Daimler: Zetsche im Kreuzfeuer

Matthias J. Kapfer
1 / 2
Daimler: Zetsche im Kreuzfeuer

Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht sich trotz Rekordergebnis auf der Hauptversammlung unter Beschuss von allen Seiten. Abgasaffäre, LKW-Kartell und schleppende E-Mobilität sind die Themen die die Aktionäre besonders beschäftigt. Aber auch die Frage: Was ist mit dem Aktienkurs los?

Der Autobauer Daimler lädt zur Hauptversammlung nach Berlin. Während Daimler-Chef Zetsche stolz das erfolgreichste Jahr der Konzerngeschichte präsentiert, bringen sich bereits die Aktionärsschützer in Stellung, um Zetsche sowie seine Vorstandskollegen und den Aufsichtsratsrat mit bohrenden Fragen zu Abgasaffäre, LKW-Kartell und Co zu stellen. Ebenfalls für viel Furore sorgte in den vergangen Wochen der Einstieg des Chinesischen Unternehmers Li Shufu, welcher lediglich einen Vertreter zur Hauptversammlung entsandte. Insgesamt viel Redebedarf, dem Aufsichtsratschef Manfred Bischoff mit einer begrenzten Redezeit von zehn Minuten entgegentritt, um möglichst viele zu Wort kommen zu lassen.

Klare Aussagen

Zetsche beginnt seine Rede mit einem Lob für den neuen Großaktionär Li Shufu. Erste Gespräche seien „sehr positiv“ verlaufen. Seine Expertise für den absatzstarken chinesischen Markt könne hilfreich sein, sowie sein Vorhaben sich langfristig zu engagieren. Neben der Verteidigung des Diesels sowie der Ablehnung von Fahrverboten sprach sich der Daimler-Chef für die Sicherheit von selbstfahrenden Autos aus – bei Daimler seien diese unteranderem „mehrfach gesichert“. Zum Thema E-Mobilität offenbarte er außerdem die leidende Profitabilität aufgrund der Elektroauto-Offensive. „Mehr Elektroautos sind gut für die CO2-Bilanz. Aber nicht so gut für unsere Konzern-Bilanz“, so Zetsche. Dennoch habe man den Schalter bei der E-Mobilität längst umgelegt – bis zum Jahr 2022 soll jedes Segment vom Kompaktwagen bis zum SUV elektrifiziert sein.

Was ist mit der Aktie los?

Winfried Mathes von der Deka Investment stellte zwar erfreulich fest, dass Daimler mehr verdiene als je zuvor, jedoch würden die Rekordzahlen verdecken, was die „eigentlichen Probleme [sind], vor denen Daimler und die deutsche Autoindustrie stehen“. Der Aktuelle Aktienkurs von um die 70 Euro ließ Mathes außerdem zur Frage bewegen, wo denn der Rekordstand beim Aktienkurs bleibe.

Und in der Tat befindet sich der Aktienkurs nicht auf Rekordniveau. Nachdem die Aktie Anfang des Jahres noch die 75 Euro-Marke erreichen konnte, sackten in den darauffolgenden Wochen die Papiere des Autobauers um bis zu 10 Euro ab. Dennoch konnte die Aktie die wichtige Marke von 65 Euro halten und befindet sich seit Ende März wieder in Richtung 70 Euro. Trotz der eher schleppenden Kursentwicklung können sich Daimler-Aktionäre über die Ausschüttung von 3,65 Euro je Aktie (5,2 Prozent Dividendenrendite) freuen – damit ist der Autobauer Dividendenkönig im DAX.
Gefolgt von einem weiter anhaltenden positiven Newsflow sowie weiteren Impulsen in Sachen E-Mobilität könnte es Daimler gelingen an das alte Jahreshoch anzuknüpfen. Investierte Anleger bleiben an Bord.