Daniel Donskoy über 'Alles dichtmachen': Gegen den Lynchmob in den sozialen Medien

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Wer wissen will, wie gespalten Deutschland über Corona ist, braucht sich nur die Reaktionen auf die Aktion von 53 Stars anschauen, die mit sarkastisch-ironischen Videos die Politik der Bundesregierung kritisierten. Seit Tagen wird auf die Teilnehmer eingeprügelt. Auch Daniel Donskoy (31) sieht die Kampagne kritisch — hinterfragt aber auch die heftige Reaktion, die bis zur Forderung von Berufsverboten geht.

"Kritik an der Regierung ist gerechtfertigt"

"Ich verstehe nach wie vor nicht die Intention der KollegInnen von #allesdichtmachen. Am Ende hat diese Kampagne nur eines gemacht, gespalten“, so der 'Tatort'-Star zu 'Bild'. "Kunst sollte dazu beitragen, Kontexte verständlich zu machen. Erst dann hat man provoziert, um einen Gedankenanstoß zu geben." Der Schauspieler weiß zu differenzieren: "Die Kritik, an dem, wie die Politik mit der Pandemie umgegangen ist, und damit, dass Leute verunsichert sind, ist 100 Prozent gerechtfertigt."

Daniel Donskoys Waffe ist Humor

Humor ist aber eher geeignet als Sarkasmus, glaubt Daniel Donskoy, der mit seiner Late-Night-Show 'Freitagnacht Jews' auch schon mal aneckt. Schließlich müssten die Leute aufgerüttelt werden: "Dazu zählt auch die Provokation. Ich gehe aber mit einer humoristischen Art und Weise an die Show ran, für die ich als Gastgeber und Creative Producer verantwortlich bin." Politisch unkorrekte Beiträge kritisiert auch er, wo immer sich die Gelegenheit bietet, doch die Gnadenlosigkeit, mit der zurzeit auf Menschen eingedroschen wird, schmeckt ihm nicht.

"Die Debatte, wie sie gerade geführt wird, muss ein bisschen vorsichtiger angefasst werden. Denn es kann nicht sein, dass jeder Mensch, der sich einen Fauxpas geleistet hat, danach in den sozialen Medien gelyncht wird." Zumal dann nicht, wenn sich Leute hinterher entschuldigen. Leider sind nicht alle so besonnen wie Daniel Donskoy.

Bild: Malte Ossowski/SVEN SIMON/picture-alliance/Cover Images