Das verrät Osama bin Ladens Tagebuch

Die CIA stellt Osama bin Ladens Tagebuch ins Internet. (Bild: AP Photo)

Was dachte Osama bin Laden über den Westen und welche Filme guckte der Terroristenführer? Antworten bieten rund 470.000 Dokumente, Videos und Fotos, die jetzt vom Geheimdienst CIA veröffentlicht wurden. Darunter sind auch bin Ladens Tagebuch und eine Auflistung seiner Video-Sammlung. Eine Erkenntnis: Der Terrorist sammelte Zeichentrickfilme und Häkelanleitungen.

Exakt sechseinhalb Jahre nach der Tötung Osama bin Ladens bietet ein riesiges Archiv neue Einblicke in das Denken und das Privatleben des Terroristenführers. Die Unterlagen, Videos und Fotos wurden Anfang Mai 2011 im Haus des Al-Kaida-Gründers im pakistanischen Abbottabad beschlagnahmt. Dort war bin Laden von einem US-Elitekommando getötet worden. Die CIA stellte das Archiv ins Internet. Allerdings waren die Dateien zeitweise wegen technischer Probleme offline.

Das handschriftliche Tagebuch wurde laut der britischen Zeitung „The Guardian“ offenbar in Teilen von bin Ladens Sohn Khalid niedergeschrieben. Auch er wurde bei dem US-Einsatz getötet. Die Einträge bestätigten dem Bericht zufolge erstmals Vermutungen, dass bin Laden westliche Länder besucht hat. Demnach war der Sohn eines saudi-arabischen Baumagnaten erstmals als 13-Jähriger für eine nicht näher beschriebene „Behandlung“ in „den Westen“ gereist. Ein Jahr darauf verbrachte er zehn Wochen in Großbritannien.

Dieses Standbild aus einem Video zeigt laut US-Verteidigungsministerium Osama bin Laden. (Bild: AP Photo)

Laut „Guardian“ zeigte sich der spätere Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 „nicht beeindruckt“ von der britischen Kultur und Gesellschaft. „Ich hatte den Eindruck, dass sie ein liederliches Volk sind“, erinnerte sich bin Laden. Kurz danach betonte er erneut, wie „moralisch verkommen“ die britische Gesellschaft sei. Vom Geburtshaus William Shakespeares zeigte sich bin Laden ebenfalls nicht beeindruckt.

Gegen Unterhaltung aus Hollywood hatte der Terrorist aber offenbar nichts einzuwenden. Die CIA publizierte eine Liste von Filmen, die auf dem Anwesen in Abbottabad sichergestellt wurden. Dazu gehörten Zeichentrickfilme wie „Cars“ und „Ice Age 3“, die womöglich eher für die Enkelkinder bin Ladens gedacht waren. In der Videosammlung fanden sich aber auch der Fantasy-Actionfilm „Resident Evil“ sowie diverse Dokumentationen – darunter auch „Where in the world is Osama bin Laden?“ (2007). Darin begab sich der „Super Size Me“-Regisseur Morgan Spurlock auf die Suche nach dem Terroristen. Diverse Videos mit Häkelanleitungen wurden ebenfalls gefunden. Eines davon verrät, wie man einen Schmetterling anfertigen kann.