Die Frankfurter Händler lassen sich erneut von der trüben US-Stimmung anstecken. Der Dax schmiert auf ein Fünfmonatstief ab.

Am Donnerstag knickt der Dax deutlich ein, die Vortagsgewinne sind schon wieder weg. Lediglich die Banken schlagen sich in Frankfurt gut.


Die Erholung war von kurzer Dauer. Der Dax ist am Donnerstag noch einmal richtig abgeschmiert. Je länger der Handel dauerte, desto so tiefer ging es in Frankfurt. Eine schwache Wall Street hatte die ohnehin verunsicherten Anleger noch einmal aufgescheucht. Im Späthandel klaffte ein drei Prozent tiefer Abgrund auf dem Frankfurter Parkett. Neues Jahrestief beim Dax: 12.187 Punkte. Am Ende notierte der Deutsche Aktienindex mit 12260 Punkten 2,6 Prozent tiefer. Es ist der größte Verlust in einer Sitzung seit Juni 2016.

Allein in der laufenden Woche verlor der Deutsche Aktienindex vier Prozent. Nimmt man den Donnerstag und Freitag der vergangenen Woche hinzu – die Turbulenzen hatten da ihren Anfang genommen –, sackte die Frankfurter Benchmark gar um sieben Prozent ab. Damit ist der Dax auf dem Niveau von September 2017, bevor er zu einer goldenen Herbst-Rally angesetzt hatte.

Auf dem Parkett geht die Angst vor Nachbeben um. Zu Wochenbeginn hatte das Zinsgespenst – die Furcht vor zu stark steigenden Zinsen in der USA – die Wall Street auf eine historische Talfahrt geschickt. Mit mehr als 1100 Punkten verlor der Dow Jones so viele Punkte an nur einem Tag wie noch nie in seiner Geschichte. Europas Märkte und die Börsen in Fernost ließen sich anstecken, weltweit gaben die Kurse nach. Der Dax war schon im Vorfeld in Verluste gekommen, geriet dadurch aber unter die Räder. Inzwischen ist das Minus hier größer als in New York, wo manch einer vom schwarzen Montag spricht.


Seitdem versuchen sich die Börsianer an einer Normalisierung, was sich als schwierig erweist. „Zwar hat die Zinsangst etwas nachgelassen, eine gewisse Nervosität ist immer noch zu spüren“, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Handelshaus Axitrader. Es sei zu früh für eine Entwarnung.

In der US-Notenbank mehrten sich zwar unterdessen Stimmen, die keinen Anlass für eine aggressivere Gangart sehen. Auch die anderen großen Notenbanken – EZB und Bank of Japan – betonen die Vorsicht bei ihrem Vorgehen – Bundesbank-Chef Jens Weidmann etwa sprach heute auf einer Konferenz von einer noch lang andauernden Phase niedriger Zinsen in der Eurozone, wohl zu seinem Missfallen.

Aber die Rücksetzer heute zeigen: Die Beschwichtigungen wirken nicht. Die Frage, die sich jetzt stellt: Ist die Angst vor steigenden Zinsen die Triebfeder des neuerlichen Absackens – oder hat sich die Dynamik verselbstständigt? Die Beteuerungen der Notenbanker können als glaubhaft eingestuft werden. Ohnehin ist die aktuelle Garde der führenden Währungshüter nicht durch Aktionismus aufgefallen – wenn überhaupt eher in die Richtung weitere Impulse als einer allzu zügigen Straffung ihrer Geldpolitik.

Experten glauben, dass der Dax das Schlimmste noch nicht hinter sich haben muss. Christian Schmidt von der Helaba etwa wertete die Chancen auf steigende Kurse als „relativ gering“. Denn 60 Prozent aller 30 Dax-Titel notierten gegenwärtig unterhalb ihrer langfristigen Trends. Er sollte für den Donnerstag recht behalten.


In einem besonderen Fokus standen heute die Banken. Die Deutsche Bank fiel erneut im Kurs, schlug sich insgesamt aber nicht schwächer als der Markt, phasenweise hatte Deutschland Institut Nummer eins den Dax angeführt. Am Ende bedeutete das Minus von 2,4 Prozent einen Kurs von 12,80 Euro – es ist das Niveau aus dem Krisenherbst 2016. Seit der Vorlage der miserabel aufgenommenen Bilanz am Freitag verbilligte sich das Papier um mehr als 12 Prozent. Mit 17 Prozent ist die Deutsche der mit Abstand schlechteste Performer des noch jungen Jahres.

Ganz anders sah die Lage bei Deutschlands Nummer zwei der Branche aus – zumindest auf dem Parkett. Die Commerzbank konnte die Investoren überzeugen. Nicht aber die Zahlen als vielmehr die Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen lockte die Anleger in die Papiere, die sich zeitweise um vier Prozent verteuerten. Am Ende notierte das Papier mit 2,4 Prozent etwas besser als der Gesamtmarkt. Bis zu 40 Prozent des Gewinns will die Bank langfristig ausschütten. „Nach dem Absturz von Deutsche Bank hatten manche bei der Commerzbank Schlimmeres erwartet“, sagte ein Händler. Die Deutsche Bank notierte 0,1 Prozent tiefer, gehörte damit im schwachen Gesamtmarkt aber zu den Top-Werten des Tages.

Bei der französischen Großbank Société Générale hat es im Schlussquartal 2017 überraschend doch zu einem kleinen Gewinn gereicht. Das Finanzinstitut schrieb trotz Belastungen durch Steueränderungen in Frankreich und in den USA unter dem Strich ein Plus von 69 Millionen Euro - das ist zwar deutlich weniger als die 390 Millionen Euro im vierten Quartal 2016, aber mehr als Analysten erwartet hatten. Die Scheine der Franzosen ging zwei Prozent stärker aus dem Handel und konnten dem Markttrend trotzen.