Darauf kommt es bei der Wahl der Krankenkasse an

Von den Werbeversprechen einzelner Kassen sollten sich Versicherte nicht blenden lassen. Welche Kriterien beim Wechsel der Versicherung zu beachten sind.

Die passende Krankenkasse zu finden ist ein schwieriges Unterfangen. Zuerst stellt sich die Frage: Welche Auswahl habe ich überhaupt? Das hängt mit dem Einkommen, dem Beruf und den persönlichen Bedürfnissen zusammen. Aber auch mit der Zahlungsbereitschaft, der Familienplanung und der Bereitschaft für Papierkram. Wer sich entscheiden muss, ob er in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) bleibt oder besser in die private Krankenversicherung (PKV) wechselt, der fällt diese Entscheidung in der Regel für sein ganzes Leben.

Derzeit gibt es 109 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland. Doch die Anzahl sinkt seit Jahren, denn wegen des hohen Kostendrucks schließen sich immer wieder Kassen zusammen.

Zur Auswahl stehen Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK), Innungskrankenkassen (IKK), Ersatzkassen (zum Beispiel Barmer oder DAK) sowie die Betriebskrankenkassen großer und mittlerer Unternehmen (BKK). Sie stellen in der Summe die Mehrheit dar. Zu unterscheiden ist jedoch zwischen betriebsbezogenen Kassen und solchen, die auch Betriebsfremden offenstehen. Beitragsunterschiede.



Wer es sich bei der Wahl einer gesetzlichen Krankenversicherung einfach machen will, der wählt die Kasse mit den geringsten Beiträgen. Seit einer Gesetzesänderung vor gut drei Jahren gibt es teils erhebliche Unterschiede bei den Beiträgen. Damals hat der Gesetzgeber die Finanzierung der Kassen neu geregelt: Der Beitragssatz wurde auf 14,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen gesenkt.

Je nach Kasse fallen jedoch Zusatzbeiträge an. Diese berechnen die Kassen stets zum Jahreswechsel anhand der erwarteten Kosten und des künftigen Finanzbedarfs neu. Früher haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Krankenversicherungsbeitrag geteilt. Seit der Gesetzesänderung ist der Anteil des Arbeitgebers auf 7,3 Prozent gedeckelt. Die etwaigen Zusatzbeiträge zahlen also allein die Arbeitnehmer.

Eine Kasse, die in einem Jahr noch als günstig galt, muss im folgenden Jahr womöglich spürbar aufschlagen. In der jüngsten Runde Ende 2017 war die Entwicklung aus Kundensicht eher unspektakulär. Nur wenige Krankenkassen erhöhten ihre Beiträge, etliche senkten sie sogar.

Auch das ist schließlich möglich und sollte von Interessenten bedacht werden. Zugute kam den Kassen dabei auch die zähe Regierungsbildung zu dieser Zeit. Es gab keine neuen Gesetze, die das Gesundheitswesen finanziell belastet hätten. Beim nächsten Jahreswechsel könnte das schon wieder anderes aussehen.



Im Jahr 2018 gibt es nur eine einzige Kasse, die ohne Zusatzbeitrag auskommt: die Metzinger BKK. Dies zeigt eine Übersicht auf dem Portal www.krankenkassen.net. Gewichtet nach den unterschiedlichen Größen und Mitgliederzahlen der Kassen liegt der Beitragssatz derzeit im Schnitt bei 15,68 Prozent.

Die günstigste deutschlandweit wählbare Krankenkasse ist die HKK in Bremen mit einem Beitragssatz von 15,19 Prozent. Der Zusatzbeitrag für die rund 570.000 dort Versicherten liegt also nur bei 0,59 Prozent. Die teuersten Kassen sind Securvita BKK, Viactiv Krankenkasse und Merck BKK. Dort müssen Versicherte 1,7 Prozent Zusatzbeitrag zahlen.

Begrenzte Verfügbarkeit

Theoretisch kann man seine Krankenkasse frei wählen, praktisch nehmen aber nicht alle Kassen alle Bürger auf. Die angesprochene Metzinger BKK wäre mit ihren sehr günstigen Konditionen sicherlich für viele Menschen interessant. Wie bei anderen kleinen Kassen ist das Angebot aber regional begrenzt. Die Kassen stehen deshalb nur Menschen aus dem jeweiligen Geschäftsgebiet oder Bundesland offen.

Begründet wird das mit der oft gewünschten Nähe der Kasse zu ihren Kunden. Wichtige Auswahlkriterien GKV Neben den Kosten für den Beitrag sollten interessierte Kunden bei ihrer Wahl auch die einzelnen Zusatzleistungen berücksichtigen.



Sie sind so unterschiedlich wie die Krankheiten, Leiden und Gebrechen, mit denen die Versicherten zu kämpfen haben. Manch einer legt hier Wert auf alternative Heilmethoden, andere möchten die Beweglichkeit ihres Körpers mithilfe von Osteopathie unterstützen oder wünschen sich einen Zuschuss zur professionellen Zahnreinigung.

Die Kassen ergänzen immer wieder neue Leistungen, so dass mittlerweile auch die künstliche Befruchtung übernommen wird. Zum Teil erhalten die Versicherten am Ende des Jahres auch eine Beitragsrückzahlung, wenn sie den Besuch im Fitnessstudio nachweisen.

Ablauf des Kassenwechsels

Beim Wechsel gibt es zwei unterschiedliche Fristen zu beachten. Wer als Kassenpatient im folgenden Jahr einen höheren Zusatzbeitrag leisten muss, der hat bis zum 31. Januar ein verkürztes Sonderkündigungsrecht. Ansonsten beträgt die Kündigungsfrist zwei Monate.

Regelmäßig vergleichen

Der Krankenkassenmarkt ist sehr umkämpft. Die Anbieter unterscheiden sich insbesondere über die Zusatzbeiträge und die Zusatzleistungen, die sie über das Normalmaß hinaus bieten. Preise und Leistungen sind dabei ständig im Fluss, so dass es sich aus Kundensicht empfiehlt, zum Jahreswechsel einen kritischen Blick auf beides zu werfen.


Wichtige Auswahlkriterien PKV

Die Entscheidungsfindung ist bei PKV-Tarifen generell komplexer als bei der GKV. Das liegt unter anderem daran, dass die Höhe des Beitrags vom Leistungskatalog abhängt, den sich jeder Versicherte individuell zusammenstellen kann. Optionale Zusatzleistungen wie Einzelzimmer, Chefarztbehandlung oder die Anwendung von Naturheilverfahren kosten auch zusätzlich.

Zudem ist das Alter entscheidend, in dem der Vertrag abgeschlossen wird. Grundsätzlich steigen die Beiträge mit höherem Lebensalter, ist doch die Wahrscheinlichkeit einer schweren und damit für die Kasse kostspieligen Erkrankung höher.

Auch die Berufsgruppe sowie mögliche Vorerkrankungen spielen für die Einstufung eine große Rolle. Der Kunde muss sich also nicht nur für einen Versicherer entscheiden, sondern auch für einen bestimmten Tarif. Aussagen dazu, ob ein Versicherer generell besonders teuer oder günstig ist, lassen sich nur schwer treffen. Hier geht's zum Private-Krankenkassen-Vergleich.

Berufsgruppen mit Sonderregeln



Beamte sind in den allermeisten Fällen privat versichert. Das liegt an der großzügigen Unterstützung durch ihren Dienstherrn im Krankheitsfall. 50 bis zu 80 Prozent der Kosten werden durch die sogenannte Beihilfe übernommen.

Anders als bei der GKV muss der Privatversicherte gewöhnlich die Rechnung des Arztes begleichen und sich dann die jeweilige Erstattung wieder bei der Krankenversicherung und der Beihilfe holen. Moderne Apps erleichtern hier zwar den Papierkram, trotzdem müssen Privatversicherte mit mehr Büroarbeit rechnen als gesetzlich Versicherte.

Beitragsentwicklung

Grundsätzlich sind PKV-Beiträge in jungen Jahren moderat und steigen dann mit zunehmendem Lebensalter an. Wer sich mit dem Gedanken trägt, in eine Privatversicherung zu wechseln, der sollte das in der Regel im Alter zwischen 30 und 40 Jahren tun. Je früher, desto günstiger.

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Anschließend muss er zum Ende jedes Jahres mit einer Beitragserhöhung rechnen. Ende 2017 beispielsweise bekam ein Drittel aller 8,7 Millionen Privatversicherten entsprechende Post. Es gab auch schon Jahre, in denen zwei Drittel betroffen waren.

Ursache der Preisanstiege

Hinter den teils hohen Beitragssteigerungen steckt eine Vorgabe, die die Politik einst der Branche gemacht hat. Demnach dürfen Beiträge nur dann erhöht werden, wenn die Versicherungsleistungen in einem Tarif nachweislich um mindestens zehn Prozent über der ursprünglichen Kalkulation liegen. Darüber entscheidet ein unabhängiger Treuhänder.

So kann es passieren, dass ein Kunde ein oder mehrere Jahre lang keine Beitragserhöhungen erhält, weil die Preissteigerungen unter dieser Schwelle lagen und nicht weitergegeben wurden. Dann aber wird es für Versicherte schmerzhaft, weil plötzlich der aufgestaute Preisanstieg mehrerer Jahre weitergegeben wird. In Einzelfällen drohen Erhöhungen um bis zu 25 Prozent.

Schutz vor Beitragssteigerungen

Immer mehr Versicherer bieten sogenannte Beitragsentlastungstarife an. Der Grundgedanke dabei: Die Versicherten zahlen in jungen Jahren mehr, um dann im Alter weniger zahlen zu müssen. Dabei gibt es unterschiedliche Varianten. Am geläufigsten ist die, einfach einen höheren Monatsbeitrag zu zahlen. Aber auch eine hohe Einmalzahlung ist möglich.



Eine andere Möglichkeit, die Vermittler wählen, wenn die Beiträge zu sehr steigen, ist die Herausnahme von Leistungen aus einem Vertrag. Die müsste der Versicherte dann künftig selbst übernehmen. Auf manches könnte man da wohl verzichten, beispielsweise auf ein Einzelzimmer im Krankenhaus.

Gerne schlagen Versicherer auch den Wechsel in einen anderen Tarif vor. Der kann den gleichen Versicherungsschutz bieten, aber auch eine abgespeckte Form mit weniger Leistungen. Auch die Erhöhung des Eigenanteils kann eine Alternative sein.

Finanzielle Not

Wer in finanzielle Schwierigkeiten gerät und sich nur noch das Allernötigste leisten kann, kann zwei gesetzlich verankerte Sozialtarife nutzen, die jede private Kasse anbieten muss. Mittlerweile nutzen einige Zehntausend Versicherte im Land diese Möglichkeit.

Wechsel des Versicherers

Das sollte der Versicherte eher nicht tun. Zum einen kann so nur ein Teil des angesparten Geldes aus der Altersrückstellung mitgenommen werden. Die bildet jeder Versicherte über die Jahre mit seinen Beiträgen. Zum anderen droht in der Regel eine weitere Gesundheitsprüfung, die in der Regel mit Arztbesuchen, Attesten und viel Schreibarbeit zusammenhängt.