Cyber-Attacke kostet Reckitt Benckiser Umsatz - Prognose gesenkt

dpa-AFX

LONDON (dpa-AFX) - Die jüngste Cyberattacke auf Unternehmen und Behörden Ende Juni trifft den Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser hart: Er rechnet im zweiten Quartal mit sinkenden Umsätzen und musste auch die Prognose für das laufende Geschäftsjahr senken, wie aus einer Mitteilung vom Donnerstag hervorgeht.

Das Unternehmen erwartet für das zweite Quartal daher nach vorläufigen Berechnungen einen organischen Umsatzrückgang von zwei Prozent. Die Folgen der Cyber-Attacke herausgerechnet, geht Reckitt Benckiser von einer Stagnation aus. Einige der in dieser Zeit verlorenen Umsätze könnten jedoch in den drei darauf folgenden Monaten verbucht werden.

Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern, der für Marken wie Sagrotan, Vanish, Durex oder Scholl bekannt ist, noch mit einer Umsatzsteigerung aus eigener Kraft um rund zwei Prozent. Bisher hatte das Management ein Plus von drei Prozent angepeilt. Das organische Wachstum klammert Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen aus.

Die Cyber-Attacke habe Produktion und Auslieferung zum Teil unterbrochen, hieß es. Einige Werke könnten derzeit immer noch nicht unter voller Last arbeiten. Zudem kann Reckitt Benckiser nach eigenen Angaben für einige Aufträge keine Rechnungen stellen. Das Unternehmen komme aber beim Wiederherstellen seiner Systeme voran.

Im Juni sei habe es zudem zu weniger Aufträge aus Indien gegeben, was im Zusammenhang mit der Einführung einer neuen Mehrwertsteuer in dem Land stehe. Die Auswirkungen seien jedoch deutlich geringer als die der Cyber-Attacke.

Der Angriff auf viele IT-Systeme hatte Ende Juni eine ganze Reihe von Unternehmen und Behörden in Europa teilweise lahmgelegt. Aus Deutschland ist der Reckitt-Benckiser-Konkurrent Beiersdorf betroffen. Auch der Nivea-Hersteller arbeitet derzeit die letzten Auswirkungen ab. Die Produktion sei weltweit in den Werken wieder angelaufen, aber mancherorts noch nicht wieder auf Spitzenlast hochgefahren, berichtete eine Beiersdorf-Sprecherin am Mittwoch in Hamburg. Auch am Standort in der Hansestadt werde wieder produziert. Den wirtschaftlichen Schaden hat der Konzern noch nicht beziffert. Das Magazin "Stern" schrieb von Millionenschäden.