Dax mit höchstem Schlusskurs aller Zeiten

Der deutsche Leitindex strich für die laufende Woche Verluste ein, stieg aber zuletzt wieder ein wenig und lag nur noch 0,37 Prozent im Minus. Ölpreise und Einkaufsmanagerindex hatten ihn den ganzen Tag gedrückt.


Die Anleger wollten es am Montag wissen – der Dax hat am ersten Handelstag der Woche so hoch wie noch nie geschlossen. Unerwartet stark gestartet, hielten die Anleger den Schwung aufrecht. Spätestens mit der Wall Street, die mit Rekorden anlief, ging es weiter rauf – bis die 12.900-Punkte-Schranke fiel. Zum Rekordhoch von 12.921 Zählern fehlten zwischenzeitlich keine zehn Punkte. Am Ende ging der Deutsche Aktienindex mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 12.888 Punkten in den Feierabend.

Der Euro-Stoxx-50 kletterte ein Prozent rauf und kam auf 3579 Zähler. Der nötige Rückenwind war am Morgen aus Fernost gekommen, wo Börsianer japanische Konjunkturdaten dankend annahmen. Und in Frankreich machte die Partei LRM von Emmanuel Macron bei den französischen Parlamentswahlen alles klar. Mit der am Sonntag erhaltenen absoluten Mehrheit erhält der Neu-Präsident das starke Mandat, um seine ehrgeizigen Reformen in Angriff zu nehmen. „Nun schöpfen die Marktteilnehmer wieder neue Hoffnung für die europäische Idee“, sagte Frank Klumpp, Anlage-Experte von der LBBW.


Auch in New York zeigten sich die Anleger kauffreudig. Die Aufschläge reichten zwar nicht an die Europas ran, für eine neue Bestmarke bei Dow und S&P aber reichte es allemal. Der Dow-Jones-Index notierte mit 0,5 Prozent im Plus bei 21.499 Punkten. Der breite S&P-500 rückte ein halbes Prozent vor auf 2450 Punkte. Stark zeigten sich die Technologietitel, deren Börse Nasdaq nach den starken Verlusten von vergangener Woche um 1,2 Prozent raufging 6223 Zählern.

Thema blieb Großbritannien. In Brüssel starteten heute Vormittag die Austrittverhandlungen des Vereinigten Königreichs mit der Europäischen Union. Brexit-Minister David Davis trifft den EU-Chefunterhändler Michel Barnier. Am Zeitplan halten beide Seiten fest, was zunächst unklar war, hatte die britische Ministerpräsidentin Theresa May ihre Position durch die vorgezogenen Parlamentswahlen sowohl nach innen als nach außen deutlich geschwächt. Zu vermelden gab es bisher noch nichts, der Pfund wertete um 0,3 Prozent auf auf 1,1430 Euro, der FTSE-100 notierte in London 0,7 Prozent fester bei 7516 Punkten.


Rückenwind gab es aber aus dem fernen Osten, wo die Anleger für einen freundlichen Montag sorgten. In Tokio sprang der Nikkei erneut über die wichtige 20.000-Punkte-Marke, am Ende ging der Platzhirsch mit 20.067 Punkten und einem Plus von 0,6 Prozent aus dem Handel. Die japanische Wirtschaft hatte im vergangenen Monat so viele Waren exportiert wie seit zwei Jahren nicht mehr. Der Yen wertete 0,2 Prozent ab auf 111,03 Yen pro Dollar. Der chinesische CSI kletterte ein Prozent rauf auf 3554 Punkte.

Nach den politischen Wahlen und Notenbanksitzungen der vergangenen zwei Wochen, rückt nun vermehrt die Konjunktur in den Blick. Am Freitag erscheinen diverse Einkaufsmanager, das Wirtschaftsanalysehaus Markit veröffentlicht Daten für Deutschland, Frankreich, die Eurozone, Japan und die USA. Diese dürften nach Einschätzung des HSBC moderat nachgeben. Die Bank begründet ihre Prognose mit einer „zuletzt eher enttäuschenden Entwicklung der Industrieproduktion in der Eurozone und Anzeichen dafür, dass die globale Erholung des Verarbeitenden Gewerbes den Zenit wohl bereits überschritten hat.


Was die Woche bringt


Auch in den Vereinigten Staaten erweist sich die Suche nach Impulsen als schwierig. Die von Börsianern mit Vorschusslorbeeren überschüttete Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten Donald Trump hat erst wenig Konkretes gebracht. „So hat sich von den großartigen Investitionsplänen Trumps bislang nur die Privatisierung der Flugsicherung konkretisiert“, stellt die Helaba fest und kommt zu dem Schluss: „Da Aktien ebenso wie Renten ihr fundamental gerechtfertigtes Potenzial ausgereizt haben, dürften sie anfällig für Korrekturen bleiben.“

Die Kurse aber klettern am Montag erstmal weiter – und zwar durch die Bank weg. Der französische CAC40 legte nach dem deutlichen Wahlsieg der Macron-Partei La Republique En Marche 0,9 Prozent zu auf 5310 Punkte. In der zweiten Frankfurter Reihe gewann der MDax 1,2 Prozent bei nun 25.531 Zählern, die Tech-Werte des TecDax rückten ein Prozent vor auf 2297 Stellen.


Weiter Konjunkturtermine der Woche sind: Die US-Eigenheimverkäufe am Mittwoch und das Stimmungsbarometer der europäischen Verbraucher am Donnerstag. Hinzu kommen am Donnerstag die wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe und die wöchentlichen Rohöllagerbestände aus den Staaten. Auf Unternehmensseite stehen noch einige amerikanische Berichte an. Am Dienstag öffnet Deutsche-Post-Konkurrent Fedex seine Bücher, Mittwoch folgt SAP-Rivale Oracle. Zu ihrer Hauptversammlung lädt die Patrizia, Großanleger Union Investment will den Vorstand des deutschen Immobilienwirtschafters nicht entlasten, gefordert ist eine Sonderdividende von 3,50 Euro.

Stärkster Titel im Dax waren am Montag Deutsche Bank und Thyssenkrupp, die sich um 2,5 Prozent verteuerten. Eine Morgan Stanley-Studie sorgte für Bewegung bei den Versorgern. Die Amerikaner stuften Eon rauf auf Übergewichten und hoben das Kursziel von 7,30 auf 10,30 Euro. Die Papiere gehörten mit einem Plus von 1,5 Prozent zu den besten in der Frankfurter Benchmark. RWE hingegen viel aus der Übergewichten-Liste, auch wenn das Kursziel von 18,00 auf 20,40 ansteigt. Im freundlichen Marktumfeld verloren die Papiere nur minimal.