Zollstreit schockt Börsianer – Dax gelingt glimpfliches Ende

Die Pekinger Replik auf die trumpschen Strafzölle könnte sich zum Handelskrieg hochschaukeln. Die Angst davor treibt die Anleger vom Parkett.


Europas Märkte sind zur Wochenmitte abgerutscht, Amerikas taten es ihnen gleich. Empfindlich und verschreckt reagieren die Anleger am Mittwoch auf die zunehmende Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und China in Sachen Strafzöllen. Inzwischen liefern sich beide Regierungen einen protektionistischen Schlagabtausch, verkünden im Wechsel Gebühren für hunderte Waren. Erst im Späthandel verdauten Anleger die neueste Episode dieser unappetitlichen Geschichte. Am Ende kam der Dax mit einem Minus von 0,4 Prozent und einem Stand von 11.957 Punkten glimpflich davon.

Zeitweise hatte der Dax 1,8 Prozent und mehr als 200 Punkte verloren. Ähnlich erging es dem Euro-Stoxx-50, der letztlich 0,2 Prozent tiefer schloss bei 3340 Punkten. Die Wall Street in New York war mit Abschlägen von nahezu zwei Prozent in den Handel gestartet. Zum Frankfurter Börsenschluss lief der Dow Jones noch 0,6 Prozent leichter bei 23.898 Punkten. Der S & P gab 0,3 Prozent nach, die Tech-Börse Nasdaq lediglich 0,1 Prozent

Am Dienstag noch war der Dow 1,6 Prozent in die Höhe geklettert, es war der Versuch eines Ausrufezeichens. Die Gegenbewegung schmolz binnen Minuten. Doch da hatte Peking noch nicht den Ball aufgenommen und zurückgespielt, den die Trump-Regierung mit der Ankündigung, man wolle auf 1300 chinesische Produkte Strafzölle erheben, ins Rollen gebracht hatte.


Washington will Einfuhren aus Fernost – darunter auch Hightech-Produkte – im Wert von bis zu 50 Milliarden Dollar mit zusätzlichen Abgaben belegen. Inzwischen ist die Replik aus China da: Zölle auf 106 US-Waren – darunter Sojabohnen, Autos und Chemie-Produkte – sollen ebenfalls 50 Milliarden Dollar bringen.

„Die Annahme war, dass China nicht so aggressiv antworten und eine Eskalation der Spannungen vermeiden würde“, sagte Julian Evans-Pritchard, Ökonom beim Londoner Forschungsinstitut Capital Economics. Allerdings handele es sich bislang nur um Ankündigungen. Noch sei nichts umgesetzt, sagte Evans-Pritchard. Auf dem Parkett aber reichten die Drohungen, zumal es derzeit nicht so aussieht, als ließen sich die beiden Regierungen ohne gemeinsame Gespräche davon abbringen.

Von einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis zeugte der Griff nach Gold. Das gern als sicherer Hafen angesteuerte Edelmetall verteuerte sich um 0,8 Prozent auf 1343,3 Dollar.

„In einer ohnehin labilen Börsenlage ist ein Handelskrieg zwischen den Lokomotiven der Weltwirtschaft das letzte, was die Anleger wollen“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Hatte Donald Trump lange Zeit stillgehalten – zumindest waren seine protektionistischen Töne im Laufe der Amtszeit seltener geworden und blieben, was sie waren: bloße Töne – und mit der Steuersenkung für US-Unternehmen die Börsianer in Freudentaumel versetzt, ist das protektionistische Drohszenario mit der Durchsetzung der Zölle auf Stahl und Aluminium im März Realität geworden.


„Es ist weiter die Frage offen, ob US-Präsident Donald Trump wirklich bereit ist, eine Eskalation des Handelsstreits zu riskieren oder er nur Stärke zeigen will“, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Die Tatsache, dass sein Verhalten unberechenbar ist und es im Weißen Haus schnell zu Stimmungsschwankungen kommt, genügt, um für Verunsicherung auf dem Börsenparkett zu sorgen.“

Die handelspolitischen Muskelspiele zwischen den beiden weltgrößten Wirtschaftsnationen lenkten den Fokus weg von den Inflationsdaten. Dabei waren die März-Preise der Euro-Zone mit Spannung erwartet worden. Wie erwartet ist die Teuerungsrate gestiegen. Nach 1,1 Prozent im Februar betrugt die Preissteigerung im März verglichen zum Vorjahr 1,4 Prozent.


Deutsche-Bank-Aktie auf Krisenniveau


Die Inflation steht deswegen so sehr im Fokus, weil sie maßgeblich ist für den Kurs der Europäischen Zentralbank. Im Dezember, Januar und Februar war das Preisniveau im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat gefallen und hatte sich damit wieder deutlich vom Zielwert der EZB entfernt. Die Währungshüter sehen bei knapp unter zwei Prozent Jahresinflation Preisstabilität gewährleistet. Doch die Marke zu erreichen, damit tut sich die Notenbank schwer.

Um Inflation und Konjunktur nach der Euro-Krise anzutreiben, griffen Präsident Mario Draghi und sein Führungsgremium, der EZB-Rat, mehrmals zum Instrumentenkasten für unkonventionelle Geldpolitik. Die Leitzinsen liegen auf dem Tiefststand von 0,0 Prozent, Banken zahlen einen Strafzins, wenn sie Geld bei der Zentralbank parken und die EZB kauft Anleihen im Wert von mehr als zwei Billionen Euro.

Der offensive Kurs zeigt Erfolge. Inzwischen ist die Konjunktur in der Euro-Zone wieder angezogen, obgleich nicht überall. 2017 machte die Inflation mit 1,7 Prozent nach drei Jahren mit Niedrigstraten einen großen Schritt Richtung Zielmarke. Was die Kritiker der extremen Geldflut lauter werden ließ.


Mittlerweile ist ein vorsichtiger Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik größtenteils Konsens. Der EZB-Rat hat erste Schritte für den Einstieg in den Ausstieg unternommen. Rege diskutiert wird über die nächsten Schritte – und genau hier kann die Inflation immer mal wieder Hinweise für die Börsianer liefern, so die Hoffnung.

Unter den Einzelwerten im Dax führten Beiersdorf und Adidas die Tagesliste mit Aufschlägen von 1,3 Prozent an. Schwach liefen die Autobauer nach Veröffentlichung in größten Teilen solider US-Absatzzahlen. BMW, Daimler, Volkswagen und Zulieferer Continental führten unterschiedlich dicke Minusse.

Tief rutschen auch die Bankaktien ab: die Commerzbank gehört zum Feierabend mit Abschlägen von 1,2 zu den größeren Verlierern. Die Deutsche Bank hatte sich am Ende zwar fangen könne, notierte gar minimal im Plus. Doch der zwischenzeitige Absturz unter die Elf-Euro-Marke weckt Erinnerungen an den Krisenherbst 2016. In New York sackten Boeing-Papiere um bis zu 4,5 Prozent ab. Die geplanten chinesischen Zölle für amerikanische Waren umfassen auch Flugzeuge.

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