Das Jahresrückblick-Battle: ARD vs. ZDF

Erster Gast ber Markus Lanz Jahresrückblick “Menschen 2017” war Elyas M´Barek. Sein Film “Fack ju Göthe” war der erfolgreichste Kinohit in diesem Jahr.

Gleich zwei Jahresrückblicke lieferten uns die Sender ARD und ZDF fast zur selben Sendezeit. Für welchen soll man sich da bloß entscheiden? Für beide, haben wir beschlossen. Und zwischen den Highlights der Sendungen hin- und hergeschaltet.

Den Anfang machte Dieter Nuhr. Die Sendung des Komikers begann um kurz vor zehn in der ARD. Erst zwanzig Minuten später fängt Markus Lanz mit seinem Jahresrückblick im ZDF an. Also bleibt einem genügend Zeit, Nuhrs erste Gags anzuhören und loszulachen.

Zunächst geht es um die Bundestagswahl: “90 Prozent der Deutschen sagen vor der Wahl: ‘Es geht mir gut.’ Und was haben sie gewählt: Parteien am Rand. Sie meinten: Es geht mir gut, aber alle haben Angst: ‘Es könnte schlechter werden.’ Aber ich sage: Es könnte auch gut werden. Nächstes Jahr steht ein WM-Jahr ins Haus. Unsere Gegner sind: Südkorea, Mexiko, Schweden. Das sind Gegner für die haben wir uns früher gar nicht umgezogen.”

Todesursache: Feinstaub. Wirklich?

Dieter Nuhr steigt klassisch ein. Witze über die Wahlen und über Fußball – die hat der Deutsche gern. Manches ist auch wirklich zum Schmunzeln – die übertriebenen Fernsehlacher des Publikums kommen aber wahrscheinlich eher durch das gemeinsame Beisammensein im Studio zustande.

“Sind wir wirklich alle vom Tode bedroht durch Feinstaub?”, fragt Nuhr. “15 Schiffe haben einen ähnlich hohen Feinstaub-Ausstoß wie 750 Millionen Autos. Es hat also keinen Sinn, wenn Sie jetzt Ihren Diesel abschaffen und danach auf Kreuzfahrt gehen.” Stimmt. Und noch etwas sagt Dieter Nuhr ganz richtig: “Das Verfassungsgericht hat entschieden: Es gibt mehr als nur Männer und Frauen. Und das ist gut! Und für alle, die das aufregt, habe ich eine wichtige Nachricht: Es geht Sie nichts an! Von mir aus können die auch unisex-Toiletten einführen. Ich habe seit Jahren eine Zuhause. Es funktioniert bestens.”

Als Dieter Nuhr dann vorschlägt, IS-Kämpfer ins Irrenhaus zu stecken und sie zwangsweise mit Schweinespeck und Schnaps zu ernähren, ist allerdings vorerst die Grenze des guten Humors überschritten und es wird Zeit zu schauen, wie Markus Lanz um 22.15 Uhr in seinen 135-minütigen Jahresrückblick einsteigt.

Dieter Nuhr macht in seinem Jahresrückblick den Alleinunterhalter. Gäste kommen bei ihm nicht. Nuhr pur.

Der beginnt unerwartet. Nämlich mit dem erfolgreichsten Kinohit 2017. Und das war “Fack ju Göthe 3”. Hauptheld im dritten Teil der Filmreihe über die doofen, aber herzlichen Schüler der Goethe-Gesamtschule ist der Lehrer Zeki Müller, gespielt von Elyas M´Barek. Der ist nun auch der erste Gast auf der Lanz´schen Couch.

“Dein erster Film war ja ‘Mädchen Mädchen'”, fragt Lanz in üblicher Duz-Manier, die er bei den meisten seiner Gäste weiter einhält, immer einleitend mit den Worten: “Du hast mir das ‘Du’ angeboten und ich nehme das gerne an.” “Ja”, beantwortet M´Barek die Frage. “Aber da haben sie mich wieder rausgeschnitten.”

Elyas M´Barek rausgeschnitten – das ist natürlich lustig. “Die ärgern sich jetzt bestimmt wahnsinnig, dass sie das getan haben”, sagt Lanz. “Naja, das sind die gleichen, die jetzt ‘Fack ju Göthe’ gemacht haben”, erwidert M`Barek. Das ist noch lustiger. Und auch eine schicksalhafte Wendung.

Lanz nächstes Thema ist der Terrorismus. Erst in dieser Woche ist in Australien wieder ein Auto in eine Menschenmenge gerast. Ein wichtiges Thema, aber auch vieldiskutiert, deswegen ist es Zeit, noch einmal umzuschalten und noch einmal bei Dieter Nuhr, der ja gänzlich ohne Gäste als Alleinunterhalter eine Stunde Abendprogramm füllen muss, reinzuschauen.

Nuhr verlässt den Pfad der Gürtellinie

Der hat anscheinend immer noch nicht ganz den richtigen Ton wiedergefunden. Witzelt gerade über eine “Frau in Burka, von der man denkt es sei eine unterdrückte Muslima” (Ich hoffe inständig, dass das nicht mehr so viele Menschen denken) “Aber stattdessen ist es ein ägyptischer Transvestit.” (Hä?)

Dann geht es um G20. Bei dem Gipfel in Hamburg kam es zu heftigen Straßenschlachten. Im Nachhinein wurde die Polizei für ihr hartes Eingreifen kritisiert. Nuhr gibt seine Meinung zum besten: “Titel der Demo war: Welcome to Hell. Sie wurde aber trotzdem genehmigt, weil die Leute beim Genehmigungsamt vielleicht dachten: ‘Wer ist dieser Hell?’ Und dann wird die Polizei beschimpft. Aber ich wollte einfach mal sagen: Polizisten sind auch nur Menschen. Und wenn ich den ganzen Tag beleidigt, bespuckt und mit Brandsätzen beworfen werden würde, dann wäre bei mir die Laune auch im Keller.”

Beim Nachbar-Rückblick “Menschen 2017” stellt der charmant aussehende Moderator gerade wieder mal eine ganz uncharmante Frage. Das ist ja mittlerweile zu seinem Markenzeichen avanciert. Und so fragt er eine Dame, die mit 80 Jahren in einem Oldtimer um die Welt gereist ist und dabei 85.000 Kilometer in drei Jahren zurückgelegt hat: “Was war das größte Problem: ohne Servolenkung zu fahren, ohne Bremskraftverstärker oder ohne Mann?” Und Schwupp: Da sind sie dahin – 50 Jahre Emanzipation.

Zapp zu Dieter Nuhr. “… bei uns dürfen Frauen sogar fliegen”, hört man da gerade. Die Männer der öffentlich-rechtlichen Sender sammeln schon einmal für die Moderationsflops des Jahres 2018. Aber bei Nuhr läuft das ja unter Humor. Und über den lässt sich alles entschuldigen. Dann setzt er schon an zu seiner Verabschiedung: “2017 wird irgendwann die gute alte Zeit gewesen sein: Schließlich haben wir seit Juni zwei Pandas im Berliner Zoo, unser Weihnachtsbaum ist laktosefrei, die Weihnachtgans vegan und wem zu Weihnachten das Wetter wieder nicht passt, der kann auf den Klimawandel hoffen. Frohes neues Jahr.”

Watzke will nicht über Tuchel sprechen

Nach einer Stunde Dieter Nuhr bleibt noch eine Stunde und 15 Minuten Lanz übrig. Dem können wir nun unsere volle Aufmerksamkeit widmen. Die Höhepunkte seiner Sendung sind vielleicht noch der Auftritt von Hans-Joachim Watzke, dem Geschäftsführer vom Fußballverein Borussia Dortmund und dem Fußballnationalspieler Matthias Ginter. Mittlerweile ist Ginter bei Gladbach, aber im Frühjahr war er noch bei der Borussia Dortmund. Ginter sagt, dass er nach dem Anschlag auf den BVB-Bus vor dem Championsleague-Spiel kurz überlegt hatte, seine Karriere niederzulegen. “Aber man muss ja funktionieren und Fußball macht ja auch Spaß.”

Watzke wehrt sich dagegen, die Entscheidung am Tag nach dem Anschlag trotzdem das Spiel durchzuführen, über die Köpfe der Spieler hinweg entschieden zu haben. “Wir waren in der Kabine und haben mit den Spielern gesprochen.” Eine unbefriedigende Antwort, weiß man doch, dass der Teamgeist es einem verbietet, sich gegen die Mannschaft zu stellen. Über Trainer Tuchel, der nach dem Terroranschlag gehen musste, weil er sich gegen eine Fortsetzung der Championsleague-Spiele ausgesprochen hatte, will Watzke nicht reden.

Wollen sich gegenseitig bei ihren Jobs begleiten: Pfleger-Azubi Alexander Jorde und FDP-Vorsitzender Christian Lindner.

Außerdem ist Christian Lindner zu Gast. Sein erster großer Auftritt nach dem Ende der Sondierungsgespräche. Er wirkt ganz locker, so kurz vor den Weihnachtsferien. Lanz fragt: “Manche sagen: Die haben ja öfter auf dem Balkon gestanden als die Royal Family in England. Haben Sie Angst, der Prince Charles der deutschen Politik zu werden?” “Das kommt auf das Ende von Prince Charles an”, antwortet Lindner. “Aber wenn sie den ganzen Tag mit Alexander Dobrindt und Jürgen Trittin in einem Raum sitzen, dann müssen sie mal den Kopf durchlüften, das ist naturnotwendig.” Verständlich.

Pfleger und Politiker wollen beieinander hospitieren

Dazugeholt wird noch der Pfleger-Azubi Alexander Jorde. Er hat mit seiner Anklage, dass es zu wenig Pflegekräfte gebe, Angela Merkel vor der Wahl in einer Fragerunde ganz schön zum Schwitzen gebacht. Lindner sagt gleich: “Wir brauchen eine bessere Quote von Pflegekraft zu Patient.” “Und warum steht das nicht in Ihrem Wahlprogramm?”, fragt Jorde zurück. Ertappt. Das Publikum liebt Jorde einfach. Am Ende einigen sich die beiden darauf: “Ich begleite Sie einen Tag in der Pflege und Sie mich einen Tag”, sagt Lindner.

Bei Lanz folgen noch viele weitere Gäste, zum Beispiel zwei junge Männer, die eine Mathe-App erfunden haben und sie für zwanzig Millionen Euro verkauft haben. Oder Mark Forster, der auf der Bühne etwas vorsingt. Auch die Ehrlich Brothers sind dabei, die Zauberer mit den Tokio Hotel-Frisuren, die einen kleinen Trick aufführen. Und viele mehr. Die Sendung von Lanz ist lang, aber unterhaltsam. Hätte sich Lanz ein bisschen kürzer gefasst und Nuhr ein wenig mehr Abwechslung in seine Sendung gebracht, wäre es schwerer gefallen, um- oder wegzuschalten.

Fotos: Screenshot/ARD/ZDF

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