Daum mahnt: "Wirtz ist kein neuer Havertz"

Reinhard Franke
·Lesedauer: 3 Min.

Plötzlich schießt es aus Christoph Daum heraus, als er im SPORT1-Interview auf den Vergleich zwischen Kai Havertz und Super-Talent Florian Wirtz angesprochen wird.

"Wirtz ist kein neuer Havertz. Bitte lasst den Jungen sich entwickeln, macht aus ihm nicht gleich den neuen Havertz und den nächsten Superstar", fordert der frühere Bayer-Trainer (1996 bis 2000), der 2019 von Leverkusens Fans zum besten Trainer der Vereinsgeschichte gewählt wurde.

Daum ergänzt: "Er hat tolle Anlagen, aber ich möchte Wirtz nicht mit Havertz vergleichen. Er muss einen eigenen Weg gehen und seinen eigenen Stil finden."

Bayer Leverkusen musste sich im vergangenen Sommer mit Havertz (wechselte zum FC Chelsea) und Kevin Volland (zur AS Monaco) zwei seiner Leistungsträger ziehen lassen. Ein herber Verlust, keine Frage. Immerhin verlor man zwei der besten Offensivakteure der Liga.

Der CHECK24 Doppelpass mit Rudi Völler und Sandro Wagner - am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Geschäftsführer Sport Rudi Völler, der am Sonntag im CHECK24 Doppelpass zu Gast sein wird, hatte vor dieser Runde sicher die eine oder andere schlaflose Nacht, was die Kaderplanung betraf. Mit Patrik Schick, der nach einer einjährigen Leihe von AS Rom zu RB Leipzig vor dieser Spielzeit nach Leverkusen wechselte, kam lediglich ein Offensivspieler, der in neun Spielen vier Mal traf.

Nach 14 Spielen Platz drei

Fans und Experten waren vor dieser Runde skeptisch, was die Platzierung in dieser Saison betrifft. Die Werkself spielt bisher eine sehr gute Saison, belegt nach 14 Spielen Platz zwei. Wenn der Motor auch seit zwei Partien auch etwas stottert - zuletzt setzte es zwei Niederlagen hintereinander.

Das erste Spiel im neuen Jahr verlor das Team von Trainer Peter Bosz am Samstag bei Eintracht Frankfurt mit 1:2. Dennoch läuft es besser als vergangene Saison. Im Vergleich: vor einem Jahr belegten die Leverkusener nach 14 Spielen Rang sechs.

Der Verlust von Havertz wurde intern aufgefangen. Wirtz, der zuletzt seinen Vertrag bis 2023 verlängerte, schob sich mehr und mehr ins Rampenlicht. Seine Bilanz in der ersten Jahr als Profi: drei Tore in 20 Spielen.

Lob für Bailey und Bosz

Dass die Abgänge von Havertz und Volland nicht zu sehr ins Gewicht fallen, "lässt sich an zwei, drei Spielern festmachen", meint Daum. "Leon Bailey war vergangene Saison fast nur für offensive und attraktive Aktionen zuständig. Jetzt hat er es verstanden einen Ball auch in der Defensive zurückzuerobern und die Laufwege, die weh tun, zu machen im Sinne des Mannschafts-Erfolgs", sagt der 67-Jährige. Dies sei ein "Riesen-Verdienst von Peter Bosz".

Auch Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger, 2016 aus Mainz nach Leverkusen gewechselt, bekommt von Daum ein großes Lob. "Er ist extrem wertvoll und spielt den defensiven Part vor der Abwehr als Staubsauger im Mittelfeld sehr zuverlässig."

Baumgartlingers Kreativität sei "nicht so groß, aber seine Mannschaftsdienlichkeit schon". Über die Entwicklung eines weiteren Bayer-Profis, der in der Vergangenheit noch etwas als Bruder Leichtfuß daher kam, findet Daum positive Worte und muss schmunzeln. Die Rede ist von Nationalspieler Jonathan Tah.

Tah "sehr verbessert"

"Ausgerechnet Tah, der sich in dieser Saison stabilisiert hatte und sich keine Leichtsinnsfehler mehr erlaubte, leistet sich gegen die Bayern diesen Fauxpas", erinnert sich Daum. "Er hat sich aber insgesamt sehr verbessert."

Und er weiß, woran es liegt, wenngleich seit zwei Partien auch etwas Sand im Getriebe ist. Bosz verstehe es in der Corona-Phase "exzellent" eine "optimale Belastungssteuerung“ in das Team zu bringen. Der Niederländer, seit zwei Jahren im Amt, habe da genau das richtige Gespür.

Das hatte Völler unlängst bei der Vertragsverlängerung mit Wirtz. Doch Daum hebt mahnend den Zeigefinger und warnt: "Ein neuer Hype mit imaginären Transfersummen wäre ganz falsch."