Ist der Deal von Amazon mit Hyundai das Ende von TrueCar?

Motley Fool Investmentanalyst

Werden Amazon.com (WKN:906866) Kunden bald in der Lage sein, ein neues Auto mit einem Klick zu kaufen? Und wenn ja, was bedeutet das für den Online-Autoservice TrueCar (WKN:A1132L)?

Amazon Vehicles, ein neues Autosuchportal, das 2016 zu Amazon hinzugefügt wurde, macht gerade große Fortschritte mit seinem ersten digitalen Neuwagen-Showroom – in Zusammenarbeit mit Hyundai (WKN:885166).

Warum hat Hyundai einen neuen Amazon „Showroom“?

Hyundai sagte, dass es sein neuer Amazon-Showroom Käufern erlaubt, Modelle zu vergleichen, Berichte zu lesen, die Fahrzeuge anzusehen, die lokale Händler im Angebot haben, und Testfahrten zu vereinbaren.

Ein Interessent muss aber immer noch zu einem Hyundai-Händler gehen, um ein Auto zu kaufen. Der Gedanke hinter dem Amazon-Portal ist, dass es — hoffentlich — viele neue Kunden zu Hyundais US-Händlern bringen wird, während es dem Unternehmen hilft, sich von den konkurrierenden Autoherstellern in den Köpfen der Amazon-Kunden abzuheben.

Der Gedanke dahinter, sagte Tim Maxwell, Hyundais digitaler Marketing-Manager, ist es, den Kunden eine Möglichkeit zu geben, sich einen Neuwagenkauf zu überlegen und zu tätigen, der mit dem gesamten Einkaufserlebnis bei Amazon konsistent ist.

„Diese Zusammenarbeit mit Amazon bietet den Kunden die Möglichkeit, sich über Hyundai-Fahrzeuge auf eine Weise zu informieren, die ihren Erwartungen für fast jede andere Art von Kauf entspricht“, sagte Maxwell.

Ist Amazon Vehicles jetzt auf Kollisionskurs mit TrueCar?

Langsam aber sicher hat Amazon sein Fahrzeugportal zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten von Auto-Webseiten wie Edmunds und Autotrader ausgebaut. Die Website bietet bereits Fotos, detaillierte Spezifikationen und Kundenbewertungen für fast jedes in den Vereinigten Staaten verkaufte Fahrzeug. Das einzige, was bisher gefehlt hat, ist ein direkter Weg für Amazon-Kunden, ein Fahrzeug über die Website zu kaufen – ein „Jetzt kaufen“-Button für Neuwagen.

Amazon hat das Terrain bereits auf vorsichtige Art und Weise getestet. Das Unternehmen arbeitete mit Fiat Chrysler Automobiles (WKN:A12CBU) zusammen, um seinen Kunden in Italien im Jahr 2016 3 Fiat-Modelle mit Rabatten anzubieten. Doch bisher bot Amazon seinen Kunden in den USA den direkten Autokauf nicht an.

Der neue Showroom von Hyundai ändert das, und das macht ihn zu einem wichtigen Schritt nach vorn. Amazon ist jetzt in mehr oder weniger direktem Wettbewerb mit der Online-Auto-Shopping-Seite TrueCar, zumindest bei Kunden, die Hyundais wollen.

TrueCar wurde mit dem Ziel gegründet, dem Autokäufer viele Unannehmlichkeiten zu ersparen. Die Website funktioniert, indem sie seriöse („qualifizierte“) Käufer mit Händlern in der Nähe zusammenbringt, die sich bereit erklärt haben, einen Preis ohne Feilschen zu akzeptieren.

TrueCar hat einen großen Vorsprung auf Amazon: Zum Ende des ersten Quartals hatten sich über 12.000 Neuwagenhändler angemeldet, um Empfehlungen aus dem Service anzunehmen. Die Nutzer von TrueCar haben im ersten Quartal rund 230.000 Fahrzeuge über den Service gekauft. Das ist eine enorme Zahl, aber es ist eine, die schnell in den Schatten gestellt werden könnte, wenn Amazon es ernst meint.

Wird Amazon das tun? TrueCar erhebt von seinen Vertriebspartnern Vermittlungsgebühren, nachdem die Fahrzeuge verkauft wurden. Diese Gebühren beliefen sich im ersten Quartal auf durchschnittlich 334 US-Dollar pro Fahrzeug und brachten TrueCar einen Umsatz von fast 77 Millionen US-Dollar.

Man kann sich leicht vorstellen, dass Amazon einen Angriff auf die Händlerbeziehungen von TrueCar macht, indem es den Autoherstellern anbietet, ihren Händlern Empfehlungen im Austausch für den niedrigstmöglichen Preis zu schicken. Die Händler könnten protestieren, dass die Anmeldung bei Amazon ihre ohnehin schon dünnen Margen drücken könnte — aber am Ende vermute ich, dass die Größe und Reichweite von Amazon es ihnen sehr schwer machen würde, das abzulehnen.

Das wäre keine gute Nachricht für viele Neuwagenhändler. Es wäre mit ziemlicher Sicherheit eine verheerende Nachricht für TrueCar.

Was wird Amazon als nächstes tun?

Angesichts der Tatsache, dass Amazon Vehicles seit fast zwei Jahren läuft, und dass der erste Autohersteller seinen eigenen Showroom eingerichtet hat, ist es sicher zu sagen, dass das Unternehmen nicht direkt in den neuen Automarkt vorgeprescht ist. Das Unternehmen spielt aber eindeutig mit der Idee, das zu tun.

Ich vermute, dass sich die Führung von Amazon sehr bewusst ist, dass die meisten Amerikaner die Erfahrung, ein neues Auto zu kaufen, nicht mögen. Es gibt vermutlich eine sehr große Möglichkeit für Amazon, sich als Vermittler in diesen unbeliebten Prozess einzubinden und den Prozess für Käufer und Händler zu rationalisieren — und nicht zuletzt, ein Stück vom Kuchen für sich selbst zu beanspruchen.

Der neue Hyundai-Showroom gibt Amazon die Möglichkeit, Antworten auf einige wichtige Fragen zu bekommen: Wie viel kann das Unternehmen für eine solche Dienstleistung verlangen und wie viel würde sie kosten?

Ich denke, wenn das Unternehmen einen annehmbaren Profit erzielen kann, werden auch mehr Autohersteller sich anmelden, um virtuelle Ausstellungsräume auf Amazons Plattform zu schaffen. Wenn ja, wird das TrueCar in eine sehr schwierige Lage bringen. Beobachte die Entwicklung genau.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, ein Tochterunternehmen von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

Dieser Artikel wurde von John Rosevear auf Englisch verfasst und am 19.07.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon. The Motley Fool empfiehlt TrueCar.

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