Debakel! Holzdeppe legt Salto nullo hin

Raphael Holzdeppe scheitert beim Stabhochsprung-Finale bereits an der Anfangshöhe

Raphael Holzdeppe packte sich an den Kopf und zog fassungslos sein Trikot aus, dann musste er sich erstmal setzen: Beim Angriff auf seinen zweiten Weltmeistertitel hat Deutschlands bester Stabhochspringer das größtmögliche Debakel erlebt.

In London legte der 27-Jährige am Dienstagabend einen klassischen Salto nullo hin und scheiterte dreimal an seiner Einstiegshöhe. 

Im Olympiastadion mühte sich der Weltmeister von 2013 vergeblich an 5,50 m ab und kassierte zwölf Monate nach dem bitteren Qualifikations-Aus bei Olympia in Rio die zweite Enttäuschung bei einem Großereignis in Folge.

Holzdeppe mit großen Zielen vor der WM

"Das ist frustrierend. Ich bin im Moment einfach enttäuscht über mich selber", sagte Holzdeppe: "Eigentlich lief vorher alles super, ich hatte mir viel mehr vorgenommen. Ich habe mich besser gefühlt als in der Quali, war super drauf. Ich muss jetzt erstmal analysieren, woran es gelegen hat."

Trotz einer durchwachsenen Saison hatte sich Holzdeppe, der bei den Sommerspielen 2016 schon in der Qualifikation gescheitert war, vor der WM noch höchst zuversichtlich gezeigt, Gold als erklärtes Ziel ausgegeben. "Ich will meinen Titel zurückhaben", hatte er gesagt.

Zwar lief dann schon die Vorausscheidung am Sonntag recht hakelig, als er für 5,70 m drei Versuche brauchte. Zwei Tage später klappte dann aber gar nichts mehr. Rund 40 Minuten nach Wettkampfbeginn hatte der Zweibrücker schon Feierabend - der Kampf um die Medaillen hatte da noch nicht einmal im Ansatz begonnen.

Holzdeppe, Weltmeister 2013 und WM-Zweiter 2015, hat keine leichte Zeit hinter sich. Die olympische Saison war auch als Folge hartnäckiger Verletzungen ein mittleres sportliches Desaster, bei den Sommerspielen in Rio verabschiedete sich Holzdeppe schon in der Qualifikation. Auch 2017 lief nur unwesentlich besser, dem Selbstvertrauen der deutschen Nummer eins hatte das aber nicht geschadet.

Holzdeppe einziger deutscher Springer in London

"Auch wenn der Saisonverlauf vielleicht nicht für mich spricht, bin ich sehr zuversichtlich", hatte Holzdeppe: "Ich bin in der Form, vorne mitzuspringen, wenn es darum geht, jeden zu schlagen." In London schlug er sich selbst, niemand anderen.

Neben Holzdeppe hatte sich kein deutscher Springer für London qualifiziert, die einstige DLV-Domäne steckt in schwierigen Zeiten. Als Holzdeppe 2013 in Moskau WM-Gold holte, waren in Björn Otto (3.) und Malte Mohr (5.) zwei weitere Athleten unter den Top 5, nun war der Ex-Weltmeister ein Alleinunterhalter. Mit Unterhaltung hatte die Vorstellung in London allerdings nichts zu tun.