Darum sollte Wanda Sykes die Oscars 2019 moderieren

Victoria Timm
Freie Autorin für Yahoo Kino
Wanda Sykes ist nicht nur als Komikerin, sondern auch als Aktivistin bekannt. (Bild: Rich Polk/Getty Images for Waterkeeper Alliance)

Es ist vier Wochen her, dass Kevin Hart als Host der Oscars zurückgetreten ist. Seitdem herrscht Schweigen darüber, wer die Moderation nun übernehmen soll. Doch die Zeit wird langsam knapp – und mit Wanda Sykes stünde die perfekte Besetzung schon parat.

Mit der Verpflichtung von Sykes würde die Academy ein wichtiges Zeichen setzen. Denn wir erinnern uns: Kevin Hart schmiss den Job hin, nachdem mehrere ältere homophobe Tweets von ihm an die Öffentlichkeit gelangt waren und er sich weigerte, für seine Worte Rechenschaft abzulegen und sich zu entschuldigen. Generell ist die Stimmung in Hollywood rund um die #metoo-Bewegung noch immer recht angespannt. Da stellt sich natürlich die Frage, wer in diesen Zeiten die beste Wahl für die Oscar-Moderation wäre.

Dass sie das Zeug zur Gastgeberin hat, bewies Sykes unter anderem bei den AFI Life Achievement Awards 2014. (Bild: Mark Davis/Getty Images for AFI)

Eine lesbische, afroamerikanische Frau ans Mikro zu lassen, würde der Preisverleihung sicherlich gut tun. Und nicht nur das: Auch wenn Wanda Sykes hierzulande eher unbekannt ist, gilt sie in den Vereinigten Staaten als wahres Schwergewicht im Comedybusiness. Dabei ist sie nicht nur lustig, sondern lässt sich auch nicht den Mund verbieten.


“Wisst ihr, anfangs wollte ich einen weiblichen Präsidenten. Dann dachte ich, ein weiterer schwarzer Präsident wäre gut. Aber jetzt will in einfach nur einen amerikanischen Präsidenten.”

Nach ihrem Collegeabschluss arbeitete Sykes mehrere Jahre lang für den Geheimdienst NSA. In Sachen Politik kennt sie sich also aus. Ihr Job frustrierte sie jedoch irgendwann so sehr, dass sie nebenbei anfing, Stand-up-Comedy zu machen. 1997 stieß sie als Autorin zum Team von der “The Chris Rock Show”, im Fernsehen war sie anschließend in Sitcoms wie “Lass es, Larry!” und “Black-ish” zu sehen.

Sykes, die 2008 ihre Partnerin Alex Niedbalski heiratete, mit der sie zwei Kinder hat, ist dafür bekannt, ihre Meinung zu sagen, ohne dabei zu kontrovers zu sein. Dieses Talent brachte ihr unter Barack Obama auch den Job als Hauptrednerin beim traditionellen “White House Correspondents’ Dinner” ein – als erste Afroamerikanerin der Geschichte.

Sykes outete sich erst einen Monat nach ihrer Hochzeit mit Alex Niedbalski öffentlich als lesbisch. (Bild: Dave Kotinsky/Getty Images)

Umstritten war jedoch ihr Engagement als Hauptautorin für das Reboot von “Roseanne”, das sie unmittelbar nach der Veröffentlichung eines rassistischen Tweets der umstrittenen Hauptdarstellerin Roseanne Barr beendete. Bis heute steht die ausgesprochene Trump-Gegnerin jedoch zu ihrer Entscheidung, für die Show gearbeitet zu haben.

Denn Sykes geht es darum, Brücken zu bauen: “Wir müssen diese Gespräche führen. Das Angsteinflößendste für mich ist gerade, dass wir sie nur untereinander führen, anstatt auf die Leute zuzugehen, die die Dinge anders sehen als wir”, erklärt sie gegenüber der Zeitung “The Guardian”. “Sie sprechen alle darüber, wie schrecklich wir sind und wir sprechen alle darüber, wie schrecklich sie sind.”


“Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir schon Präsidenten hatten, die rassistisch, sexistisch, intolerant, verlogen und/oder fremdenfeindlich waren … Aber ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass wir noch nie einen Präsidenten hatten, der so dumm war.”

Dass solche Annäherungen schwierig sind und Zeit brauchen, weiß die 54-Jährige selbst am besten: Sie outete sich erst mit Anfang 40 als lesbisch. Ihre Eltern, strenge Christen entfremdeten sich anschließend zuerst von ihr, sind nun jedoch stolze Großeltern ihrer Zwillinge.

Mit ihrer Medienerfahrung und ihrem jahrelangen Engagement für die LGBT-Gemeinschaft, für das sie unter anderem 2010 mit dem “GLAAD Stephen F. Kolzak Award” ausgezeichnet wurde, hat Wanda Sykes die politische Bildung, das komödiantische Talent sowie das richtige Maß Feingefühl, um solch eine traditionsreiche Veranstaltung wie die Oscars zu moderieren. Auch wenn sie das anders sieht:


“Ich finde, Siri und Alexa sollten die Oscars moderieren.”

So oder so: Der Academy läuft langsam die Zeit davon. Die diesjährige Oscarverleihung findet am 25. Februar in Los Angeles statt. Mit dem Engagement von Sykes würden die Veranstalter eine angemessene Reaktion auf das aktuelle gesellschaftliche Klima zeigen.