Deutschlands beste Schauspieler

Kaum zu glauben, wie viele gute Leinwanddarsteller es hierzulande gibt. Und zwar generationenübergreifend, von ganz jung bis uralt. Richtig stark aber ist nur eine Handvoll, und wiederum zwei davon müssen sich die Krone für Deutschlands Schauspielkönig teilen.

Von Thomas Lassonczyk

Bruno Ganz, Götz George, Mario Adorf, Klaus Kinski - das Deutschland der Nachkriegszeit hat wahrhaft große Schauspieler hervorgebracht. Aber auch heute, im zweiten Jahrzehnt des neuen Millenniums, tut sich auf nationaler Ebene im Kino Einiges. Dabei muss man allerdings unter mehreren Kategorien unterscheiden. Da gibt es zum Beispiel die Blockbuster-Garanten. Sie sehen gut aus, kommen (meistens) sympathisch rüber oder verfügen über ein gewisses Sex-Appeal.

Dazu zählen auf jeden Fall Elyas M’Barek, der mit “Türkisch für Anfänger", “Willkommen bei den Hartmanns” oder der “Fack Ju Göhte”-Trilogie (Teil 3 kommt Ende Oktober in die Kinos) ein Millionenpublikum begeisterte. Ähnliches gilt auch für Michael Bully Herbig (”Der Schuh des Manitu"), Florian David Fitz (“Der geilste Tag”) sowie für

Til Schweiger und Matthias Schweighöfer, die ihre Hits von “Keinohrhasen” und “Honig im Kopf” bis “Vaterfreuden” und “Der Nanny” gleich noch selbst als Autor und Regisseur betreuen. Sonderlich anspruchsvoll sind diese Filme, überwiegend romantische Komödien, die zwar den Nerv des Massenpublikums treffen, nicht unbedingt. Entsprechend niedrig ist auch das schauspielerische Niveau angesiedelt. Oft reicht es für diese Protagonisten aus, einfach nur „gut auszusehen“. Das bedeutet, dass man in diesen Hits kaum darstellerische Brillanz finden wird. Es gibt aber auch Akteure, die beides geschafft haben. Diese haben sich eine gewisse Popularität erarbeitet, finden aber trotzdem auch bei Kritikern und Festival-Jurys Anerkennung.

Moritz Bleibtreu wäre da zu nennen, der in seiner beachtlichen Kinokarriere bereits drei Deutsche Filmpreise (unter anderem für “Das Experiment") sowie 2006 den Silbernen Bären der Berlinale für “Elementarteilchen” in Empfang nehmen durfte. Auch Jürgen Vogel ist so ein Typ, der etwas wagt, der jungen Regisseuren eine Chance gibt, an außergewöhnlichen Projekten (“Emmas Glück”, “Der freie Wille”, “Gnade”) mitwirkt und dabei immer ein Höchstmaß an Qualität im Auge behält.

Das gelingt Daniel Brühl ebenfalls immer wieder. Auf den Helden aus der Mauerfall-Satire “Good Bye, Lenin!“ (2002) sind längst schon ausländische Filmemacher wie Ron Howard ("Rush - Alles auf Sieg”) oder Quentin Tarantino (“Inglourious Basterds”, 2009) aufmerksam geworden. In diesem Zusammenhang muss man auch

Christoph Waltz nennen. Der gebürtige Wiener spielt definitiv in einer eigenen Liga, ist mit den beiden Oscar-Siegen für seine denkwürdigen Auftritte in den Tarantino-Meisterwerken “Inglourious Basterds" und “Django Unchained” längst zur lebenden Legende geworden. In diese Ruhmeshalle deutsch(sprachig)er Charakterschauspieler wollen auch junge aufstrebende Talente wie David Kross (“Krabat”, Jahrgang 1990), Louis Hofmann (“Lammbock”, *1997) oder Frederick Lau (“Victoria”, *1989) irgendwann einmal hin. Ein steiniger Weg, den zwei Akteure, die das Beste verkörpern, was das nationale Kino derzeit zu bieten hat, längst hinter sich gelassen haben: Ulrich Tukur und Justus von Dohnányi. Ob RAF-Terrorist oder Tatort-Kommissar, ob SS-Offizier oder Stasi-Funktionär,

Tukur ist vielleicht der wandlungsfähigste, wohl aber der intelligenteste und wagemutigste Schauspieler, was er zuletzt neben Martina Gedeck in der unkonventionellen Love Story “Gleißendes Glück" eindrucksvoll untermauerte. 

Dem steht von Dohnányi in Nichts nach. Auch er kann alles spielen, vom menschenverachtenden Gauleiter (”Napola") über den brutalen Gefängniswärter (”Das Experiment") bis hin zum schwulen Schlagerfuzzi (”Männerherzen"). Und er ist auch als Regisseur von pechschwarzen Komödien wie “Desaster" oder “Bis zum Ellenbogen" eine Bank - Kultfilme eines wahren Künstlers, der an der Hamburger Hochschule für Musik und darstellende Kunst sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat und somit nicht nur vor der Kamera, sondern auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten, bestehen kann. 

Bilder: ddpImages (7)