Das steckt hinter Kims Stift-Tausch-Aktion

Das Abkommen signierte Kim Jong-un nur mit seinem eigenen Stift. (Bild: KCNA via Reuters)

Der nordkoreanische Machthaber hatte anscheinend Bedenken, die Vereinbarung mit Donald Trump mit dem vor Ort bereitgelegten Stift zu unterschreiben. Mögliche Gründe dafür gibt es allerhand.

Es war ein historischer Moment: Nordkorea und die USA kommen beim ersten Treffen ihrer Staatsoberhäupter in Singapur zu einer gemeinsamen Vereinbarung. Die USA sollen ihre Militärübungen stoppen, Nordkorea soll an der Denuklearisierung des Staates arbeiten, heißt es darin unter anderem. „Er vertraut mir, glaube ich. Das glaube ich wirklich. Ich denke, er vertraut mir, und ich vertraue ihm“, schwärmte Donald Trump gegenüber „ABC News“ über die neu geschaffene Beziehung zu Kim.

Als es daran ging, die gemeinsame Vereinbarung vor laufenden Kameras zu unterschreiben, schien das Vertrauen auf der Seite des Nordkoreaners jedoch nicht besonders groß gewesen zu sein und es boten sich den Zuschauern einige bizarre Szenen: Bevor Kim Jong-un den Raum betrat, nahm ein Angestellter mit weißen Handschuhen den bereitgelegten „Donald Trump“-Stift für ihn vom Tisch und wischte ihn mehrmals sorgfältig mit einem Tuch ab. Als das Staatsoberhaupt sich schließlich daranmachen wollte, das Dokument zu signieren, sprang seine Schwester Kim Yo-jong ein und drückte ihm kurzerhand einen anderen Stift aus ihrer Jackentasche in die Hand. Der ursprünglich bereitgelegte Stift wurde von Kim nicht angerührt.


„Hat das noch jemand gesehen? Da waren zwei ‘Donald Trump’-Stifte zum Signieren, ein nordkoreanischer Offizieller kam rein und reinigte ihn für Kim, dann hat Kim Yo-jong in letzter Minute ihren eigenen Stift gezückt, den er statt dem bereitgelegten nehmen sollte. Kim hat ihn benutzt und danach verschwand er wieder in ihrem Blazer.“

Nun häufen sich die Spekulationen darüber, was die Nordkoreaner zu solch einer Aktion getrieben haben könnte. Eine mögliche Erklärung dafür könnte die Angst davor sein, vergiftet zu werden, oder aber eine Keimphobie. Doch eine weitaus populärere Theorie ist die Sorge, dass Informationen über den „Obersten Führer“ in die falschen Hände gelangen. „Sie haben eine gut begründete Angst davor, dass jemand etwas über seine Gesundheit erfährt“, erklärt John Pike vom sicherheitspolitischen Institut „GlobalSecurity.org“ gegenüber der Zeitung „Daily Mail“. „Sie sind sehr bedacht darauf, dass niemand biologisches Material von ihm in die Hände bekommt. Wenn jemand mit Sicherheit wüsste, was im fehlt, sähe das gar nicht gut aus. Es würde seine Rechtmäßigkeit infrage stellen.“

Da Kim unter Gewichtsschwankungen leidet, viel raucht und in der Vergangenheit bereits mit einem Krückstock gesichtet wurde, wurde bereits mehrfach spekuliert, dass er unter gesundheitlichen Problemen wie Diabetes, einem erhöhten Blutdruck oder Adipositas leiden könnte. Jedoch ist kaum etwas über das Privatleben des nordkoreanischen Staatsoberhauptes bekannt – nicht einmal sein genaues Alter lässt sich mit absoluter Sicherheit bestimmen.

Kims Schwester Kim Jo-jong reichte ihm schnell einen anderen Stift. Sie gilt als eine der engsten Beraterinnen ihres Bruders. (Bild: AP Photo/Evan Vucci)

Angeblich soll Kim Jong-un auch mit einer eigenen Toilette reisen, um nirgendwo Stuhlproben zu hinterlassen, die analysiert werden könnten. Dafür spricht, dass bereits sein Vater und politischer Vorgänger Kim Jong-il diese Gewohnheit pflegte. 2005 berichtete eine früherer Regierungsangestellter, der nach Südkorea übergelaufen war, der Zeitung „Washington Post“: „Anstatt eine öffentliche Toilette zu benutzen, hat der nordkoreanische Führer eine persönliche Toilette auf Reisen mit dabei. Die Ausscheidungen des Führers enthalten Informationen über seinen Gesundheitszustand, also können sie nicht zurückgelassen werden.“

Kim Jong-il soll tatsächlich bei jeder Reise eine mobile Toilette dabei haben, um nie fremde Örtlichkeiten nutzen zu müssen – in jedem Zug, in jedem Auto, in jedem Flugzeug, das er nutze. Jedoch widerspricht das einem populären Mythos um das als gottgleich inszenierte Staatsoberhaupt: Dieser besagt, dass er, genau wie sein Vater, nie auf die Toilette müsse, da er so hart arbeite, dass er seine komplette Energie verbrenne und nichts zum Ausscheiden übrigbleibe.