Debatte reißt nicht ab: Erweiterung der Käthe-Kollwitz-Schule in Brück beschlossen

Es gibt widersprüchliche Aussagen.

Zum Start der Sommerferien musste es plötzlich ganz schnell gehen. Da fast überall in der Stadt Plätze an den Schulen fehlen, haben die Ratsmitglieder die Erhöhung der Zügigkeit an der Käthe- Kollwitz-Realschule an der Petersenstraße von drei auf vier Klassen pro Jahrgang im Eilverfahren und ohne Diskussion durchgewunken.

In der gleichen Sitzung wurden die von der Schulverwaltung vorgeschlagenen Erweiterungen am Mülheimer Genoveva-Gymnasium, am Porzer Stadtgymnasium, an der Flittarder Schule Am Feldrain, am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium sowie der Realschule am Rhein an der Niederichstraße beschlossen.

Die Anfang des Monats bei Oberbürgermeisterin Henriette Reker und den Ratsfraktionen eingereichte Stellungnahme der Schulkonferenz lag den Stadtverordneten bei der Abstimmung gar nicht vor. Stattdessen jedoch eine abgemilderte Version, die Regina Meyerhoff, Rektorin der Realschule, auf dem Dienstweg weitergegeben hatte.

Schulleiterin sitzt zwischen zwei Stühlen

„Sollten die räumlichen Gegebenheiten an die neue Situation angepasst werden, stimmt die Schulkonferenz der Erhöhung auf Vierzügigkeit zu“, heißt es in dem Schreiben der Schulleiterin. Die Schulkonferenz hatte jedoch zuvor „die Erweiterung der Käthe-Kollwitz-Realschule durch die Festschreibung auf eine Vierzügigkeit unter den derzeitigen Voraussetzungen abgelehnt“,so Yvonne Prochnio-Stahlberg, Vorsitzende der Elternpflegschaft.

Auch die Aussage der Rektorin gegenüber Rat und Verwaltung, „dass die Mitglieder der Schulkonferenz natürlich Verständnis für den Wunsch des Schulträgers haben“, findet sich in der Stellungnahme der Schulkonferenz nicht wieder. „Die Schulleiterin sitzt zwischen zwei Stühlen“, sagt Elternvertreterin Sylvia Schrage. „Sie hat in den vergangenen Schuljahren stets ihr Bestes versucht, den immer steigenden Schülerzahlen gerecht zu werden.“

Nach Meinung vieler Eltern ist die bloße Aufstockung der Klassenverbände kein Allheilmittel, sondern ein bürokratischer Schnellschuss. Leider sei die Umsetzung der Erweiterung, wie an der Brücker Schule geplant, nicht so einfach. Schließlich könne man an einer vom Gebäude her auf Dreizügigkeit ausgelegten Schule, nicht 162 Schüler zusätzlich unterrichten. Schrage: „Von Seiten der Politik wurde uns vorgeschlagen, vor dem Rathaus zu demonstrieren. Die Eltern lassen sich viel zu viel gefallen“, hieß es.

Räume gelten als schadstoffbelastet

Vor allem mit der Reaktivierung der zweigeschossigen Containeranlage als Unterrichtsräume – dort sollen nach den Sommerferien die siebten Klassen einziehen – sind viele Eltern nicht einverstanden. Die Räume gelten als schadstoffbelastet. Auf Bitten der Elternschaft wurden die Container vom Gesundheitsamt Anfang des Jahres auf eine Belastung untersucht. Dabei wurde für Formaldehyd Auffälligkeiten bis hin zur Überschreitung des Richtwerts festgestellt.

Dennoch wurden sie für den Unterricht freigegeben. Schüler, die in der vergangenen Woche bei der Einrichtung dieser Räume geholfen haben, sprachen übereinstimmend davon, dass es „in den Containern erheblich gestunken“ habe. Als Gegenmaßnahme empfiehlt das Gesundheitsamt pro Schulstunde jeweils fünf bis zehn Minuten zu lüften, denn das würde zu einer Reduzierung der Belastung führen.

„Wer künftig den Luftaustausch übernimmt wurde bislang nicht geklärt“, sagt die Pflegschaftsvorsitzende Prochnio-Stahlberg. Die vom Gesundheitsamt zugesagten weiteren Kontroll-Messungen bei wärmeren Temperaturen haben bislang nicht stattgefunden. Die Eltern überlegen nun, auf eigene Kosten einen Gutachter einzuschalten.

Die Kapazitäten der Turnhalle reichen nicht mehr aus

Während die Verwaltung für die Umsetzung „nur kleinere bauliche Maßnahmen“ für erforderlich hält, ist der Forderungskatalog der Schulkonferenz und der Rektorin recht umfangreich. So müssten sechs weitere Klassenräume und naturwissenschaftliche Fachräume zur Verfügung stehen. Die Kapazitäten der Turnhalle reichen auch nicht mehr aus.

Die vorhanden Mensa, die auch von der benachbarten Grundschule Diesterwegstraße mitgenutzt wird, sei zu klein bemessen. Für Regenpausen ist eine Vergrößerung der Überdachung erforderlich und bei einer wachsender Schülerzahl auch mehr Lehrer. „Unser Lehrerzimmer hat allerdings jetzt schon seine Kapazitätsgrenze erreicht. Eine Vergrößerung ist notwendig“, so Schulleiterin Meyerhoff.

Zu all diesen Wünschen und Forderungen gibt es derzeit keine Antworten – weder von der Verwaltung, noch von Seiten der Kommunalpolitik.

Wie geht es weiter?

Die CDU im Rat hat inzwischen auf die Stellungnahme der Schulkonferenz reagiert. So heißt es, dass die Entscheidung zur Vierzügigkeit rückgängig gemacht werden könne, „wenn im Bezirk Kalk ausreichend neuer Schulraum geschaffen ist“.

Die Grundschule Diesterwegstraße musste in den vergangenen Jahren zusätzliche Klassen einrichten, da die Kapazitäten der Grundschulen in Neubrück und Merheim und erschöpft waren. Die Grundschule Fußfallstraße soll ab 2018/19 um einen Zug erweitert werden. Zudem ist mittelfristig für Merheim eine neue Schule auf dem Waldgrundstück hinter den städtischen Kliniken, vorgesehen. Bürger und Politik wünschen sich diese Grundschule näher im Ortszentrum.

Auch in Höhenberg ist eine zusätzliche Grundschule geplant: Auf der Fläche des städtischen Betriebshofs an der Frankfurter Straße. An dieser Stelle fordern Politiker schon seit Jahren den Bau von Wohnungen. Doch ob Schul- oder Wohnungsbau – zunächst muss für den Betriebshof ein Alternative gefunden werden.

In weiter Ferne liegen auch die Realisierungen einer Gesamtschule oder einer weiterführenden Schule auf der Brachfläche, die dem Land gehört, am Walter-Pauli-Ring sowie im Bereich der Hallen Kalk. (NR)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta