Daimler macht trotz Dieselkrise fast elf Milliarden Euro Gewinn

Nach dem Rekordabsatz 2017 legt auch der Gewinn deutlich zu. Unangenehme Fragen zum Diesel an Daimler-Chef Zetsche bleiben.

Dank neuen Bestwerten beim Absatz hat der Autobauer Daimler auch bei Umsatz und Ergebnis noch einmal deutlich zugelegt. In einem von Dieseldebatten und Kartellvorwürfen geprägten Jahr verbuchte der Stuttgarter Konzern 2017 einen Umsatz von 164,3 Milliarden Euro – sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Unterm Strich blieb ein auf die Aktionäre entfallender Gewinn von 10,9 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 23 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sei um 14 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 2016 hatte der Dax-Konzern allerdings einige Sonderbelastungen verbucht, so dass die Vergleichszahl niedrig war.

Trotz Rekordgewinn wurde die Pressekonferenz aber überschattet von den jüngsten Vorwürfen gegen den Konzern. Gemeinsam mit BMW und VW hatte Daimler die Lobbyorganisation EUGT finanziert, in deren Auftrag in den USA mehrere Affen über Stunden Dieselabgase einatmen mussten. Am Mittwoch hatte Daimler deswegen den verantwortlichen Leiter Umweltschutz, Udo Hartmann, freigestellt.


„Solche Methoden stehen im Gegensatz zu unseren Werten bei Daimler“, betonte Zetsche bei der Präsentation der Zahlen und versprach, die Vorgänge lückenlos aufzuklären. Er bedauere den Sachverhalt umso mehr, da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Daimler eigentlich genug Gründe hätten, um stolz zu sein.

Doch der Skandal um Tierversuche ist nicht der einzige Wermutstropfen im Rekordjahr: Die Ebit-Marge im Pkw-Geschäft sackte um einen Prozentpunkt auf 9,7 Prozent ab, so dass auch im Gesamtjahr die begehrte Schwelle von zehn Prozent nicht erreicht werden konnte. Die Daimler-Papiere notierten vorbörslich 1,3 Prozent im Minus.

Daimler-Finanzchef Bodo Uebber äußerte sich dennoch zufrieden: „Wir haben unseren Trend vom profitablen Wachstum fortgesetzt und erneut Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Ergebnis erzielt“. Die Dividende soll auf 3,65 Euro je Aktie von 3,25 Euro im Jahr zuvor steigen. Auch 130.000 Tarifmitarbeiter sollen am Gewinn beteiligt werden und einen Bonus von 5700 Euro kassieren.

Die guten Daimler-Zahlen haben mehrere Gründe. Zum einen profitiert der Konzern von den weiter steigenden Absätzen der Autotochter. Die Mercedes Car-Group hat im vergangenen Jahr ihren Absatz um rund zehn Prozent gesteigert und wächst damit doppelt so schnell wie der Erzrivale BMW.


Lagen die Stuttgarter 2012 noch hinter den Rivalen aus München und Ingolstadt, so ist die Marke Mercedes jetzt mit 2,2 Millionen verkauften Autos 200.000 Einheiten vor BMW und 400.000 Stück vor Audi.

Treiber sind vor allem die Verkäufe in China, aber auch die neu eingeführte E-Klasse und die Geländewagen. Auch die von Martin Daum übernommene Trucksparte konnte 2017 dank der gut laufenden Konjunktur in Europa wieder kräftig zulegen. Hinzu kommt ein Steuergeschenk von US-Präsident Donald Trump: Dessen Steuerreform beschert Daimler für das Jahr 2017 einen Buchgewinn von rund einer Milliarde Dollar.

Die guten Zahlen will Daimler für zusätzliche Investitionen nutzen. So sollen alleine in die deutschen Standorte in den kommenden sieben Jahren rund 35 Milliarden Euro fließen, vor allem um die Werke für die Einführung der neuen Elektromodelle zu rüsten.

Auch die Forschungs- und Entwicklungsausgaben werden nach den Worten von Finanzchef Uebber in den kommenden Jahren auf über sieben Prozent steigen, zuletzt lag der Wert bei 6,4 Prozent. Daimler will bis 2022 zehn vollelektrische Modelle auf den Markt bringen, den Anfang macht der in Bremen produzierte Geländewagen „EQC“, der 2019 kommen soll.


Zudem wollen Konzernchef Dieter Zetsche und Finanzchef Uebber die guten Zeiten nutzen, um Daimler eine neue Struktur zu verpassen. Zur Zeit wird die Einführung einer Holdingstruktur geprüft, die der Hauptversammlung 2019 zur Abstimmung vorgelegt werden soll. Unter einer Muttergesellschaft sollen dann die Töchter Auto, Nutzfahrzeuge, Finanzen und Dienstleistungen als rechtlich eigenständige Gesellschaften angesiedelt werden. Diese Struktur würde beispielsweise Teilbörsengänge ermöglichen, wie sie von Investoren schon länger gefordert werden.

Um Ängste vor Abspaltungen und Verkäufe unter den Mitarbeitern zu zerstreuen, werden solche Schritte derzeit von Zetsche aber vorläufig ausgeschlossen. Zudem sprach er Ende 2017 eine Jobgarantie für alle deutschen Daimler-Beschäftigten bis 2030 aus.