Dax verliert zeitweise mehr als zwei Prozent

Die Fed bewertet das US-Geschäft der Deutschen Bank negativ, die Aktie stürzt ab. Dagegen lässt die Nervosität wegen der Entwicklung in Italien nach.


Nach Tagen der Erholung ist das Zinsgespenst zurückgekehrt – und hat die Anleger auf dem europäischen Parkett aufgeschreckt. Eigentlich waren die heutigen US-Inflationsdaten genau so ausgefallen wie erwartet, doch erneut flammten die Spekulationen um eine härtere Gangart der amerikanischen Notenbank Federal Reserve – kurz: Fed – auf. Belastend wirkte auch der unvermittelte Austausch des US-Außenministers Rex Tillerson.

Je länger der Handel dauerte, umso tiefer fielen die Kurse. Zeitweise belief sich das Dax-Minus auf mehr als zwei Prozent. Am Ende ging die erste deutsche Börsenreihe mit 12.221 Punkten 1,6 Prozent tiefer aus dem Handel. Der paneuropäische Euro-Stoxx-50 kam mit Abschlägen von 1,1 Prozent etwas glimpflicher davon. In New York gab der Dow Jones minimal nach.

Der Deutsche Aktienindex hatte sich nach seinem Kursrutsch vom Monatsanfang – mit weniger als 12.000 Punkten markierte der Leitindex da den tiefsten Stand seit genau einem Jahr – zuletzt binnen einer Handelswoche um mehr als fünf Prozent zurückgearbeitet. Doch bevor die Frankfurter Benchmark die aus technischer Sicht wichtige 12.500-Punkte-Marke testen konnte, brach der Aufwärtstrend heute ab.


Warum? Die Teuerungsrate in den Staaten war mit 2,2 Prozent im Februar doch im prognostizierten Rahmen geblieben. Doch scheinbar setzte sich die Ansicht durch, dass dies zu hoch sei. Wichtig sind die Zahlen deswegen, weil die Federal Reserve den das Anheben der Leitzinsen maßgeblich von der Inflation abhängig macht. Denn ihr anderes Ziel neben der Preisniveaustabilität durch Inflationsbeeinflussung hat sie bereits erreicht: Eine starke Beschäftigungssituation auf dem Arbeitsmarkt.

„Die US-Preise steigen wie erwartet“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Die Fed kann ungehindert und ohne weitere Beschleunigung an ihrem Kurs festhalten.“ Die Börsianer sahen das aber anders, wie die deutlichen Reaktionen auf dem Devisenmarkt zeigten. Ein halbes Prozent rauf ging es für den Euro. Mit 1,2394 Dollar schrammte die Gemeinschaftswährung nur knapp an der 1,24-Dollar-Marke vorbei.

Zusätzlich sorgte die unmittelbar nach den Zahlen bekanntgewordene Entlassung des US-Außenministers Rex Tillerson für Verunsicherung. Zwar komme der Tillerson-Abgang nicht überraschend, sagte ein Händler. Aber es zeige die vielen Unabwägbarkeiten in der Regierung von Präsident Donald Trump. Tillerson-Nachfolger soll der bisherige CIA-Chef Mike Pompeo werden. Die „Antikrisen-Währung“ Gold drehte ins Plus und notierte 0,2 Prozent im Plus bei 1325,85 Dollar je Feinunze.

„Trotz der Rally in den letzten Tagen behalten die Bären auf dem Parkett die Oberhand“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Als Bären bezeichnet die Börsianer die Pessimisten, Bullen wiederum sind die Optimisten auf dem Parkett. „Der Dax muss erst den wichtigen Widerstand bei 12.500 Punkten klar hinter sich lassen, bevor man von einer Erholung sprechen kann“, so Cutkovic.


Abseits der wilden Blüten der Zinsängste erregte der russische Rubel Aufmerksamkeit. Die russische Währung geriet wegen der diplomatischer Spannungen in Folge des Gift-Anschlags auf einen russischen Ex-Spion unter Druck. Der Dollar verteuerte sich um bis zu 0,3 Prozent auf 57,04 Rubel. Auch an der Moskauer Börse war Unruhe zu spüren. Die dortigen Leitindizes büßten je 0,4 Prozent ein.


RWE und Eon bleiben in den Orderbüchern


Die Versorgerbranche stand auch am Dienstag mit Geschäftszahlen weiter im Blick, nachdem sie bereits zum Wochenauftakt wegen der anstehenden Zerschlagung der RWE-Ökostromtochter Innogy und ihrer Aufteilung unter Eon und RWE die Schlagzeilen geliefert hatte. Bis zu 5000 Arbeitsplätze könnten deshalb wegfallen. RWE und E.ON verdienten 2017 mehrere Milliarden Euro. (Lesen Sie hier: RWE-Zahlen in der Blitzanalyse) Die Chefs von Eon und RWE, Johannes Teyssen und Rolf Martin Schmitz, wollen nun ihre Pläne für die Neuordnung ihrer Geschäfte erläutern.

RWE kehrte im vergangenen Geschäftsjahr nach einem Milliardenverlust 2016 wieder in die Gewinnzone zurück. Am Ende nutzten die Aktionäre aber die Chance und machten Kasse. Mit einem Minus von 3,2 Prozent waren die RWE-Papiere die zweitschlechtesten im Dax. Am Vortag hatten sie mehr als 9,0 Prozent dazugewonnen. Eon hingegen legte weitere 4,2 Prozent zu und war der einzige Wert der sich dem schwierigen Marktumfeld widersetzen konnte.

Die rote Laterne der ersten deutschen Börsenreihe hielt abermals Pro Sieben Sat 1. Der bald anstehende Vollzug des Dax-Abstiegs kostete den Medienkonzern weitere fünf Prozent. „Viele Fonds, die sich nach der Index-Zugehörigkeit richten, müssen Pro Sieben dieser Tage aus den Depots werfen“, sagte ein Händler. Denn am nächsten Montag wird die überraschende Entscheidung aus der vergangenen Woche wirksam werden und der Dax neu verkettet, wie es im Börsenjargon heißt.

Ansonsten ging die Bilanzsaison munter weiter. Der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie rechnet im laufenden Jahr mit einem deutlichen Gewinnanstieg und will für 2017 eine Sonderdividende ausschütten. Den Marktteilnehmern reichte das aber nicht, die Aktien verloren mehr als sechs Prozent.

Die Aktien der Hannover Rück rutschten nach der Bekanntgabe endgültiger Jahreszahlen ebenfalls ab, am Ende stand ein Minus von mehr als vier Prozent auf der Kurstafel. Die US-Investmentbank Goldman Sachs bezeichnete die Ergebnisse zwar insgesamt als stark und lobte auch die Kapitaldecke, jedoch hielten die Probleme in der Personen-Rückversicherung an.

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