Daimlers schlechtes Jahr 2017: 3 Dinge, die Investoren wissen müssen

Sven Vogel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Für Aktionäre des deutschen Premium-Autobauers Daimler (WKN:710000) ist das Jahr 2017 bisher ein Jahr zum Vergessen. Während der DAX deutlich über 10 % zulegte, tritt die Daimler-Aktie im Vergleich zum Jahresbeginn auf der Stelle. Abgesehen von der, zugegebenermaßen üppigen Dividende, bleibt den Aktionären bis kurz vor dem Weihnachtsfest also keine Rendite.

Bevor wir auf ein besseres 2018 hoffen, sollten wir uns aber noch einmal die drei wichtigsten Punkte aus dem Jahr 2017 zu Gemüte führen: Die nackten Zahlen, die wichtigsten Ereignisse im Jahr 2017 und was die Zukunft bringen könnte.

Die nackten Zahlen

Schaut man sich die nackten Zahlen der ersten drei Quartale an, dann kann man die verhaltene Entwicklung des Aktienkurses beinahe nicht glauben:

Kennzahl Q1–Q3 2017 Q1–Q3 2016 Veränderung
Verkaufte Einheiten 2,2 Mio. 2,0 Mio. +9,2 %
Umsatz 120,7 Mrd. Euro 112,3 Mrd. Euro +7,6 %
EBIT 11,2 Mrd. Euro 9,4 Mrd. Euro +18,7 %
EBIT-Marge 9,3 % 8,4 % +0,9 PP

Datenquelle: Unternehmensangaben, PP = Prozentpunkte

Grund für die dennoch schlechte Kursentwicklung seit Jahresbeginn dürften die anhaltenden Zweifel an den Diesel-Praktiken des Unternehmens und die unsicheren Zukunftsaussichten sein.

Elektromobilität, autonomes Fahren und neue Mobilitätskonzepte; all das sind Schlagworte, die den Automobilmarkt in der Zukunft deutlich durcheinanderwirbeln könnten. Daimler reagierte in diesem Jahr mit neuen Kooperationen, mit denen diese Zukunftsthemen angegangen werden sollen.

Das Jahr der Kooperationen

Aufhorchen lässt vor allem die verkündete Kooperation mit Bosch. Die süddeutschen Weltkonzerne haben es sich zum Ziel gesetzt, das vollautomatisierte und fahrerlose Fahren im urbanen Umfeld in der kommenden Dekade einzuführen. Schwerpunkt der Kooperation soll dabei die Entwicklung von Software und Algorithmen sein (siehe Q2 Bericht).

Daneben gründete Daimler mit dem amerikanischen Start-up und Mobilitätsdienstleiser Via ein Gemeinschaftsunternehmen. Via operiert mit seinem Mitfahrservice derzeit in drei amerikanischen Städten. Gemeinsam mit Daimler soll in London mit dem Eintritt in den europäischen Markt begonnen werden (siehe Q3 Bericht).

Ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen zum Aufbau eines flächendeckenden Ladeinfrastrukturnetzes wurde schon vor längerer Zeit mit Ford, VW und BMW gegründet. Diese Gesellschaft erwacht nun unter dem Namen Ionity zum Leben. Bis Ende 2017 sollen europaweit 20 Ladesäulen stehen. Bis 2020 soll das Netz auf 400 Ladestationen mit jeweils mehreren Ladepunkten anwachsen.

Das bringt die Zukunft

Auch ohne diese Kooperationen könnte die angekündigte Neuausrichtung die Unternehmensstruktur von Daimler in der Zukunft durcheinanderwirbeln.

Dieses Jahr wurde der Beschluss gefasst, erste Schritte zur Stärkung der divisionalen Struktur zu unternehmen. Konkret bedeutet dies die Ausgliederung der Bereiche Cars & Vans sowie Trucks & Buses als zwei rechtlich selbstständige Einheiten. Der Unternehmensbereich Financial Services ist bereits eine solche rechtlich eigenständige Einheit.

Die Ziele, die damit verfolgt werden, heißen derzeit noch: Fokussierung auf sich ändernde Markt- und Kundenanforderungen. Ausdrücklich wird betont, dass damit kein Effizienzprogramm verbunden ist und es derzeit keinerlei Pläne gibt, diese rechtlich selbstständigen Einheiten auch nur teilweise zu veräußern.

Aber auch ohne diese organisatorischen Veränderungen bleibt die Zukunft für Daimler und die gesamte Automobilbranche spannend und herausfordernd. Elektromobilität, autonomes Fahren, neue Mobilitätskonzepte und viele weitere Themen werden die etablierten Unternehmen vor große Herausforderungen stellen. Oder wie es Daimler selbst formuliert:

Vernetzt, autonom fahrend, als Teil eines Mobilitäts- oder Servicekonzepts und mit elektrischem Antrieb: So stellen wir uns die Fahrzeuge von morgen vor.

Daimler versucht sich diesen Herausforderungen durch neue Kooperationen zu stellen. Die Zukunft wird zeigen, ob das gelingt.

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Sven besitzt Aktien von BMW und Daimler. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Ford. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.

Motley Fool Deutschland 2017