Das halten wir von der Idee eines "Toni Erdmann"-Remakes!

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Hollywood arbeitet an einer US-amerikanischen Fassung von Maren Ades “Toni Erdmann”. Und das angeblich mit einer sensationellen Besetzung. Kein Geringerer als die Schauspiellegende Jack Nicholson soll an der Seite Kristen Wiigs für die männliche Hauptrolle im Gespräch sein.

Muss Ade sich also Sorgen machen, dass ihr Meisterwerk demnächst in den Schatten eines durchschlagskräftigeren und publikumswirksameren Remakes gestellt wird? Oder ist das Unternehmen angesichts der Strahlkraft des Originals von vorneherein zum Scheitern verurteilt?

„Toni Erdmann“ (Deutschland) (Bild: ddp images/Capital Pictures)

Erfolg garantiert

Die 2016 in Cannes frenetisch gefeierte und aktuell für den Oscar nominierte Tragikomödie ist geradezu prädestiniert für ein Remake. Schließlich ist “Toni Erdmann” nicht nur in Deutschland ein kommerzieller Erfolg – was für Hollywood-Produzenten immer ausschlaggebend ist für eine Neuverfilmung. Auch in Nordamerika erfreut sich der Film bemerkenswerter Beliebtheit. US-Kritiker loben das Werk in den Himmel, und auch an den Kinokassen ist es mit einem Gesamteinspiel von mehr als 500.000 Dollar ein verhältnismäßig beachtlicher Erfolg.

Für das Gelingen einer Neufassung spricht auch, dass “Toni Erdmann” nicht nur zeitlose, sondern auch kulturell übertragbare Themen verhandelt. Ade erzählt anhand eines komplizierten Vater-Tochter-Verhältnisses von einem Generationen-Konflikt, der nicht nur hierzulande anzutreffen ist: Hier die Jungen, die in einer globalisierten, durch und durch materialistischen Welt den Bezug zu den wahren Werten des Lebens zu verlieren drohen. Dort die Alten, die von der rasanten Entwicklung abgehängt worden sind und fürchten müssen, auch den Platz im Herzen ihrer Kinder zu verlieren.

‘Toni Erdmann’ (Sony Pictures Classics)

Die Grenzen des geplanten Remakes

Formalästhetisch handelt Ade diese allzu menschliche und zugleich sozialrealistische Geschichte auf souverän-ruhige und unprätentiöse Art und Weise ab. Dabei ist die Regisseurin und Drehbuchautorin zu keinen Kompromissen bereit. “Toni Erdmann” ist trotz seiner extrem zugänglichen, fast ‘unsichtbaren’ Machart auch ein Triumph des europäischen Autorenkinos, das abseits klassischer Erzählmuster um thematische Tiefe aber auch formalen Anspruch bemüht ist. In diesem Punkt nun droht der geplante Neuaufguss an seine Grenzen zu stoßen.

Denn der Sinn von Hollywood-Remakes liegt nicht etwa in der Nutzbarmachung des substantiellen und künstlerischen Werts einer Vorlage für den eigenen Kulturkreis. Er ist vielmehr ökonomischer Natur. In den meisten Fällen sehen Produzenten im Original das Potenzial für einen kommerziellen Erfolg (der übrigens im Falle einer Neuverfilmung größer ist als eine sprachlich nachbearbeitete Fassung; die Abneigung des US-Kinopublikums gegen synchronisierte oder untertitelte Filme ist fast sprichwörtlich). Das bedeutet aber, dass ein Remake, um erfolgreich zu sein, erzählerisch standardisiert, geglättet und an den Mainstream angepasst werden muss. Sollte es Ausnahmen geben, dann bestätigen sie diese Regel.

(Photo by: STRF/STAR MAX/IPx)

Wie mächtig sind Nicholson und Ade?

Auch beim “Toni Erdmann”-Remake spricht alles dafür, dass die Entscheidung eine systemische und keine individuelle ist. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Regisseur oder Drehbuchautor dem Filmstudio Paramount Pictures eine Idee für einen künstlerischen Neuansatz angetragen hat. Viel eher ist die Maschinerie von der Chefetage des Unternehmens aus in Rollen gebracht worden. Immerhin heißt es, dass Jack Nicholson von “Toni Erdmann” so sehr begeistert war, dass er bei der Entwicklung des Projekts federführend ist. Ob jedoch die Autorität der Schauspiel-Ikone oder der Einfluss Ades, die als ausführende Produzentin an Bord ist, groß genug sind, um dem Remake künstlerisches Profil zu geben, darf angezweifelt werden.

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