Dax startet mit leichtem Plus in die Woche

Deutschlands Chefetagen bleiben in bester Laune, der Ifo-Index springt etwas überraschend erneut auf einen Rekordwert. Das sorgt zunächst für steigende Märkte, doch dem Dax geht auf der Zielgeraden die Luft aus.


Spekulationen auf einen Wirtschaftsboom in der Euro-Zone und die Rettung zweier italienischer Regionalbanken haben Börsianer zum Wochenauftakt zuversichtlich gestimmt. Ein erneuter Rückgang der Ölpreise und fallende Kurse an der Wall Street machten jedoch einen Großteil der Gewinne an den europäischen Börsen zum Handelsschluss zunichte. Der Dax verabschiedete sich mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 12.771 Punkte in den Feierabend, der EuroStoxx50 gewann 0,5 Prozent auf 3562 Zähler. Der MDax, in dem die mittelgroßen deutschen Unternehmen repräsentiert sind, schloss 0,2 Prozent höher bei 25.263 Zählern. Der Technologiewerte-Index TecDax schloss minimal fester bei 2267,45 Punkten.

„Mit dem zwischenzeitlichen Sprung über 12.800 Punkte rücken das Allzeithoch im Dax und die Marke von 13.000 Punkten wieder in greifbare Nähe und dürften ein realistisches Wochenziel darstellen – wenn nicht die Geldpolitik oder auch der Ölpreis zum Spielverderber werden“, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. Denn der unerwartet deutlich gestiegene Ifo-Index, einer der wichtigsten Konjunkturbarometer, gebe der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Argument für eine baldige Normalisierung der Geldpolitik. Eine Rede von EZB-Präsident Mario Draghi am Dienstag wird daher mit Spannung erwartet.


Europas Anlege hatten sich zum Wochenstart lange optimistisch gezeigt. Am frühen Nachmittag stand der Dax noch bei 12.841 Zählern – die gute Stimmung in Deutschlands Chefetagen hatte den Frankfurter Handelssaal in Kauflaune versetzt: Der Ifo-Geschäftsklima-Index hatte für den Juni einen erneuten Spitzenwert erreicht. Zudem zeichnete es sich ab, dass in Italien das neue Kapitel der Bankenkrise wohl ein glimpfliches Ende findet – zumindest aus der Sichtweise des Parketts. Für den Mailänder Leitindex MIB ging es daraufhin bis zu 1,6 Prozent rauf.

Der Ifo-Index war statt des von Analysten erwarteten Rückgang auf 114,1 Punkte auf 115,1 Zähler vorgerückt. Die monatliche Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter 7000 Managern gilt als der wichtigste Frühindikator für die Bundesrepublik. Ifo-Präsident Clemens Fuest sprach von „Hochstimmung in den deutschen Chefetagen“. Sowohl die Geschäftslage als auch die Aussichten auf die kommenden sechs Monate schätzen die Führungskräfte besser ein als noch im Vormonat, bei dem das Geschäftsklima den besten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht hatte. „Die deutschen Unternehmen scheinen im siebten Himmel angekommen sein“, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Allerdings signalisiere der Ifo-Index ein Wirtschaftswachstum von sechs Prozent. „Man muss nun kein Volkswirt sein, um festzustellen, dass ein Wachstum in dieser Größenordnung illusorisch ist.“


In der italienischen Bankenkrise zeigten sich die Börsianer erleichtert darüber, dass die EU-Kommission grünes Licht gab für eine Abwicklung unter Zuhilfenahme von Staatsgeldern. Bis zu 17 Milliarden Euro stellt die italienische Regierung für die regionalen Institute Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza bereit, die von der EZB-Bankenaufsicht als wahrscheinlich nicht mehr überlebensfähig eingestuft wurden. Italiens größte Bank, die Intesa Sanpaolo, übernimmt nach Verhandlungen mit der Rom die gesunden Teile der Geschäfte für einen symbolischen Betrag von einem Euro. Die beiden Banken sollen so abgewickelt werden, dass Kunden, Gläubiger und Beschäftigte so wenig wie möglich bluten müssen.

Intesa teilte mit, ein Drittel der Belegschaft zu entlassen und zwei Drittel der Filialen zu schließen. Aktionäre erkannten darin eine Chance, Intesa-Papiere schossen um fast fünf Prozent in die Höhe. „Unter diesen Bedingungen ist das ganze ein guter Deal für Intesa. Man ergattert Marktanteile und die Aussicht auf Gewinne – und das ganz ohne eigenes Kapital,“ bewertete Alexander Pelteshki, Anlage-Experte bei Kames Capital, den Deal.


Loeb steigt mit Liste von Forderungen bei Nestle ein


Diskutiert wird auch in Amerika. Hat man die Zinswende schon hinter sich, wird dort über das Tempo der Straffung gestritten. Der Fed-Notenbanker Bullard etwa hat angesichts zuletzt schwacher US-Preissteigerungsraten zu Vorsicht bei den Zinsanhebungen gemahnt. „Die jüngsten Inflationsdaten haben negativ überrascht und die Idee infrage gestellt, dass die US-Preissteigerung verlässlich auf den Zielwert zustrebt“, sagte der Vorsitzende der Fed-Filiale in St. Louis. „Die Fed kann daher abwarten und beobachten, wie sich die Wirtschaft entwickelt, bevor sie weitere Anpassungen vornimmt.“

Sein Kollege John Williams hingegen will an den schrittweisen Zinsanhebungen festhalten, um die Wirtschaft des Landes auf einem kontinuierlichen Wachstumspfad zu halten. „Wenn wir das zu lange verzögern, wird die Konjunktur letztlich überhitzen sowie Inflation und andere Probleme verursachen“, sagte der Präsident der San Francisco Fed laut dem Text einer Rede, die er am Montag in der University of Technology in Sydney halten soll. Zuletzt war die Inflation zurückgegangen und die Märkte hatten sich gewundert, wie hawkish – im Börsenjargon werden Verfechter einer strengen Geldpolitik mit hohen Zinsen als Falken bezeichnet – sich Fed-Chefin Janet Yellen gezeigt hatte.


Unter den Einzelwerten sorgt einmal mehr Daniel Loeb für Aufmerksamkeit. Der CEO des Hedgefonds Third Point ist bekannt für seine aktivistischen Engagement. Wo er investiert, will er mitsprechen. Nun steigen die New Yorker für drei Milliarden bei Nestle ein und fordern prompt einen Strategiewechsel beim weltgrößten Lebensmittelproduzenten. Loeb verlangt eine Verbesserung der Gewinnmarge, einen Aktienrückkauf und den Verkauf von Nebengeschäftsfeldern. Die Nestle-Aktien verteuern sich um 4,3 Prozent. Vergangene Woche hatten Gerüchte um einen Third-Point-Einstieg die Aktien des niederländischen Elektronik-Konzerns in die Höhe treiben lassen.

An der Spitze des Dax stiegen die Papiere der Lufthansa um 3,1 Prozent auf 19,20 Euro, nachdem das Investmenthaus Mainfirst sein Kursziel auf 25 Euro angehoben hatte. Es sei ein seltenes Phänomen, treffe aber in diesem Jahr wohl für die Lufthansa wie auch für Air France-KLM zu: Steigende Durchschnittserlöse bei im Schnitt sinkenden Kosten, schrieb Analyst Johannes Braun. Dass Lufthansa-Chef Carsten Spohr eine Übernahme von Air Berlin im Gespräch mit Medienvertretern eine deutliche Abfuhr erteilte, bestärkte die Aktionäre der Kranichlinie. Air-Berlin-Papiere hingegen verloren zeitweise mehr als fünf Prozent.

Zu den Gewinner zählten im Dax auch die Commerzbank und die Deutsche Post, deren Papiere um jeweils 2,1 Prozent anstiegen. RWE war mit einem Minus von 1,1 Prozent dagegen das Dax-Schlusslicht.


Nervosität herrschte an den Rohstoffmärkten. Die Öl-Sorte Brent aus der Nordsee rutschte kurz vor Handelsschluss in Europa um 1,1 Prozent auf 45,04 Dollar je Barrel (159 Liter) ab, nachdem sie zuvor zeitweise um mehr als ein Prozent gestiegen war. „Ein Abrutschen des Ölpreises stellt aktuell ein hohes Risiko für die Aktienmärkte dar“, betonte Analyst Stanzl.

Auch ein plötzlicher Preisrutsch beim Gold, ausgelöst wohl durch einen sogenannten „Fat Finger“-Fehler, trieb Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn. In nur einer Minute sind Händlern zufolge rund 1,8 Millionen Feinunzen Gold auf den Markt geworfen worden, was den Preis für das Edelmetall um 14 Dollar auf 1241 Dollar je Feinunze absacken ließ. Womöglich habe ein Händler beim Eingeben der Verkaufsorder das Volumen mit der Anzahl verwechselt, sagte ein Börsianer.