Dax im Vorwärtsgang

Der deutsche Leitindex erholt sich vom Kursrutsch des Vortages, weil der befürchtete Schlagabtausch zwischen Nordkorea und den USA ausbleibt. Dazu kommt ein Euro, der wieder deutlich unter 1,20 US-Dollar notiert.


Europas Anleger haben am Mittwoch erleichtert auf das Ausbleiben eines neuen verbalen Schlagabtausches zwischen den USA und Nordkorea reagiert. Dax und Euro Stoxx legten jeweils rund 0,5 Prozent auf 12.007 und 3400 Punkte zu. Es gebe die Hoffnung, dass China beruhigend auf Nordkorea einwirken werde, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Das könnte auch der Grund sein, warum US-Präsident Trump sich nach dem neuesten Raketentest etwas diplomatischer zeigte als zuvor.“ Dies gab dem Dollar Schub, so dass der Euro mit 1,1950 Dollar rund einen US-Cent unter dem am Dienstag erreichten 2-1/2-Jahres-Hoch notierte.

Am Dienstag hatte der deutsche Leitindex erstmals seit rund fünf Monaten unter der viel beachteten 12 000-Punkte-Marke geschlossen. Auf diesem Niveau sei nun „mit verstärktem Kaufinteresse zu rechnen“, hieß es bei den Experten des Börsenstatistik-Magazin Index-Radar. Ob sich daraus nur eine kleine Verzögerung im seit Monate anhaltenden Abwärtstrend oder eine Stabilisierung ergebe, bleibe aber abzuwarten.

Auch die Nebenwerte-Indizes legten am Mittwoch wieder den Vorwärtsgang ein: Der MDax, in dem sich die mittelgroßen deutschen Unternehmen versammeln, gewann 0,5 Prozent auf 24 445 Punkte, und der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 0,8 Prozent auf 2247 Punkte vor.


„Politische Börsen haben kurze Beine, so auch im aktuellen Fall“, betonte CMC-Marktanalyst Jochen Stanzl. Anleger nutzten den jüngsten Kursrückgang zum Einstieg. Am Dienstag hatte der Leitindex angesichts des nordkoreanischen Raketenabschusses 1,5 Prozent verloren. Allerdings schwele der Konflikt weiter, warnten Händler. Nordkorea kündigte weitere Maßnahmen gegen die USA an, während der UN-Sicherheitsrat den Test vom Montag als ungeheuerliche Gefahr bezeichnete.

In den USA warten Börsianer gespannt auf den Beschäftigungsbericht der privaten Arbeitsagentur ADP. Er gibt einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag, von denen sich Investoren Rückschlüsse auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten US-Zinserhöhungen versprechen.

Die Folgen des Wirbelsturms „Harvey“ machten den Ölmärkten zu schaffen. Vor allem die Preise für Ölprodukte in den USA wie Benzin und Diesel zogen an, während die Notierungen für Rohöl leicht sanken. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 51,79 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl WTI kostete mit 46,32 Dollar 0,3 Prozent weniger.



Börsianer führten dies darauf zurück, dass wegen der wetterbedingten Schließung von Raffinerien die Nachfrage nach Rohöl zunächst sinke. Auch die größte US-Raffinerie Port Arthur, die von Motiva Enterprises betrieben wird und 135 Kilometer östlich von Houston liegt, ist betroffen. Dem Betreiber zufolge lag die Produktion am Dienstagabend dort bei nur noch 40 Prozent.

Vor allem bei den Finanztiteln nutzten Investoren die Vortagesverluste für einen Einstieg. Der Sektor legte 0,6 Prozent zu. Auch bei europäischen Medienwerten ging es mehrheitlich wieder nach oben. Gute Laune verbreitete der Fernsehkonzern RTL, der trotz des schwierigen Werbemarktes den Umsatz im zweiten Quartal überraschend stark steigerte. Die RTL-Aktien legten bis zu sieben Prozent zu und standen an der MDax-Spitze.



Damit machten sie ihre Verluste vom Dienstag wett, als sie im Sog von Pro Sieben Sat.1 fünf Prozent verloren hatten. Die Kursverluste seien übertrieben, hieß es bei der DZ Bank. Insgesamt zeige das operative Geschäft bei RTL eine solide Entwicklung. An der Londoner Börse kletterten die Papiere des britischen Medienkonzerns ITV um 2,8 Prozent.

Nach dem 14-prozentigen Kurssturz vom Dienstag fassten die Anleger ProSiebenSat.1 allerdings nur mit spitzen Fingern an: Die Aktien verloren erneut 1,8 Prozent auf 27,42 Euro und notierten zeitweise so niedrig wie zuletzt im April 2013. Analysten äußeren sich negativ und senkten ihre Kursziele.