Dax schließt mit größtem Plus seit 16 Wochen

Vor dem Wochenende setzt der Dax den positiven Trend der vergangenen Tage fort und steigt weiter an. Im Fokus bleibt die Berichtssaison.


  • Gespräch zwischen Trump und Juncker glättet Wogen
  • Autobauer deswegen große Gewinner des Tages
  • Draghi will Euro-Leitzins erst nach dem Sommer 2019 anheben

Europas Anleger haben sich am Donnerstag zurückgemeldet. An gleich zwei wichtigen Fronten – Handelsstreit und Geldpolitik – kam es zu positiven Entwicklungen, sodass sich die Aktien in Frankfurt, Paris und in den anderen europäischen Metropolen deutlich erholen konnten. Im Laufe des Handels zogen die Kurse weiter an, am Ende schloss der Dax bei 12.809 Punkten. Mit einem Aufschlag von 1,8 Prozent ist dies das größte Plus seit Anfang April.

Die wichtigsten Indizes im Überblick 

In der zweiten Frankfurter Reihe fielen die Kursgewinne nicht so groß aus wie bei den Bluechips, wie Standardwerte an der Börse auch genannt werden. Die Nebenwerte des MDax legten ein Prozent zu auf 26.948, der TecDax rückte 0,6 Prozent vor auf 2933 Zähler. Der Euro-Stoxx-50, Leitindex der Währungsunion gewann 1,2 Prozent auf 3.508 Punkte. 

An der Wall Street zog der heftige Kursabsturz von Facebook die gesamte Tech-Branche mit runter. Ein schwacher Quartalsbericht kostete die Kalifornier ein Fünftel ihres Börsenwertes und zog die Nasdaq ins Minus, die ein Prozent verlor. Auch der Gesamtmarkt, in Form des breiten S & P 500 gab nach, wenn mit 0,2 Prozent auch nur leicht. Der Dow Jones hingegen konnte sich behaupten und gewann ein halbes Prozent hinzu auf 25.547 Zähler.

Die Börsen in Fernost hatten mit Gewinnmitnahmen zu kämpfen. Dow Jones und S & P 500 zwischen 0,7 bis 0,9 Prozent, die Technologietitel blieben auf Rekordjagd: Der Nasdaq 100 erreichte mit fast anderthalb Prozent an Aufschlag 7511 Punkte – und damit einmal mehr eine neue Bestmarke. 


In Tokio gab der marktbreite Nikkei 0,1 Prozent nach, während der noch größere Topix, der alle an der japanischen Börse gelisteten Titel zusammenfast, 0,7 Prozent zulegen konnte auf 1765 Punkte. Chinesische Papiere hingegen waren nicht gefragt. Der CSI 300 verlor 1,2 Prozent, die Indizes der Marktplätze Shanghai und Shenzhen verloren zwischen 0,7 und 0,9 Prozent.

Was heute wichtig ist 

Für Schwung sorgten die Entspannungssignale aus Washington. Beim Treffen am gestrigen Abend hatten sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump überraschend darauf geeinigt, Verhandlungen zum Abbau von Handelshemmnissen aufzunehmen. Damit sind US-Strafzölle auf europäische Autos vorerst vom Tisch. Die Titel, die gestern noch unter die Räder gekommen waren gehörten zu den großen Gewinnern auf dem sich erholenden europäischen Aktienmarkt. 

Am Nachmittag kamen aus Frankfurt weitere Kaufsignale, aber nicht von der Börse. Die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank verlief zwar ohne Überraschungen: der Leitzins bleibt bei 0,0 Prozent, der Einlagezins bei minus 0,4 Prozent, auch das Tempo des Ausstiegs aus dem Billionen schweren Anleihekäufen rührte die Währungshüter nicht an.

Wichtiger war, was EZB-Chef Mario Draghi auf der anschließenden Pressekonferenz sagte. Man wolle den Leitzins bis zum Sommer 2019 auf niedrigem Niveau halten, so der Italiener. Auch das ist alles andere als eine Überraschung – die Märkte rechnen mit einer ersten Leitzinserhöhung im Herbst 2019 –, doch es war das erste Mal, dass sich der Notenbankchef so konkret äußerte und den Kurs der nur vorsichtigen Normalisierung der aktuell extrem offensiven Geldpolitik bekräftigte. Der Euro fiel im Anschluss deutlich, um 0,6 Prozent ging es runter auf 1,1659 Dollar.


Einzelwerte im Fokus 

Autobauer bleiben im Fokus: Die Aktien von BMW legten 4,4 Prozent zu, Anteilsscheine von Volkswagen verteuerten sich um vier Prozent, der Zulieferer Continental um zwei. Sogar Daimler-Papiere stiegen um 2,8 Prozent, obwohl die Stuttgarter heute einen starken Gewinneinbruch im zweiten Quartal bekannt geben mussten. 

Die deutsche Börse kann nicht überzeugen: Der Börsenbetreiber veröffentlichte am Mittwochabend nach Handelsschluss gute Zahlen. Im zweiten Quartal konnten die Eschborner ihren Gewinn erneut im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent auf 210 Millionen Euro steigern. Der Abbau von Arbeitsplätzen, aber auch Rechtsstreitigkeiten und die Integration trieben jedoch die Kosten. Im Dax gaben die Papiere nun 0,8 Prozent nach und liefen damit deutlich schlechter als der Gesamtmarkt.

Bei den deutschen Aktienwerten stand außerdem Puma im Rampenlicht. Mit einem gut achtprozentigen Kursrutsch steuerten die Titel des Sportartikel-Herstellers auf den größten Tagesverlust seit fast zehn Jahren zu. Das Unternehmen hob zwar die Prognose für das Umsatzwachstum auf zwölf bis 14 statt zehn bis zwölf Prozent an. „Das Ziel für den Betriebsgewinn wurde aber nur bekräftigt“, sagte ein Börsianer, der wie viele andere mehr erwartet hat. Im Sog von Puma gaben die Titel des Rivalen Adidas 0,3 Prozent nach.

Analystencheck 

Mit einer Gewinnwarnung ist die gestrige Bilanzvorlage von Fiat Chrysler zum Desaster geworden. Am Ende des Tages waren die Aktien der Italiener um 16 Prozent abgesackt. Doch die Analysten der Schweizer Großbank UBS beließen ihre Einschätzung auf „Buy“ und auch ihr Kursziel bleibt mit 23 Euro unverändert. Auch Barclays bleibt bei seiner Kaufempfehlung und dem Ziel von 21,00 Euro. Die Papiere selbst legten am Donnerstag vier Prozent zu auf 14,57 Euro.    

Weitere aktuelle Analystenstimmen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck.



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