DAVOS: Trump & Co spielen Ping Pong mit Dollar

dpa-AFX

DAVOS (dpa-AFX) - Während manch ein Teilnehmer beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos noch über jüngste Zollerhöhungen in den USA den Kopf schüttelt, haben Präsident Donald Trump und sein Finanzminister dort bereits ein weiteres handelspolitisches Schreckgespenst auf die Agenda gesetzt. Mit widersprüchlichen Aussagen zur Dollar-Schwäche brachen sie nicht nur mit den üblichen Gepflogenheiten, sondern lösten auch an den Finanzmärkten heftige Kursschwankungen bei der wichtigsten Leitwährung der Welt aus. Führende Währungshüter zeigen sich alarmiert.

Seit Trumps Amtsantritt vor gut einem Jahr hat die amerikanische Währung drastisch an Wert verloren. Im Gegenzug wertete etwa der Euro um fast ein Fünftel auf. Es war US-Finanzminister Steven Mnuchin, der das Thema in Davos auf die Agenda rief - und das auf überraschende Weise. Denn während amerikanische Finanzminister sich traditionell für einen starken Dollar aussprechen, äußerte sich Mnuchin positiv über die Dollar-Schwäche und sagte, dass sie den USA nütze. Die Reaktion der Anleger an den Finanzmärkten kam prompt: Der Dollar-Wertverfall beschleunigte sich deutlich - erstmals seit Ende 2014 war ein Euro am Donnerstag zwischenzeitlich sogar über 1,25 Dollar wert.

Dass Trump & Co bereits seit gut einem Jahr den Dollar unter Druck bringen, führen Experten auf die Wirtschaftspolitik zurück. Neben Zweifeln an der Wirksamkeit der Steuerreform bereitet vor allem die Abschottungspolitik Sorgen. Anfang der Woche hatte Trump mit seiner "America First"-Politik ernst gemacht und hohe Einfuhrzölle auf Solarpaneele und Waschmaschinen erlassen. Dadurch geht er vor allem mit China und Südkorea auf Konfrontationskurs, von wo viele der betroffenen Produkte stammen. Aber auch die deutsche Stahlindustrie hat das Weiße Haus schon länger auf dem Kieker. Das Problem an Trumps Kalkül ist, dass im Welthandel jede Abschottung Gegenreaktionen provoziert. Die Sorge der Anleger davor schwächt den Dollar.

Dass Mnuchins Worte den Kursverfall noch beschleunigten, war Trump dann offenbar zu viel. In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC relativierte er die Aussagen seines Ministers. Sie seien aus dem Kontext gerissen worden, behauptete Trump. "Der Dollar wird stärker und stärker werden und letzten Endes will ich einen starken Dollar sehen." Die amerikanische Währung legte nach der Veröffentlichung eines ersten Vorabberichts ruckartig zu.

Vielen in Davos anwesenden Währungshütern stößt das Ping Pong-Spiel der US-Administration mit dem Dollar sauer auf. Denn nicht nur haben sich die Notenbanken der führenden Industrienationen verpflichtet, auf Wechselkursmanipulationen zu verzichten. Bis zum Amtsantritt Trumps galt zudem eigentlich das ungeschriebene Gesetz, dass sich Politiker nicht über Währungskurse äußern und diese zu beeinflussen versuchen. Mit Trump bricht nun ausgerechnet ein Politiker diese Regeln, der in der Vergangenheit immer wieder anderen Ländern, darunter Deutschland und China, Manipulationen am Devisenmarkt vorgeworfen hat.

Das Thema ist sensibel, weil Wechselkursschwankungen die Chancen ganzer Volkswirtschaften verändern, mit ihren Produkten auf dem Weltmarkt Fuß zu fassen. Wertet etwa der Dollar ab, werden die Waren von US-Exportunternehmen auf dem Weltmarkt erschwinglicher, was die Nachfrage tendenziell erhöht. Umgekehrt haben es ausländische Unternehmen schwer, ihre Waren in den USA abzusetzen. Außerdem verursachen heftige Schwankungen an den Finanzmärkten stets Unsicherheit.

"Wir haben zuletzt viele Kursschwankungen gesehen, die durch verschiedene Staatsvertreter verursacht wurden, und ich halte das nicht für sehr hilfreich", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure am Freitag in Davos. Der Adressat war klar, auch wenn Coeure nicht explizit auf die USA verwies. "Wir leben in einer Welt, in der Wechselkurse nicht zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit genutzt werden sollten", warnte der Notenbanker. "Darauf haben sich die G20-Staaten geeinigt und daran sollten wir uns halten."

Nach einer Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag hatte sich bereits EZB-Chef Mario Draghi jenseits der kurzfristigen Kursschwankungen besorgt über die längerfristige Euro-Stärke gezeigt. Die allerdings lässt sich nicht einfach so wegreden - auch nicht vom US-Präsidenten./tos/jkr/men

--- Von Tobias Schmidt, dpa-AFX ---