Licht und Schatten bei den beiden Fresenius-Werten

Die Fed bewertet das US-Geschäft der Deutschen Bank negativ, die Aktie stürzt ab. Dagegen lässt die Nervosität wegen der Entwicklung in Italien nach.


Der Dax ist am Montag mit Verlusten in die neue Handelswoche gestartet. Der deutsche Leitindex zeigte sich schon in den Anfangsminuten im Minus, das er bis zum späten Vormittag auf minus 0,3 Prozent ausweite. Anschließend kletterte er bis in den positiven Bereich, nur um im Lauf des Nachmittags wieder abzufallen.

Mit zuletzt 12.520 Punkten (minus 0,16 Prozent) entfernte er sich wieder ein Stück weit von der Marke von 12.600 Punkten, die er in der vergangenen Woche erstmals seit mehr als zwei Monaten überspringen konnte. Er folgte den Märkten in den USA und Asien ins Minus.

Der Leitindex tut sich auch schwer, weil Anleger auf die im Laufe der Woche anstehenden Unternehmensberichte und den am Donnerstag erwarteten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) warten. In ihren Hinterköpfen verbleiben außerdem geopolitische Risiken – auch wenn diese am Wochenende eher nachgelassen haben, weil Nordkorea eine Aussetzung aller Atom- und Raketentests verkündete.

Die mittelgroßen Werte im MDax folgten dem großen Indexbruder mit einem Abschlag von 0,22 Prozent auf 25.927 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax dagegen erholte sich ein Stück weit von seinen überdurchschnittlichen Verlusten der vergangenen Handelstage. Er legte um 0,22 Prozent auf 2.629 Zähler zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 bewegte sich moderat im Minus.



Auf Unternehmensseite stand am Montag im Dax zwei Unternehmen mit dem Namensbestandteil Fresenius im Fokus – und damit die Gesundheitsbranche.

Für die Aktionäre von Fresenius Medical Care (FMC) gab es schlechte Nachrichten: Der Dialyse-Konzern senkte nach einem Umsatz- und Gewinnrückgang im ersten Quartal seine Ziele für den Gesamtjahreserlös. In der Folge büßten die Papiere ganze 3,77 Prozent ein.

Ganz anders sieht das Bild beim Mutterkonzern Fresenius aus, der immer noch rund 30 Prozent der FMC-Aktien hält. Bei Fresenius rückten die Aktien zwischenzeitlich 3,5 Prozent vor und setzten sich damit mit Nachdruck an die Dax-Spitze. Zuletzt notierten sie immer rund 0,5 Prozent im Plus. Der Hintergrund ist, dass der Medizinkonzern am Wochenende die geplante 4,4 Milliarden Euro schwere Übernahme des US-Konzerns Akorn hatte platzen lassen. Anleger seien offenbar erleichtert, da das Geschäft der US-Pharmafirma seit Vertragsunterzeichnung geschwächelt habe, urteilte Analyst Tom Jones von der Berenberg Bank.

Allerdings keimten Sorgen vor einem Rechtsstreit mit den Amerikanern auf: „Für Fresenius ist die Nachricht positiv, aber die Antwort von Akorn auf die abgeblasene Übernahme klingt danach, als ob die Sache vor Gericht landen wird“, schrieben die Analysten der Investmentbank Bernstein. Auch die US-Gesundheitsbehörde FDA könne sich einschalten. Die Experten von Morgan Stanley äußerten sich ähnlich. „Der Ausgang dieses Deals ist nicht ideal, da er einen langwierigen Rechtsstreit nach sich ziehen könnte.“

Fresenius ließ die Übernahmepläne fallen, nachdem der Konzern beim Generika-Anbieter Akorn nach eigenen Angaben schwerwiegende Verstöße gegen Vorgaben der US-Gesundheitsbehörde FDA zur Datenintegrität gefunden hat. Akorn erklärte daraufhin, der Konzern sehe keinen Grund, die Kaufpläne zu stoppen und wolle seine Rechte in der verbindlichen Fusionsvereinbarung durchsetzen. Nicht komplett auszuschließen sei auch, dass Fresenius mit der Aufkündigung der Transaktion versuche, einen geringeren Übernahmepreis rauszuhandeln, erklärten die Experten der Bank Berenberg.

Offensichtlich seien die Probleme bei Akorn aber so gravierend, dass Fresenius den Stecker ganz gezogen habe. Sollte Fresenius ohne einen längeren Rechtsstreit davon kommen, wäre das für den Aktienkurs positiv. „Für die Aktie ist das Ende des Deals eine Art Neustart.“ Anleger von Fresenius waren schon länger bezüglich der Übernahmepläne skeptisch. Die Titel hatten in den vergangenen zwölf Monaten elf Prozent verloren. Akorn wäre mit 4,4 Milliarden Euro die zweitgrößte Übernahme für Fresenius gewesen.


Bei der Metro AG geht der jüngste Kurseinbruch wegen gesenkter Jahresziele zu Wochenbeginn ungebremst um mehr als 8 Prozent weiter. Positiv machte unter den Nebenwerten die Aktie von Borussia Dortmund auf sich aufmerksam. Sie zog am Montag deutlich um 6 Prozent an, nachdem der Fußballclub am Wochenende mit einem 4:0-Sieg gegen Leverkusen einen direkten Verfolger in die Schranken wies. Händler werteten dies als wichtigen Schritt hin zur gesicherten Qualifikation für die lukrative Champions League.

Schwäche zeigten die Immobilienwerte, deren Anleger sich am jüngsten Anstieg der Marktzinsen stören. Papiere von Vonovia verloren im Dax gut 0,7 Prozent und Deutsche Wohnen im MDax sogar 1,4 Prozent.

Ein Umsatzsprung ermuntert Anleger zum Einstieg bei Petra Diamonds. Die Aktien des Edelstein-Schürfers stiegen am Montag in London um bis zu 6,6 Prozent. Dank häufigerer Diamantenfunde stieg der Quartalserlös den Angaben zufolge im Jahresvergleich um 44 Prozent auf 119,1 Millionen Dollar.

Der Eurokurs blieb am Montag auf Talfahrt. Mit zuletzt 1,2303 Dollar kostete die Gemeinschaftswährung wieder weniger als 1,23 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs vor dem Wochenende auf 1,2309 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,41 Prozent am Freitag auf 0,44 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,16 Prozent auf 139,54 Punkte. Der Bund-Future gab leicht um 0,08 Prozent auf 157,80 Punkte nach.



Neben der erneuten Flut von Firmenbilanzen richten Anleger ihre Aufmerksamkeit auf die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager. Von Reuters befragte Analysten rechnen für April jeweils mit einem Rückgang um etwa einen halben Punkt auf 57,5 und 56,1 Zähler.

Investoren hoffen, dass sich der unter dem Strich positive Zahlenreigen in dieser Woche fortsetzt. Für die Unternehmen im S & P 500 erwarten Analysten ein Gewinnwachstum von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das wäre die beste Bilanzsaison seit sieben Jahren. In dieser Woche legen unter anderem die Google-Mutter Alphabet, Amazon, AT & T, Boeing, Coca-Cola, Ebay, Exxon Mobil, Facebook, General Motors, Intel, Microsoft, Pepsico und Verizon Zahlen vor.

Auch aus Deutschland werden Zahlen erwartet. In den kommenden Tagen legen neun Unternehmen Zahlen vor, die im Leitindex Dax notiert sind. Den Auftakt macht am Dienstag SAP, am Mittwoch folgen Linde und die Deutsche Börse. Am Donnerstag geht es mit den Quartalsergebnissen von Deutscher Bank, Lufthansa, Dax-Neuling Covestro, Volkswagen und Continental besonders hoch her. Neben Volkswagen legt am Freitag auch Daimler Zahlen vor. Die Autobauer hatten zuletzt ihre Absätze deutlich erhöht.
Doch auch die Weltpolitik dürfen Anleger nicht aus den Augen verlieren. Am Montag besucht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron US-Präsident Trump, am Freitag trifft sich Trump mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington. Die Europäische Union ist im Handelsstreit nur bis zum 1. Mai von den amerikanischen Zöllen auf Aluminium und Stahl ausgenommen.


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