Damaskus: Israelische Luftwaffe attackiert syrisches Militärgelände

Israelisches Militär auf den Golanhöhen

Die israelische Luftwaffe hat nach Angaben Syriens eine Militäranlage angegriffen, die angeblich zur Herstellung von Chemiewaffen verwendet wird. Die syrische Armee teilte am Donnerstag mit, israelische Kampfflugzeuge hätten in der Nacht mehrere Raketen auf den Stützpunkt bei Masjaf abgefeuert und dabei zwei Menschen getötet. Auf dem Gelände sollen Chemiewaffen entwickelt worden sein.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, der Angriff auf das Gelände in den Bergen zwischen den Städten Hama und Tartus habe sich gegen eine Zweigstelle des Zentrums für Wissenschaftliche Studien und Forschung gerichtet, das auch von iranischen Militärexperten und Mitgliedern der libanesischen Hisbollah Miliz genutzt werde.

Auf dem Gelände sei ein riesiges Feuer in einem Lagerhaus für Raketen ausgebrochen, erklärte die oppositionsnahe Organisation mit Sitz in Großbritannien. Nach US-Angaben ist die Forschungseinrichtung an der Herstellung von Saringas beteiligt, das unter anderem laut UNO bei dem tödlichen Angriff von Chan Scheichun im April verwendet wurde.

Israelische Regierungsvertreter wollten sich am Donnerstag nicht zu dem Angriff äußern. Der frühere Chef des israelischen Militärgeheimdiensts Amos Jadlin sagte aber, auf dem attackierten Gelände würden "Chemiewaffen und Fassbomben hergestellt, die tausende syrische Zivilisten getötet haben". Er wollte nicht direkt bestätigen, dass Israel hinter dem Angriff steckt.

Auch der frühere israelische Sicherheitsberater Jaakow Amidror nannte die Anlage ein wichtiges Zentrum zur Entwicklung von Chemiewaffen. Es sei das erste Mal, dass eine offizielle syrische Militäranlage angegriffen worden sei und sich der Angriff nicht nur gegen ein Waffenlager, sondern gegen ein Forschungszentrum zur Entwicklung von Waffen gerichtet habe, sagte Amidror.

Die israelische Luftwaffe hatte in den vergangenen Jahren wiederholt Ziele in Syrien angegriffen. In der Regel geht Israel damit gegen iranische Waffenlieferungen an die libanesische Hisbollah-Miliz vor, die seit Jahren an der Seite der Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad kämpft. Meist bekennt sich die israelische Regierung nicht öffentlich zu den Angriffen.

Die syrische Regierung hatte im September 2013 unter internationalem Druck zugesagt, sämtliche Chemiewaffen außer Landes zu bringen und zu vernichten. Doch gibt es seitdem immer wieder Vorwürfe, die Regierungstruppen setzten Giftgas ein. Am Mittwoch machten UN-Ermittler die Armee auch für den tödlichen Angriff von Chan Scheichun verantwortlich.

Bei dem Angriff auf die von Rebellen kontrollierte Kleinstadt in Nordwestsyrien im April waren 87 Menschen getötet worden. Die USA bombardierten daraufhin als Vergeltung einen syrischen Militärflughafen. Die UN-Ermittler erklärten nun, es gebe umfassende Hinweise, dass die syrische Luftwaffe eine Bombe mit Sarin abgeworfen habe. Damaskus hatte immer bestritten, Giftgas eingesetzt zu haben.