Bullen übernehmen das Ruder

Nach einer Serie von sechs schwachen Handelstagen geht es für den Dax am Donnerstag wieder nach oben. Der Leitindex steigt über die Marke von 13.000. Doch richtig entspannen können sich die Anleger aber noch nicht.


Nach sechs Verlusttagen hintereinander haben am Donnerstag die Käufer wieder das Ruder an der Börse übernommen. Rückenwind erhielten die europäischen Aktienmärkte von einem schwächeren Euro. Der Dax eroberte die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten zurück und kletterte zum Handelsschluss 0,6 Prozent auf 13.047 Zähler. Der EuroStoxx gewann ebenfalls 0,6 Prozent auf 3564 Punkte. „Die Chance einer Trendwende nach den Kursverlusten der letzten Handelstage ist zum Greifen nah“, sagte Postbank-Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein.

Seit seinem Rekordhoch von 13.525 Punkten Anfang November büßte der Dax rund 600 Zähler ein. Kasse machten Anleger vor allem, weil der Euro deutlich zugelegt hatte. Dies senkt die Wettbewerbschancen der exportorientierten Firmen, weil ihre Waren im Welthandel dann teurer werden. Am Donnerstag verbilligte sich der Euro wieder auf unter 1,18 Dollar.

Hintergrund dafür waren Händlern zufolge Spekulationen auf weitere Zinsanhebungen der US-Notenbank Fed im kommenden Jahr, die den Dollar auf Erholungskurs schickten. Dagegen sprachen Inflationsdaten aus der Euro-Zone nicht für eine Verschärfung der Geldpolitik in der Währungsunion. Die Verbraucherpreise legten im Oktober nur noch um 1,4 Prozent zum Vorjahresmonat zu. Im September war die Teuerung noch einen Tick höher.



Mit der Gelassenheit an den Aktienmärkten könnte es aber schnell wieder vorbei sein, denn in Berlin läuft die heiße Phase der Koalitions-Sondierungen zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen. „Sollten hier nicht bald Fortschritte zu erkennen sein, dürfte dies die Stimmung auf dem Börsenparkett belasten“, betonte Analyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader. Ein Abschluss der Gespräche ist für die Nacht auf Freitag vorgesehen. Die Parteien trennen jedoch nach wie vor massive Differenzen.

Die Jamaika-Sondierungen hielten auch RWE-Anleger auf Trab. Die Aktien waren mit einem Minus von 2,2 Prozent größter Dax-Verlierer. In den vergangenen fünf Handelstagen büßten die Titel über zehn Prozent ein. Laut Händlern sind Investoren besorgt, dass Energieversorger bei einer Regierungsbeteiligung der Grünen schärfere Vorschriften drohen. RWE gewinnt einen Großteil seiner Energie in Deutschland mit Kohlekraftwerken.



Mit zu den größten Gewinnern im Dax und im Euro Stoxx 50 gehörten abermals die Titel der Deutschen Bank. Spekulationen über eine Fusion mit der Commerzbank nach dem Einstieg des Finanzinvestors Cerberus trieben den Kurs um 2,5 Prozent nach oben. Commerzbank legten 1,7 Prozent zu. An der Dax-Spitze lag das Infineon-Papier mit einem Plus von 3,2 Prozent.

Andernorts in der Bankenwelt sah es dagegen nicht so gut aus. Die Aktien italienischer Institute verbuchten teils herbe Verluste Die angeschlagene Banca Carige ist mit ihren Kapitalerhöhungsplänen gescheitert. Das verstärkte Sorgen zur Zukunft der italienischen Banken, die auf faulen Krediten in dreistelliger Milliardenhöhe sitzen. Banco BPM und BPER Banca gaben mehr als zwei Prozent nach. Carige-Titel waren vom Handel ausgesetzt.

An der Börse in Wien tauchten Zumtobel-Titel um bis zu 25 Prozent ab. Der Leuchtenhersteller kappte seine Gewinn- und Umsatzprognosen für das laufende Geschäftsjahr und sieht kurzfristig keine Erholung.

KONTEXT

Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

20. Juni 2017

Einen Tag vor der Sommersonnenwende des Jahres 2017 treiben Dax-Anleger das deutsche Börsenbarometer erneut auf einen Rekord. Im Verlauf des Handelstages steigt der Dax auf 12.952 Punkte. Es sollte ein schwieriger Sommer folgen.

12. Oktober 2017

Nach mehreren Anläufen durchbricht der Dax erstmals die Schallmauer von 13.000 Punkten. Zwar reicht es an diesem Donnerstag nur für wenige Minuten auf dem Gipfel, aber die Aussicht ist herrlich - und die Anleger kehren zurück. Einige Tage später schloss der Leitindex mit dem Rückenwind von der Bilanzsaison auch erstmals über der Tausendermarke. Aktuelles Allzeithoch: 13.525 Zähler.