Daimler im Überblick: Kennzahlen, die Investoren wissen müssen

Matt Koppenheffer, Motley Fool Senior Investmentanalyst

In den letzten zwei Jahren ist die Daimler (WKN:710000) Aktie um 15,2 % gestiegen. Aber das ist wohl weniger interessant für Investoren, als das was kommt und ob man eine Investition in Daimler in Betracht ziehen sollte. Eine Unternehmensanalyse könnte dabei helfen, diese Frage zu beantworten.

Für mich gibt es als Überblick zwei wichtige Teile einer Unternehmensanalyse. Es gibt eine Analyse der weichen, qualitativen Faktoren neben einer Analyse der Zahlen und Kennzahlen.

Diese beiden Analysen sind ziemlich unterschiedlich, aber sie sind beide sehr wichtig. Die qualitativen Eigenschaften kann man ohne Betrachten der Kennzahlen nicht sehr gut bewerten, und andersherum genauso.

Heute werden wir einen Blick auf Daimler werfen und uns auf die Kennzahlen fokussieren. Insbesondere werden wir auf die folgenden Arten von Kennzahlen schauen:

  1. Wachstumskennzahlen
  2. Profitabilitätskennzahlen
  3. Schuldenkennzahlen

Wachstumskennzahlen von Daimler

Wir feiern das Wachstum von Unternehmen in die wir investieren, da ein wachsendes Unternehmen im Laufe der Zeit riesige Werte aufbauen kann. Recherchen der Credit Suisse haben Umsatzwachstum als den „wichtigsten Treiber des Wertes eines Unternehmens“ identifiziert.

Hier sind die aktuellen Werte der Wachstumskennzahlen von Daimler:

1-Jahr 3-Jahre (pro Jahr) 5-Jahre (pro Jahr)
Umsatzwachstum 5,9 % 8,6 % 7,3 %
Gewinnwachstum 15,7 % 8,1 % 10,8 %
Wachstum Unternehmenswert 14,7 % 11,6 % 8,4 %

Und hier ist eine weitere Perspektive, mit einem Blick auf die einzelnen Ergebnisse der letzten fünf Jahre, im Gegensatz zu den durchschnittlichen Werten von oben:

2013 2014 2015 2016 Letzte 12 Monate (J/J)
Umsatzwachstum 3,2 % 10,1 % 15,1 % 2,5 % 5,9 %
Gewinnwachstum 6,4 % 1,8 % 21,0 % 1,2 % 15,7 %
Wachstum Unternehmenswert 12,6 % 2,3 % 22,7 % 8,2 % 14,7 %

Und warum nutze ich genau diese Kennzahlen? Nach dem oben erwähnten Zitat von Credit Suisse sollte es beim Umsatzwachstum klar sein. Doch einfach gesagt ist das Wachstum des Gewinns eines Unternehmens noch wichtiger.

Denn außer wenn ein Unternehmen noch sehr jung ist, sehen wir es gerne, wenn die Gewinne mindestens so schnell wie der Umsatz wachsen, wenn nicht sogar noch schneller. Wenn wir Umsatzwachstum ohne gutes Wachstum bei den Gewinnen sehen, könnte das ein Grund zur Sorge sein.

Und auch der Unternehmenswert kann uns eine weitere Perspektive auf das Wachstum geben. Während ein Unternehmen im Laufe der Zeit Gewinne kassiert und die Zinseszins-Wirkung dieser Gewinne erfährt, sollte der Unternehmenswert eben auch wachsen. Investoren müssen es einfach beachten, wenn ein Unternehmen Dividenden bezahlt oder regelmäßige Aktienrückkäufe tätigt. Diese beiden Dinge können oft gut für Investoren sein, sie können das Wachstum des Unternehmenswerts jedoch auch verlangsamen. Die Aktie von Daimler zum Beispiel hat eine Dividendenrendite von 4,4 %, was Auswirkungen auf das Wachstum des Unternehmenswerts hat.

Profitabilitätskennzahlen von Daimler

Wachstum ist hilfreich für uns, insoweit es uns Investoren auch Gewinne bringt – heute, oder bei einigen schnell wachsenden Unternehmen vielleicht auch später.

Es gibt nicht die eine beste Kennzahl, wenn es um das Maß der Profitabilität geht. Was die eine zeigt, könnte von einer anderen noch besser erklärt oder sogar negiert werden. Daher ist es ideal, wenn man sich ein paar dieser Kennzahlen anschaut. Die drei, die ich für Daimler am liebsten betrachte, sind unten gezeigt.

1-Jahr 3-Jahre (durchschnittlich) 5-Jahre (durchschnittlich)
Eigenkaptialrendite 16,7 % 16,5 % 18,0 %
Operative Marge 8,1 % 8,1 % 7,5 %
Gewinnmarge 5,9 % 5,5 % 5,8 %

Und wie bei den Wachstumskennzahlen hier ein weiterer Blick mit den einzelnen Ergebnissen der letzten fünf Jahre:

2013 2014 2015 2016 Letzte 12 Monate (J/J)
Eigenkapitalrendite 21,1 % 16,6 % 17,6 % 15,4 % 16,7 %
Operative Marge 6,5 % 7,2 % 8,5 % 8,3 % 8,1 %
Gewinnmarge 5,8 % 5,4 % 5,6 % 5,6 % 5,9 %

Die operative Marge und die Nettogewinnmarge helfen uns zu verstehen, wie profitabel das Geschäft ist. Oder anders gesagt, wieviel Cent Gewinn uns jeder Euro Umsatz bringt. Natürlich gilt hier für beide: je höher, desto besser. Die Eigenkapitalrendite erlaubt uns hingegen eine Perspektive darauf, wie effizient das Unternehmen mit seinem Kapital ist.

Schuldenkennzahlen von Daimler

Sogar wenn wir ein Unternehmen finden das profitabel wächst, müssen wir noch die Risiken beachten. Und eine hohe Schuldenlast könnte uns einen guten Grund liefern, ein Unternehmen zu meiden.

Der absolute Wert aller Schulden ist nicht so hilfreich für uns, da ein Unternehmen mit einem Gesamtwert von 10 Milliarden Euro eine gute Menge mehr Schulden handhaben kann als ein Unternehmen mit einem Gesamtwert von 10 Millionen Euro.

In meinen Analysen konzentriere ich mich zunächst auf zwei Schuldenkennzahlen. Die Schulden im Vergleich zum Unternehmenswert zeigen uns, wie groß die Schulden im Vergleich zur Unternehmensgröße sind. Zusätzlich werfe ich einen Blick auf das Verhältnis von EBITDA zu den Zinsen. Das EBITDA ist eine quasi-Messung des Cashflows und der Vergleich zu den Zinsen gibt uns eine Idee davon, ob das Unternehmen die Zinszahlungen handhaben kann.

Da die durchschnittlichen Werte uns an dieser Stelle nicht wirklich weiterhelfen, betrachten wir dieses Mal nur die einzelnen Werte der letzten Jahre.

2013 2014 2015 2016 Letzte 12 Monate (J/J)
Schulden / Unternehmenswert 179,3 % 194,4 % 185,2 % 199,0 % 197,5 %
EBITDA / Zinsen 20,8 36,6 55,5 53,8 48,7

Was ist dabei nun „gut“ oder „nicht so gut“? Natürlich hängt das vom Unternehmen ab, aber meine Faustregel ist, dass mich ein Verhältnis von Schulden zu Unternehmenswert von über 100 % beunruhigt, während ein Verhältnis von EBITDA zu Zinsen von weniger als fünf nicht ideal ist (obwohl ich mir meist erst bei Werten von unter drei größere Sorgen mache).

Und wie bei allen Kennzeichnen ist auch die Richtung wichtig. Wenn die Verhältnisse sich im Laufe der Jahre verbessern, ist das weniger beunruhigend als wenn sie schlimm aussehen und sich nicht verbessern oder wenn sie sich verschlechtern.

Was jetzt?

Ich habe mich auf ein paar wenige Kennzahlen pro Kategorie fokussiert. Das kann ein guter Anfang für uns sein. Aber ein paar Kennzahlen können uns nur ein bestimmtes Stück näher an das Ziel bringen. Für jede Kategorie ist es also wichtig, nach dem „warum?“ und „ja und?“ zu fragen.

Ersteres, da diese Kennzahlen meist nur ein Anfang davon sind, die Unternehmen besser zu verstehen. Wie oben diskutiert brauchen wir ein Verständnis sowohl für die Zahlen und Kennzahlen, als auch für das Unternehmen selbst und seine qualitativen Eigenschaften. Wenn wir zum Beispiel eine hohe Profitabilität sehen, könnte uns das zu guten Fragen zu dem Geschäft führen — und wenn wir uns diese stellen auch zu einem besseren Verständnis des Unternehmens.

Und „ja und?“ sollten wir fragen, da die Kennzahlen von Natur aus nur die Vergangenheit beleuchten. Aber obwohl wir nicht in die Vergangenheit investieren können, können diese Kennzahlen uns helfen, die Zukunft besser zu prognostizieren. Also sollten wir sie heranziehen und mit ihnen versuchen vorherzusagen, was als nächstes passieren wird.

Weitere Werkzeuge für deine Recherchen

Wir bei The Motley Fool haben einige Sonderberichte geschrieben, die Investoren helfen können, die Zahlen und Kennzahlen eines Unternehmens besser zu verstehen.

Unser Bilanzkennzahlen-Bericht behandelt umfangreich 15 Bilanzkennzahlen einschließlich Erklärungen, die Investoren helfen können, den Zustand einer Unternehmensbilanz besser zu analysieren.

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Matt besitzt Aktien von Daimler. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

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