Das Lichtschwert fest im Griff

“Star Wars”-Heldin Rey. (Bild: Lucasfilm)

Eine Kolumne von Carlos Corbelle

“Grab them by the Balls”: Lichtschwert-Edition. Der neue “Star Wars”-Film “Die letzten Jedi” lässt wie erwartet die Kinokassen klingeln und auch die Kritiker sind überwiegend erfreut. Win-Win. Nur auf der viel zitierten Kino-Seite Rotten Tomatoes ist eine seltsame Diskrepanz zu bestaunen. Während die positiven Kritiken diverser US-Kollegen eine phänomenale Gesamtwertung von 92% erzielten, kam die User-Wertung der “letzten Jedi” bloß auf magere 54%. Das macht stutzig, kommt aber vor und wäre eigentlich kein Grund zur Besorgnis. Wenn nicht eine Gruppe mit kruden, rückwärtsgewandten Ansichten behaupten würde, für einen Großteil der negativen Bewertungen verantwortlich zu sein.

So sagte eines der Mitglieder von “Down With Disney’s Treatment of Franchises and its Fanboys” (“Nieder mit Disneys Behandlung von Franchises und deren Fanboys”) gegenüber der Huffington Post, dass die Gruppe Bots benutzt hätte, um die “Star Wars”-Bewertung auf Rotten Tomatoes erheblich schlechter aussehen zu lassen, als sie eigentlich gewesen wäre. Laut Rotten Tomatoes ist da offenbar nichts dran, auch wenn die Betreiber der Kino-Seite die Behauptungen sehr ernst nehmen würden und entsprechende Ermittlungen eingeleitet hätten. Doch wenn die negativen Bewertungen letztlich doch bloß von gewöhnlichen Kinogängern stammen: warum dann diese Farce? Vermutlich um Stimmung zu machen, was sonst? Wobei vor allem die bornierte Erklärung für die angebliche Manipulation sprachlos macht.

So hat die Gruppierung ein Problem damit, dass im “Star Wars”-Universum immer mehr Frauen zum Figurenensemble gehören. Zudem befürchtet sie, dass Charaktere wie Luke Skywalker homosexuell werden könnten. Klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber tatsächlich die Begründung der “Down With Disney’s bla-bla”-Jungs. Überhaupt sollten Männer wieder das Sagen haben, wie einer von ihnen der Huffington Post erklärt: “Ich habe es satt, dass Männer als Idioten porträtiert werden. Es gab eine Zeit, in der wir die gesellschaftlichen Herrscher waren und ich will, dass das wieder so ist. Darum habe ich auch Donald Trump gewählt.”

Haben garantiert keine Angst vor hinterhältigen Bots: Die Helden des neuen “Star Wars”-Films. (Bild: Lucasfilm)

Wie viel Angst die Angry White Men vor potentiellen Ikonen der Pop-Kultur haben, die nicht weiß, männlich und heterosexuell sind, zeigte sich bereits vor kurzem anhand der Anfeindungen gegen Michael Burnham, die schwarze Protagonistin der neuen “Star Trek”-Serie “Discovery”. Wie verzweifelt sie offenbar sind, zeigt nun die jämmerliche Aktion gegen den Siegeszug der neuen “Star Wars”-Heldin Rey – ob es sich dabei letztlich um eine tatsächliche Manipulation oder bloße Behauptungen handelt. So gilt auch in der letzten Ausgabe von “Grab them by the Balls” im Jahre 2017, was vor ein paar Monaten schon in der allerersten Kolumne galt: Die Ewiggestrigen geraten gehörig ins Schwitzen, weil sie zunehmend merken, dass das seit jeher als gegeben hingenommene Narrativ des weißen, heterosexuellen Helden selbst in den großen Mythen der Moderne bröckelt.

Die Fanboys von Trump, Gauland und Co. sollten sich daran gewöhnen, dass Frauen wie Rey das Lichtschwert fest im Griff haben – und keinesfalls vorhaben, es wieder loszulassen. Wir hören uns 2018 wieder. To be continued.

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Im Video: Exklusiv-Interview mit Mark Hamill