"Ein Date mit einer alten Liebe"

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Désirée Nosbusch ist die neue Moderatorin bei "Opus Klassik", der wohl aufmerksamkeitsstärksten Trophäe für klassische Musiker in Deutschland. Nosbusch folgt auf Thomas Gottschalk, der den Nachfolge-Preis des abgeschafften "Echo Klassik" in den ersten drei Jahren, von 2018 bis 2020, moderierte. (Bild: ZDF / Urban Zintel)
Désirée Nosbusch ist die neue Moderatorin bei "Opus Klassik", der wohl aufmerksamkeitsstärksten Trophäe für klassische Musiker in Deutschland. Nosbusch folgt auf Thomas Gottschalk, der den Nachfolge-Preis des abgeschafften "Echo Klassik" in den ersten drei Jahren, von 2018 bis 2020, moderierte. (Bild: ZDF / Urban Zintel)

Seit ihrem Schauspiel-Comeback hält sich Désirée Nosbusch ("Bad Banks") von ihrer früheren Profession als begehrte Moderatorin fern. Nun macht sie für die Preis-Gala "Opus Klassik" eine Ausnahme - was wohl auch mit nostalgischen Erinnerungen ans eigene Aufwachsen zu tun hat.

Während der 80er-Jahre war die damals blutjunge Moderatorin Désirée Nosbusch das Beste, was man für eine große TV-Gala bekommen konnte. Dann jedoch verschwand die früh erfolgreiche Luxemburgerin im Privatleben. Sie verlagerte ihren Wohnsitz in die USA, zog zwei Kinder groß. Dass Nosbusch auch als Schauspielerin arbeitete und dieser Beruf ihre große Ambition darstellte, wurde in der Öffentlichkeit damals kaum wahrgenommen. Erst mit der ZDF-Ausnahmeserie "Bad Banks" feierte sie 2018 ein viel gelobtes Schauspiel-Comeback. Und nun? Findet auch die "Wiedergeburt" als Moderatorin statt, wenn am Sonntag, 10. Oktober (22.15 Uhr, ZDF), der Musikpreis "Opus Klassik" verliehen wird. Im Interview spricht Désirée Nosbusch über ihre eigene Zeit am Musikkonservatorium Luxemburgs, ihre Musiker-Kinder im Lockdown und Lehren, die sie aus ihren eigenen, als belastend empfundenen Jugend in der Öffentlichkeit gezogen hat.

teleschau: Man kann Ihre Moderation bei "Opus Klassik" fast schon als Comeback bezeichnen. Aus Ihrer alten Parade-Disziplin hatten Sie sich in den letzten Jahren ziemlich herausgehalten ...

Désirée Nosbusch: Vor Jahren wurde mir nahegelegt, mich von der Moderation zu verabschieden, um als Schauspielerin ernst genommen zu werden. Also habe ich mich notgedrungen davon getrennt. Ein Schritt, der mir damals nicht leichtgefallen ist. Zum einen, weil ich sehr gerne moderiert habe und zum anderen, weil ich dadurch finanziell große Einbußen hatte. Mittlerweile kann ich verstehen, dass es für den Zuschauer nicht immer einfach ist, jemanden in einer Rolle zu akzeptieren, wenn er als Moderator zu präsent ist. Als Schauspieler musst du im besten Fall hinter einer Figur verschwinden.

teleschau: Jetzt übernehmen Sie dennoch die Moderation dieses wichtigen Klassik-Preises von Thomas Gottschalk. Warum?

Désirée Nosbusch: Dass ich nun wieder beides machen kann, ist großartig. Ich habe mich sehr über die Anfrage vom ZDF gefreut und fühle mich auch geehrt, den "Opus Klassik" von Thomas Gottschalk übernehmen zu dürfen. Ich empfinde das ZDF ein bisschen wie meinen Haussender. Dort durfte ich 1979 meine ersten Schritte vor einer Kamera machen. Und sehr viel später war die ZDF-Serie "Bad Banks" der entscheidende Schritt bei meinem Comeback als Schauspielerin. Der "Opus Klassik" bedeutet für mich ein Zurück zu meinen Anfängen und Wurzeln. Ein Date mit einer alten Liebe, der Moderation. Es bedeutet aber nicht, dass Sie mich demnächst auch bei anderen Sendern wieder moderieren sehen werden.

Fünf Jahre lang besuchte Désirée Nosbusch das Musikkonservatorium ihrer Heimatstadt Luxemburg. Dort beschäftigte sie sich neben dem Klavierspiel mit Musiktheorie und sogar dem Dirigieren. Ihrer Ehe mit dem österreichischen Filmkomponisten Harald Kloser entstammen ein Sohn und eine Tochter - die beide als (Pop)musiker arbeiten.  (Bild: )
Fünf Jahre lang besuchte Désirée Nosbusch das Musikkonservatorium ihrer Heimatstadt Luxemburg. Dort beschäftigte sie sich neben dem Klavierspiel mit Musiktheorie und sogar dem Dirigieren. Ihrer Ehe mit dem österreichischen Filmkomponisten Harald Kloser entstammen ein Sohn und eine Tochter - die beide als (Pop)musiker arbeiten. (Bild: )

"Der Moment, in dem man fühlt, ob man den Saal in der Hand hat ..."

teleschau: Sie haben gesagt, dass sie das Moderieren lieben. Was bekommt man dort, was man als Schauspielerin nicht erhält?

Désirée Nosbusch: Das Live-Erlebnis. Als Schauspielerin hat man diesen Moment nur im Theater. Das Gefühl, dass man auf der Bühne jede Regung und jeden Atemzug von unten wahrnimmt und mitfühlt. Ich war nie eine Studio-Moderatorin, habe immer in Hallen oder Theatern auf der Bühne gestanden. Es ist der Reiz der ersten Sekunden und Minuten, den ich immer als unglaublich intensiv empfinde. Der Moment, in dem man fühlt, ob man den Saal in der Hand hat oder nicht. Wenn das Opening sitzt, ist der Rest des Abends ein "pas de deux" mit dem Publikum.

teleschau: Werden Sie - in Zeiten von Corona - vor großem Publikum moderieren?

Désirée Nosbusch: Das hoffen wir sehr und gehen im Moment auch davon aus. Im letzten Jahr waren es, glaube ich, 350 Zuschauerinnen und Zuschauer im Konzerthaus in Berlin. Dieses Jahr sollen es 500 werden - aber unser Wunsch ist, dass es noch voller wird. Es hängt allerdings, wie überall derzeit, von kurzfristigen Entwicklungen und Genehmigungen ab, in welcher Form man eine solche Gala durchführen darf.

teleschau: Viele Menschen wissen nicht, dass Sie in Luxemburg ein klassisches Musikkonservatorium besucht haben. Wollten Sie mal Musikerin werden?

Désirée Nosbusch: Nein, nie. Ich wollte schon als Kind in die Schauspielerei. Aber in Luxemburg existierte damals keine Schauspielschule, und es gab auch kein festes Theaterensemble. Es gibt einen berühmten Satz meiner Mutter, da war ich vielleicht sechs Jahre alt, der lautet: "Schauspielerin kann man nur werden, wenn man in Amerika geboren wurde." Da war ich natürlich sehr enttäuscht und habe einen anderen Weg gesucht, der mich der Kunstwelt etwas näherbringen würde. Ich versuchte es mit Ballett, musste aber sehr schnell feststellen, dass meine Möglichkeiten eine große Tänzerin zu werden, sehr limitiert waren. Da blieb mir nur noch das Konservatorium in Luxemburg.

Désirée Nosbusch in Galway: Der "Irland-Krimi" des Ersten startete mit zwei Filmen im Herbst 2019. Im Jahr darauf folgten die Filme drei und vier. Nach einer Corona-Pause dreht Nosbusch nun im Herbst 2021 zwei weitere Filme. Das Konzept des Krimis um eine Psychologin und Profilerin an der rauen irischen Westküste soll dabei "nachgeschärft" werden. (Bild: ARD Degeto / Züli Aladag)
Désirée Nosbusch in Galway: Der "Irland-Krimi" des Ersten startete mit zwei Filmen im Herbst 2019. Im Jahr darauf folgten die Filme drei und vier. Nach einer Corona-Pause dreht Nosbusch nun im Herbst 2021 zwei weitere Filme. Das Konzept des Krimis um eine Psychologin und Profilerin an der rauen irischen Westküste soll dabei "nachgeschärft" werden. (Bild: ARD Degeto / Züli Aladag)

"Ich habe im Theater vor dem Vorhang immer heimlich Verbeugen geübt"

teleschau: Was genau haben sie dort gelernt?

Désirée Nosbusch: Ich ging fünf Jahre zur Musiklehre und parallel zum Klavierunterricht. Da wir uns am Anfang kein Klavier leisten konnten, bastelte mir mein Vater eine Tastatur, die man auf den Küchentisch legen konnte. Einmal in der Woche durfte ich dann im Escher Stadttheater, in dem mein Onkel Direktor war, auf dem Bühnenflügel üben. Ich erinnere mich noch heute an dieses stimmungsvolle Ambiente: dunkles Haus, dunkle Bühne, dunkler Flügel - und dazu mein Flohwalzer.

teleschau: Trotzdem wollten Sie nie Pianistin werden?

Désirée Nosbusch: Nein, ich hatte weder genug Ambition noch wirklich das Talent zu einer großen Pianistin. Dafür habe ich im Theater vor dem Vorhang immer heimlich Verbeugen geübt. Es war früh klar, wo ich eigentlich hinwollte (lacht). Irgendwann haben mir meine Eltern dann ein altes Klavier gekauft und es restaurieren lassen. Ich habe dieses Klavier übrigens heute noch. Die Musik blieb immer eine große Liebe von mir. In Musiklehre war ich ziemlich gut. Ich lernte sogar ein Jahr lang Dirigieren. Aber dann hatte ich auch schon mit den Jobs beim Fernsehen angefangen.

teleschau: Gibt es ein musikalisches Erbe in ihrem Leben?

Désirée Nosbusch: Ich finde es sehr schön, dass meine beiden Kinder Musiker geworden sind. Und dass sie auch wirklich gut sind in dem, was sie tun. Das Talent haben sie von ihrem Vater geerbt, der ein großartiger Filmkomponist ist.

teleschau: Was genau machen Ihre Kinder?

Désirée Nosbusch: Mein Sohn ist in den USA bei Island Records unter Vertrag. Er hat sein eigenes Musikprojekt unter dem Namen Kid Bloom, aber er schreibt und komponiert auch für andere Künstler. Meine Tochter ist Independent-Künstlerin und tritt unter ihrem eigenen Namen Luka Kloser auf. Auch sie komponiert für andere Leute und hatte neulich einen Song auf einem Nummer-eins-Album in England drauf.

Der "Irland-Krimi" mit Polizeipsychologin Cathrin Blake (Désirée Nosbusch), eine Deutsche, die der Liebe wegen nach Irland gegangen ist: In den neuen Filmen soll ihre Rolle als Psychologin gegenüber jener als Co-Ermittlerin gstärkt werden, verriet sie. (Bild: ARD Degeto/Züli Aladag)
Der "Irland-Krimi" mit Polizeipsychologin Cathrin Blake (Désirée Nosbusch), eine Deutsche, die der Liebe wegen nach Irland gegangen ist: In den neuen Filmen soll ihre Rolle als Psychologin gegenüber jener als Co-Ermittlerin gstärkt werden, verriet sie. (Bild: ARD Degeto/Züli Aladag)

"Wir haben dann das Jahr zusammen im Lockdown verbracht"

teleschau: Musiker leben heute vor allem von Auftritten. Wie sehr leiden Sie mit Ihren Kindern seit die Corona-Zeit angefangen hat?

Désirée Nosbusch: Ich habe gelitten und leide immer noch mit ihnen. Für Musiker ist die Corona-Krise wirklich dramatisch. Es finden nach wie vor kaum Auftritte statt. Immerhin ermöglicht die Technik heute, dass man viel zu Hause aufnehmen und digital kommunizieren kann. Trotzdem leidet der musikalische Austausch unter Musikern enorm, ebenso wie ihre Verdienstmöglichkeiten dramatisch eingeschränkt sind. Dazu kommt, dass man - wie mein Sohn sagte - über nichts mehr Lieder schreiben kann, weil man nichts mehr erlebt.

teleschau: Sie waren auch in den USA, während des Lockdowns. Richtig?

Désirée Nosbusch: Ja, das hatte sich so ergeben. Ich war eine Woche zu Besuch bei meinen Kindern, als es losging. Im Prinzip befand ich mich schon wieder auf dem Weg nach Irland - zu Dreharbeiten für unseren ARD-Krimi. Mein Muttergefühl sagte mir, dass es besser wäre, nicht mehr zu fliegen und bei meinen Kindern zu bleiben. Gerade mein Sohn war als Diabetiker Risikopatient. Wir haben dann das Jahr zusammen im Lockdown verbracht und uns gegenseitig unterstützt. Es war eine sehr besondere und emotionale Zeit. Irgendwie auch unvergessliche, geschenkte Monate.

teleschau: Haben Sie das digitale Leben im Lockdown als Segen oder eher als Fluch empfunden?

Désirée Nosbusch: Ach, irgendetwas dazwischen, denke ich. Beim Arbeiten und Austauschen während Corona, war es sicher ein Segen. In Bezug auf die Bedeutung von Social Media sehe ich eher Gefahren für die junge Generation. Zum Erwachsenwerden und Entwickeln einer Persönlichkeit gehört auch, dass man sich verkriecht. Dass man Ruhe hat und in Ruhe gelassen wird. Dem gegenüber steht der Trend, sich ständig auf Social Media präsentieren zu müssen. Der Druck, den das heute auf Jugendliche und junge Erwachsene ausübt, ist sicher nicht gesund.

Ihr Comeback als Schauspielerin verdankt Désirée Nosbusch dem Sensationserfolg der vielfach preisgekrönten ZDF-Banker-Serie "Bad Banks" (hier ein Szenenbild aus Staffel zwei von 2020). Eine Fortsetzung der Serie ist jedoch nicht geplant. (Bild: ZDF/Letterbox Filmproduktion/Fabrizio Maltese)
Ihr Comeback als Schauspielerin verdankt Désirée Nosbusch dem Sensationserfolg der vielfach preisgekrönten ZDF-Banker-Serie "Bad Banks" (hier ein Szenenbild aus Staffel zwei von 2020). Eine Fortsetzung der Serie ist jedoch nicht geplant. (Bild: ZDF/Letterbox Filmproduktion/Fabrizio Maltese)

"Die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht, dass man erst mal Kind sein darf ..."

teleschau: Sie selbst haben den Druck einer öffentlichen Beobachtung während ihrer jungen Jahre in der "old school"-Variante, als übers Fernsehen bekannte Person des öffentlichen Lebens gespürt. Sind Sie damit gut zurechtgekommen?

Désirée Nosbusch: Nein, absolut nicht. Aber dazu ist alles gesagt und geschrieben worden. Sagen wir so: Ich weiß durch meine Geschichte, wie anstrengend und schmerzvoll es sein kann, vor den Augen einer Öffentlichkeit erwachsen zu werden. Heute ist der Wunsch nach dem berühmten "minute of fame"-Moment noch viel ausgeprägter und verbreiteter als damals. Auch, weil er durch die vielen Casting-Shows und Reality-Formate greifbarer erscheint. Ich halte diese Entwicklung für nicht ungefährlich.

teleschau: Was raten Sie jungen Leuten heute?

Désirée Nosbusch: Dass sie sich Zeit nehmen sollen. Zeit herauszufinden, wer sie tief drinnen sind und wofür ihr Herz wirklich schlägt. Die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht, dass man erst mal Kind sein darf, bevor man ins Berufsleben startet.

teleschau: Sie selbst befinden sich gerade bei Dreharbeiten fürs ZDF in Rumänien. Sie moderieren eine große Gala. Das klingt nun nicht mehr nach Lockdown ...

Désirée Nosbusch: Nein, zum Glück dürfen wir wieder arbeiten. Es wird im Moment sehr viel gedreht und produziert. Es müssen wieder Inhalte geschaffen werden, nach den langen Monaten des Stillstands. Es ist eigentlich wie immer in unserem Beruf: Entweder alles auf einmal oder Durststrecke. Bei mir ist gerade alles auf einmal. Die Projekte aus dem letzten Jahr kamen zu den bereits geplanten in diesem Jahr dazu. Aber ich beklage mich nicht und bin dankbar, dass ich arbeiten darf. Allerdings bin ich seit dem 9. Februar von zu Hause weg - und komme erst zu Weihnachten zurück. Die Medaille hat immer zwei Seiten.

Paula Beer (links), Albrecht Schuch und Désirée Nosbusch erhielten den Deutschen Fernsehpreis 2019 für ihre Leistung in "Bad Banks". (Bild: 2019 Getty Images/Andreas Rentz)
Paula Beer (links), Albrecht Schuch und Désirée Nosbusch erhielten den Deutschen Fernsehpreis 2019 für ihre Leistung in "Bad Banks". (Bild: 2019 Getty Images/Andreas Rentz)
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