Deutsche Bank-Aktie rauscht ab – Dax notiert im Minus

Der anstehende Zinsentscheid der US-Zentralbank treibt die deutschen Anleger um – der Dax notiert leicht im Minus.

Spekulationen auf ein enttäuschendes Quartalsergebnis setzen der Deutschen Bank zu. Die Aktien des Geldhauses fielen am Mittwochmittag um bis zu sieben Prozent und waren mit 11,78 Euro so billig wie zuletzt vor eineinhalb Jahren.

Bei einer Investorenkonferenz sagte Finanzchef James von Moltke, die Investmentbanking-Sparte stehe im laufenden Jahr vor einer Ergebnis-Belastung von 450 Millionen Euro. Hauptgrund seien negative Wechselkurseffekte. Offenbar seien zudem die Gebühren-Einnahmen trotz einer starken Auftragslage nicht allzu kräftig, sagte ein Börsianer. Derweil verlangt der unter anderem für diese Sparte zuständige stellvertretende Vorstandschef Marcus Schenck Geduld. Die Trendwende der Bank sei eine Frage von mehreren Jahren.

Dax-Anleger übten sich am Mittwoch in Zurückhaltung – zu groß war der Respekt vor der anstehenden Zinsentscheidung der US-Zentralbank Fed. Im Nachmittagshandel notierte der deutsche Leitindex 0,4 Prozent leichter, nachdem er zuvor zeitweise moderate Zugewinne beanspruchen konnte. Für die zweite Frankfurter Reihe, der MDax, ging es 0,5 Prozent abwärts. Der paneuropäische EuroStoxx notierte 0,6 Prozent leichter.


Dass die Fed den Leitzins anhebt, gilt als sicher. „Anleger erhoffen sich vielmehr neue Hinweise auf das weitere Zins-Tempo der Fed, denn Analysten sind sich uneins“, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. „Ihre Prognosen schwanken zwischen zwei und vier Zinsschritten.“

Abzuwarten bleibe außerdem, ob der neue Fed-Chef Jerome Powell zumindest indirekt auf mögliche wirtschaftliche Folgen eines drohenden Handelskriegs eingeht. Die Zinsentscheidung wird am Abend nach Handelsschluss in Europa bekanntgegeben. Die Pressekonferenz Powells beginnt im Anschluss.

Noch ist ein internationaler Handelskonflikt allerdings Zukunftsmusik und die weltwirtschaftliche Lage gut. Die Wirtschaftsweisen – der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – plädieren in ihrer am Mittwoch veröffentlichten aktualisierten Konjunkturprognose deswegen für ein rasches Ende der lockeren Geldpolitik.

Die anhaltende Niedrigzinspolitik berge Risiken für die Finanzmarktstabilität. Eine überraschend schnelle Straffung könne vor allem der US-Geldpolitik in Reaktion auf ein stärkeres Wachstum und eine höhere Inflation „zu erheblichen Preisanpassungen an den internationalen Finanzmärkten führen“.


Der Kurs des Euro ist am Mittwoch etwas gestiegen. Die Gemeinschaftswährung konnte sich damit nach deutlichen Verlusten vom Vortag nur leicht erholen. Am Morgen wurde der Euro bei 1,2263 US-Dollar gehandelt und damit etwa höher als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Dienstagnachmittag auf 1,2276 Dollar festgesetzt.

Für Trubel auf dem Frankfurter Parkett sorgte am Mittwochmorgen ein Wasserschaden: ARD-Börsenmoderator Markus Gürne twitterte, dass ein Wassereinbruch die Galerie überflutet habe. Ein Börsensprecher bestätigte den Vorfall. Die geplante Fernsehberichterstattung konnte zunächst nicht stattfinden.


BMW-Bilanz überzeugt Anleger


Der Deal ist geglückt: Chemiekonzern Bayer darf den US-amerikanischen Saatguthersteller Monsanto übernehmen – allerdings unter strengen Auflagen. Die Aktien des Leverkusener Chemieriesen verzeichneten in Folge ein zeitweises Plus von einem Prozent, gaben diese Gewinne im Handelsverlauf jedoch wieder ab.

Auch BMW stand am Mittwoch auf Seiten der Einzelwerte im Fokus der Anleger: Der Konzern lud zur Bilanzpressekonferenz. Vor allem die am Dienstag bekanntgewordene Razzia der Staatsanwaltschaft in der Münchner Konzernzentrale dürfte dabei Thema gewesen sein; die Bilanz wurde schon vorab veröffentlicht.

Im vergangenen Jahr konnte der bayrische Autohersteller seine Auslieferungen um 4 Prozent auf 2,5 Millionen Autos steigern. Der Umsatz wuchs um 5 Prozent auf fast 99 Milliarden Euro an, unterm Strich blieben 8,7 Milliarden Gewinn. Für das laufende Jahr kündigte Vorstandschef Harald Krüger einen leichten Zuwachs bei Absatz und Umsatz an. Die Aktionäre schossen sich auf diese positiven Ergebnisse ein – und blendeten die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft aus: BMW-Papiere verzeichneten im Nachmittagshandel Zugewinne in Höhe von 0,3 Prozent.


Neben Bayer und BMW zählten auch Eon-Aktien mit einem zeitweisen Plus von fast drei Prozent zu den Dax-Gewinnern. Sie profitierten von positiven Analystenurteilen. Auf der Verliererseite standen dagegen die Titel der Lufthansa, die sich Börsianern zufolge wegen der etwas höheren Ölpreise zeitweise um 2,3 Prozent verbilligten. Am Vortag hatten die Aktien 2,7 Prozent gewonnen.

Im MDax trug der Schmierstoff-Hersteller Fuchs Petrolub die rote Laterne. Mit minus 2,6 Prozent reagierten die Papiere im Nachmittagshandel deutlich auf dessen endgültige Jahreszahlen und die selbst gesteckten Ziele.

Außerhalb der Dax-Familie legten die Anteilsscheine des Kochbox-Auslieferers und SDax-Anwärters HelloFresh nach Zahlen zeitweise um fast 7 Prozent zu. Steinhoff-Aktien hingegen, aktuell vom MDax in den SDax abgestiegen, rauschten weiter abwärts. Bis zur Mittagszeit büßten sie knapp 6 Prozent ein und wurden nur wenig über ihrem am Morgen bei 0,222 Euro erreichten Rekordtief gehandelt. Ein Bilanzskandal macht dem Möbelhändler zu schaffen. Derzeit versucht sich der Konzern am Schuldenabbau.


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