Dax hält sich knapp über der 13.000er-Marke

Am Freitag drängt ein solider Ifo-Index die politischen Sorgen der Anleger in den Hintergrund. Trotz Euro-Aufwertung geht es rauf in Frankfurt.


Die 13.000 Punkte vom Vortag hätte der Dax fast aufgeben müssen. Konnte er sich im Frühhandel noch locker beweisen, sank er im Tagesverlauf immer weiter ab. Erst in der letzten Stunde vor Handelsschluss bewegte sich der Deutsche Aktienindex wieder aufwärts und schloss bei 13.001 Stellen etwa 0,1 Prozent leichter. Die Börsianer am Frankfurter Parkett wiesen darauf hin, dass die Handelsumsätze wegen des Feiertags am Donnerstag und des Brückentages an diesem Freitag niedrig seien.

Der MDax notiert 0,2 Prozent leichter bei 26.699 Stellen, der TecDax liegt 0,3 Prozent schwächer bei 2779 Punkten. Nur 0,1 Prozent verliert der EuroStoxx 50 – er liegt bei 3565 Punkten.

Obschon die Spannungen zwischen Israel und dem Iran, die politischen Unsicherheiten in Italien und der weiterhin drohende Handelskrieg zwischen den USA und China die Nachrichtenlage bestimmen, haben sie keine Auswirkungen auf die Börse: „Die Aktienmärkte trotzen den geopolitischen Risiken, die sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft haben“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

„Weder die Europäische Union noch der Iran oder die USA sind an einer großen Auseinandersetzung interessiert.“, so Thomas Romig, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon. Eine Verhandlungslösung sei also in Aussicht – solange dies der Fall ist, beeinflusst die Weltpolitik die Börsen nicht: „Es gibt eine Übergangsfrist, bis die Sanktionen greifen", sagte Benjamin Schroeder von der ING-Bank.


Die unverändert robuste weltweite Konjunktur überstrahle ohnehin die Störfaktoren, betont Thomas Metzger, Chef der Vermögensverwaltung des Bankhauses Bauer. „Der Fokus der Investoren richtet sich auf die momentan laufende Berichtssaison, welche insbesondere in den USA ein sehr solides Bild der Entwicklung in den Unternehmen zeigt. Europäische Werte, vor allem die exportlastigen deutschen Titel, erhalten zusätzlich Rückenwind vom gegenüber dem Euro wieder stärkeren Dollar.“ Zeitweise fiel der Kurs der Gemeinschaftswährung auf ein Viereinhalb-Monats-Tief von 1,1821 Dollar – derzeit liegt er bei 1,1937 Dollar. Dadurch werden Exportwaren aus Deutschland im Ausland günstiger und Absätze können gesteigert werden.

Am letzten Handelstag der Woche standen diverse Zahlen an. Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor-Mittal konnte seinen Gewinn vor Steuern (Ebitda) im ersten Quartal überraschend kräftig um 13 Prozent auf 2,51 Milliarden Dollar steigern. Dies liegt einerseits an den gestiegenen Preisen für Stahl, aber auch der anziehenden Nachfrage nach Eisenerz. Die Arcelor-Aktien kletterten bis auf ein Vier-Monats-Hoch von 30,76 Euro. In ihrem Schlepptau legten Konkurrenten wie Thyssenkrupp, Voestalpine und Outokumpu bis zu 1,6 Prozent zu.

Enttäuscht reagierten Investoren allerdings auf die Zahlen von Talanx. Trotz höherer Prämien-Einnahmen ging der Quartalsgewinn des Versicherers auf 218 Millionen Euro zurück. Von Reuters befragte Analysten hatten mit 227 Millionen Euro gerechnet. Ein Händler sagte, gerade mit Blick auf das zuletzt starke Abschneiden der Tochter Hannover Rück habe Talanx enttäuscht. Analysten der Baader Bank und von JPMorgan bemängelten das Industriegeschäft, das schwächer gelaufen sei als gedacht. Die Talanx-Papiere verloren als einer der schwächsten MDax-Werte über 2 Prozent.



Bester Dax-Wert waren die Aktien der Lufthansa mit plus 3 Prozent. Die Ticketpreise der Airline zogen nach zwei Monaten Stagnation im April wieder an. Am Index-Ende verloren die Anteile des Medizinkonzerns Fresenius 1,3 Prozent, sowie die Papiere von Eon 1,6 Prozent und jene von RWE 1,3 Prozent.

Sein Debüt auf dem Frankfurter Börsenparkett feierte der Cloud-Telefonieanbieter Nfon am Freitag. Ursprünglich habe der Börsengang schon am 9. Mai stattfinden sollen. Nachdem das Unternehmen die Preisspanne Anfang der Woche wegen der schwachen Nachfrage senken musste, konnte es doch noch den Sprung an die Börse schaffen. Der Ausgabepreis lag bei 11,93 bis 14,00 Euro – statt der ursprünglichen 15,60 bis 19,60 Euro. Derzeit wird der Titel bei 13,28 Euro gehandelt. „Investoren unterziehen Börsengänge einer strengen Prüfung, sie treten gegen die Reifen und schauen unter die Haube“, sagt Craig Coben von der Bank of America. „Anleger wollen sichergehen, dass die Bewertungen attraktiv genug sind, um eine nachhaltige Entwicklung nach der Platzierung sicherzustellen.“
Generell seien im Jahr 2018 bereits viele Börsengänge gescheitert. In letzter Minute hatte Springer Nature heute seinen milliardenschweren Börsengang abgesagt. „Die durchwachsene Entwicklung der Aktienmärkte, die Zunahme der Kursschwankungen und das maue Abschneiden der Börsenneulinge haben zu einem äußerst selektiven IPO-Markt geführt“, sagt Christoph Stanger von der Investmentbank Goldman Sachs.

Der Kurs des Flugzeugherstellers Airbus blieb relativ stabil. Anfang der Woche konnte er noch ein Rekordhoch von 100,40 Euro vorweisen – am Freitag liegt er bei 99,24 Euro. Insofern wirken sich die angekündigten Sanktionen der USA nicht auf Airbus aus: US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte angekündigt, Airbus und dem Rivalen Boeing die Lizenz zum Verkauf von Passagiermaschinen an den Iran zu entziehen. Damit steht die Bestellung von 200 Fliegern für IranAir mit einem Listenpreis von 38,3 Milliarden Dollar auf der Kippe. Die Hälfte dieser Aufträge entfällt auf Airbus.


Bei den Aktien von Uniper gab es Abschläge von bis zu 1,1 Prozent. Die Societe Generale (SocGen) hatte die Anteile des Kraftwerksbetreibers von „Hold“ auf „Sell“ abgestuft. Die Bewertung und die Dividendenrendite seien nicht besonders attraktiv, so die Begründung.

Vorne im TecDax bauten SLM Solutions nach einer Hochstufung durch die Commerzbank ihren starken Vortagesgewinn um 5,5 Prozent aus.

Die Börsen von Übersee konnten am Donnerstag überzeugen. Nachlassende Zinsspekulationen haben am Donnerstag den US-Börsen Rückenwind gegeben. Der Dow Jones startet den Handel am Freitag noch mal mit einem Plus von 0,3 Prozent und notiert 24.839 Stellen, während der S & P 500 um 0,2 Prozent fester bei 2728 Punkten liegt. Nur der Nasdaq notiert 0,1 Prozent leichter. Grund sind enttäuschende Bilanzen von Technologiefirmen.

Im Sog der Wall Street und beflügelt von positiven Geschäftszahlen großer Unternehmen hat die Tokioter Börse am Freitag sogar auf ein Dreimonatshoch zugelegt. Der japanische Leitindex Nikkei gewann im Vormittagshandel 0,75 Prozent auf 22.663 Punkte. Der breiter angelegte Topix-Index legte um 0,56 Prozent auf 1.787 Zähler zu.



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