben künftig bei den Sparkassen, den regionalen Verbänden und dem DSGV in Berlin liegen.

“Wir brauchen deutlich mehr zentrale Elemente, um die Dezentralität zu halten”, sagte Netzer mit Blick auf die Sparkassen vor Ort und deren Ergebnisdruck. “Und jetzt kommt die Frage: Wie viel und was, damit es nicht umkippt. Damit wir eben nicht zu zentral werden und wir damit dann unseren eigentlichen Vorteil ein Stückchen verlieren.” Das sei der Kernpunkt beim “Ringen” zwischen den Regionalverbänden, den Sparkassen und dem DSGV. Die Bayern seien bereit, Aufgaben abzugeben.

“Die Sparkassen spüren sehr deutlich, dass zwar das Geschäftsmodell funktioniert, aber dieses Geschäftsmodell immer weniger zu den notwendigen Ergebnissen führt. Und deswegen rufen sie immer stärker nach Antworten aus dem Verbund”, sagte Netzer.

Eine Fusion von Helaba und DekaBank ist indes längst keine ausgemachte Sache. Die Sparkassen aus Baden-Württemberg sehen noch viele offene Fragen, während jene aus dem Osten konsequent einen Ausstieg der Bundesländer fordern. An der Helaba sind neben Sparkassen auch Hessen und Thüringen beteiligt. Der Chef der LBBW, Rainer Neske, macht kein Geheimnis daraus, dass er kaum Gründe sieht, sein Haus in ein Zentralinstitut der Finanzgruppe einzubringen.

(Gesamter Artikel überarbeitet)

Kontakt Reporter: Stephan Kahl in Frankfurt skahl@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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