CSD-Empfang im Gürzenich: Bundesanwalt Manfred Bruns mit „Kompassnadel“ geehrt

Der Jurist setzte sich jahrzehntelang für die Rechte Homosexueller Paare ein.

Jahrzehntelang hat Manfred Bruns, Bundesanwalt a. D., für die Rechte homosexueller Paare gekämpft. Und er war treibende Kraft, als es um die Abschaffung des Strafrechtsparagrafen 175 ging, der sexuelle Handlungen von Männern mit Jugendlichen unter 18 Jahren unter Strafe stellte. Das Schwule Netzwerk NRW hätte kaum jemanden finden können, der geeigneter gewesen wäre, mit der „Kompassnadel 2017“ geehrt zu werden - in einem Jahr, in dem der Bundestag die Rehabilitierung und Entschädigung von Männern, die seit 1945 nach dem jenem Paragrafen verurteilt wurden, und gerade erst die „Ehe für alle“ beschlossen hat.

Am Samstag nahm der 82-Jährige die Auszeichnung beim CSD-Empfang entgegen, den das Netzwerk zusammen mit der Aidshilfe NRW im Gürzenich veranstaltete. Bruns, der lange Sprecher des Lesben und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) war, sei „untrennbar verbunden mit all dem, was wir an Fortschritten in Richtung rechtliche Gleichstellung bisher erreicht haben“, sagte Steffen Schwab, Vorsitzender des Netzwerks, vor rund 700 Gästen, darunter Politiker wie Volker Beck und Claudia Roth (beide Grüne), die bereits mit der Kompassnadel ausgezeichnet wurden.

Marie Sichtermann vom Stiftungsrat der Arcus-Stiftung, die sich für schwule und lesbische Selbsthilfe engagiert, nannte Bruns in ihrer Laudatio einen „Aktivisten mit Sachkenntnis aufgrund von Erfahrung, hohem Fachwissen, Leidenschaft und Beharrlichkeit, dazu einem Sinn für Symbolik mit Witz und Herz.“

Bruns wurde wegen seiner Homosexualität im Beruf diskriminiert

Der ehemalige Bundesanwalt hat am eigenen Leib erfahren, was es heißt, in einer Zeit offen als Homosexueller zu leben, in der die Angst vor dem Verlust der bürgerlichen Existenz weitaus größer war als heute. „Ich habe die Einsicht, dass ich schwul bin, erfolgreich unterdrückt, weil Schwule damals von der Gesellschaft als Kriminelle und Asoziale ausgegrenzt wurden“, sagte er in seiner Dankesrede. In einem kleinen katholischen Ort aufgewachsen und seit 1961 verheiratet, outete er sich in den  1980er Jahren gegenüber seiner Frau und seinen drei Kindern. Als er auch den Generalbundesanwalt einweihte, entzog dieser ihm das Fachgebiet – Angelegenheiten des Staatsschutzes – mit der Begründung, er sei ein „Sicherheitsrisiko“, und der Bundesjustizminister ließ prüfen, ob ein Disziplinarverfahren nötig sei.

1985 brachte eine Boulevardzeitung die  Schlagzeile: „Bundesanwalt Manfred Bruns bekennt: Ich bin schwul.“  „Es gab damals ein Riesenaufsehen“, sagte er am Samstag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, „heute  kümmert das niemanden mehr“. Unbeirrt – und immer unterstützt von seiner Frau – ging Bruns, der in Karlsruhe lebt und seit 25 Jahren mit seinem Lebensgefährten zusammen ist, seinen Weg  weiter, nahm an zahlreichen Anhörungen im Bundestag und in Landtagen teil, wenn es um die Rechte von Homosexuellen ging, und verfasste „ungezählte juristische Stellungnahmen, Briefe, Schriftsätze und Texte“, wie er in der Dankesrede sagte. „Am wichtigsten war, dass wir trotz vieler Rückschläge und Enttäuschungen uns immer wieder aufgerappelt und weitergemacht haben.“  Bruns warnte davor, sich auf den Erfolgen auszuruhen, denn „die neue Rechte setzt sich vehement für ein Verbot der Sexualaufklärung an den Schulen ein und beschwört die angeblich heile Welt der fünfziger Jahre.“

Die  Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer des Paragrafen 175 sowie die Öffnung der Ehe für Homosexuelle seien „zwei wichtige, wenn nicht gar historische Meilensteine der Antidiskriminierung und Gleichberechtigung", sagte Arne Kayser, Vorsitzender der Aidshilfe NRW. Zugleich kritisierte er, dass von der Rehabilitierung alle Verurteilten ausgenommen sind, deren Sexualpartner unter 16 Jahren waren, obwohl die Schutzaltersgrenze bei Heterosexuellen  bei 14 Jahren liegt. Und zu den Umständen, unter denen das Parlament die "Ehe für alle“ beschlossen hat, merkte er an. „Ärgerlich, dass im Vorfeld der Abstimmung von ‚Gewissensentscheidung‘ und ,Liberalität‘ die Rede war, als wäre Gleichberechtigung nicht eine Frage der Gerechtigkeit. Die rechtliche Gleichstellung von Menschen muss in unserem Verfassungsstaat eine Selbstverständlichkeit sein.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta