Er kommt nicht vom Fleck


Ein Punkt. Nach mehr als acht Stunden freitäglichen Handels kam der Dax auf eine Entwicklung von einem Punkt. Es war wie so oft in den vergangenen Tagen ein Tanz um die 13.000-Punkte-Marke. Der Handel begann tapfer, zeitweise kam der Leitindex bis auf 30 Punkte ran an seine Bestmarke von 13.095 Punkten. Doch der Rückenwind aus Amerika und vom Devisenmarkt verpuffte schnell. Am Ende schloss der Dax minimal fester bei 12.991 Punkten. Der paneuropäische Euro-Stoxx-50 schloss 0,1 Prozent höher bei 3605 Zählern. In New York legte der Dow-Jones-Index 0,3 Prozent zu und erreichte mit 23.282 Punkten einen erneuten Rekord.

Auf dem Parkett dort honorierte man die Fortschritte der trump'schen Steuerreform, die Konjunkturoptimismus verbreiteten. „Es geht voran mit der US-Steuerreform“, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Mit der Zustimmung für einen Entwurf der sogenannten Haushaltsresolution sei US-Präsident Donald Trump den geplanten Steuersenkungen einen großen Schritt nähergekommen. „Das ist ein großer Schritt in Richtung Steuersenkungen, da die Republikaner das Budget nun ohne Unterstützung der Demokraten verabschieden können“, sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital.


Analyst Dirk Gojny von der Essener National-Bank warnte aber vor überzogenen Erwartungen. Es sei alles andere als sicher, dass US-Präsident Donald Trump die Unterstützung sämtlicher republikanischer Senatoren für seine geplanten Steuersenkungen erhalten werde.

Das Steuersenkungsprogramm für Unternehmen ist eines der entscheidenden Faustpfänder, die Donald Trump in der Finanzwelt hat. Sein Amtsantritt im November war der Startschuss für eine echte Aktienrally. War der Polit-Quereinstieger erst mal gewählt, setzten die Börsianer voll und ganz auf dessen große Ankündigungen, die Wirtschaft weiter anzukurbeln.

Freilich hat die mit Unterbrechungen bis heute andauernde Rekordjagd auch andere Gründe, etwa die nicht zu strikte Geldpolitik der Fed, einen schwachen Dollar und starke Zahlen der Konzerne. Trump hingegen fiel im Laufe des Jahres als Kurstreiber aus, die groß angekündigten Versprechungen lassen auf sich warten. Nichtsdestotrotz ruhen immer noch Hoffnungen auf Impulse aus dem weißen Haus, wie der heutige Rückenwind nach Fortschritten in der Steuerreform einmal mehr zeigte.


Die neue Entwicklung in Washington schlug sich noch mehr als in Aktien auf dem Devisenmarkt nieder. Dort verlor der Euro deutliche 0,6 Prozent und notierte mit 1,1780 knapp unter 118-Cent-Marke. Eine schwache Gemeinschaftswährung gibt den europäischen Börsen gemeinhin Schwung, sorgt sie doch für Wettbewerbsvorteile auf dem globalen Absatzmarkt. Die deutsche Wirtschaft mit ihrer traditionellen Exportorientierung gehört bei einer Abwertungen zu den größten Profiteuren. Vor dem Wochenende zeigten sich die Anleger aber wenig angriffslustig, der Effekt verpuffte. Doch warum fällt der Euro, wenn in den Vereinigten Staaten eine Steuerreform näher rückt?


Ein Spagat der Notenbanken


Das liegt an der Geldpolitik. Anleger rechnen damit, dass – sollten die Unternehmen tatsächlich entlastet werden – die Konjunktur in den Staaten in Fahrt kommt. Damit die Entwicklung nicht überschießt und die Ökonomie nicht überhitzt – die Inflation etwa stark ansteigt – müsste die Notenbank Federal Reserve gegensteuern, indem sie die Zügel straffer zieht und die Zinsen weiter anhebt.

Aktuell bemühen sich die Währungshüter um eine Normalisierung der Geldpolitik. Nach Jahren von Nullzinsen folgten in den letzten Monaten mehrere Zinserhöhungen, auch die billionenschwere Bilanzsumme soll abgebaut werden. Die Fed ist auf Vorsicht bedacht, hält das Tempo der Straffung eher niedrig, um die Märkte nicht zu schocken, will aber Handlungsstärke demonstrieren – ein Spagat.

Während der Trend bei den meisten großen Leitindizes in Europa nach oben zeigte, lief die spanische Benchmark weiter hinterher. Der Ibex 35 gab 0,1 Prozent nach auf 10.185 Zähler. „Die Katalonien-Krise ist zwar aktuell nicht das Hauptthema auf dem Börsenparkett“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Ignorieren sollten die Anleger die Ereignisse in Spanien aber nicht.“ Wegen der katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen droht der Region die Zwangsverwaltung durch die Zentralregierung in Madrid.


Aktivisten hatten heute Bürger dazu aufgerufen, ihr Geld auf den Girokonten der spanischen Geschäftsbanken abzuheben. Unter den spanischen Instituten verloren die Papiere der Banco Sabadell zeitweise 2,4 Prozent, die Caixabank gab ein Prozent nach, bauten die Tiefe aber ab. Ein tatsächlicher Bank-Run blieb aus. Andere Geldhäuser notierten im Plus.

Daneben mussten Börsianer einer erneuten Flut von Firmenbilanzen Herr werden. Die Aktien von Daimler stiegen erst um bis zu 1,2 Prozent, obwohl Rückrufe den Gewinn des Autobauers drückten. Am Ende gingen sie 0,8 Prozent tiefer aus dem handel. Angesichts der anhaltende starken Nachfrage nach margenstarken SUV sei zudem das operative Ergebnis enttäuschend, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Die positive Grundstimmung und der schwache Euro machten dies aber mehr als wett.


In Stockholm stiegen die Titel von Volvo auf ein Rekordhoch von 166,90 Kronen. Der schwedische Konzern - Daimler-Konkurrent im Lkw-Geschäft - steigerte den Quartalsgewinn um 45 Prozent auf umgerechnet 730 Millionen Euro. Sixt waren mit 74,54 Euro ebenfalls so teuer wie noch nie. Vor dem Hintergrund gesenkten Gewinnprognose der der ehemaligen Tochter Sixt Leasing wertete ein Börsianer die vorgelegten Sixt-Geschäftszahlen als Erfolg. Der Autovermieter, der nach Reuters-Daten 42 Prozent an Sixt Leasing hält, steigerte den Vorsteuergewinn um 28 Prozent auf knapp über 220 Millionen Euro. Sixt Leasing stürzten dagegen um mehr als 19 Prozent ab - so viel wie noch nie.

KONTEXT

Post von der Bank - was sich für Kunden 2018 ändert

Haftungsgrenze bei Kartenverlust sinkt

Wer seine Bank- oder Kreditkarte verliert und nicht gesperrt hat, haftete bei Missbrauch bisher mit bis zu 150 Euro. Das wird sich ab nächstem Jahr ändern. Denn die Haftungsgrenze sinkt auf 50 Euro. Lediglich bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz haftet der Kunde unbeschränkt.

Mehr Transparenz bei vorreservierten Kartenzahlungen

Viele Hotels und Autovermietungen reservieren bei Buchung oder Anmietung einen bestimmten Betrag auf dem Kartenkonto des Kunden. Ab kommendem Jahr muss der Karteninhaber dem vorher zustimmen. Erst dann ist die Bank berechtigt, diesen Betrag auf dem Konto vorübergehend zu sperren.

Dienste im Online-Banking

Kunden können im Online-Banking Drittanbieter damit beauftragen, Zahlungen vorzunehmen oder Kontoinformationen abzurufen. Da diese Dienstleister nunmehr gesetzlich anerkannt sind und der Bankenaufsicht unterliegen, dürfen Kunden gegenüber diesen Diensten auch ihre PIN und TAN einsetzen.