Debatte: Den Hipster gibt es gar nicht

Ein Hipster

Der Hipster ist wie Yeti, Einhorn oder Wolpertinger. Viele wollen eines dieser Wesen schon mal gesehen haben. Aber es gibt sie gar nicht. Denn Hipster sind Spießer, sie gucken nur arroganter. Beide kommen aus der Provinz, gern Westfalen, nach Berlin, tragen das Deckhaar zum Knödel gedreht und eine Brille wie aus Dachlatten gedübelt, dazu oft Adilette, Jutetasche und Tennissocke. Hipster und Spiesser haben ein obsessives Verhältnis zu den Medien, sie tun alles, um ins Fernsehen zu kommen.

Kerngedanke des Hipstertums ist das Ironisieren des Mainstreams, aber ein ironischer Badelatschen ist immer noch ein Badelatschen. Hipster und Spießer sind sich also furchtbar ähnlich, der Unterschied liegt allein im Timing. Jens Spahn kam aus Westfalen nach Berlin, trägt Legobrille, will unbedingt ins Fernsehen, nur das Deckhaar ist zum Knüllen etwas knapp. Spahn ist ein Polithipster, der bereitwillig uralte Spießer-Accessoires aus dem Schrank zerrt, dass sie schon wieder hip sind.

Kaum hat man sich selbst und den Kindern beigebogen, dass Englisch keine Fremdsprache mehr ist, sondern eine die zweite Muttersprache des globalisierten Bürgers, da kommt Hipster Jens aus dem Berghain und wirft mutig eine olle Tennissocke in den Wahlkampf. An Berliner Szene-Tresen soll künftig wieder deutsch gesprochen werden. Nationales ist ja gerade schwer im Trend, aber bisweilen etwas unpraktisch: Wie sollen sich Friesen und Sachsen, Badenser und Niederbayern nach dem dritten Bier denn verständigen?

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