CRISPR: Die Bedenken erweisen sich als falsch

Motley Fool Investmentanalyst

Du hast vielleicht letztes Jahr gedacht, dass sich der Vorhang für eine vielversprechende Gen-Editing-Therapie namens CRISPR-Cas9 schließt. Ein Artikel in Nature Methods vom Mai 2017 deutete darauf hin, dass CRISPR-Cas9 gravierende Nachteile haben könnte.
Die Nachrichten brachten die Aktien dreier auf CRISPR-Forschung und -Entwicklung spezialisierte Biotechs ‒ CRISPR Therapeutics (WKN:A2AT0Z), Editas Medicine (WKN:A2AC4K) und Intelllia Therapeutics (WKN:A2AG6H) ‒ zum Absturz. Im Laufe der Zeit erholten sich die Aktien jedoch wieder.
Dennoch, die potenziellen Probleme für CRISPR-Cas9, die in dem Artikel genannt wurden, tauchten als ein Problem auf, das die Biotechs irgendwie angehen mussten ‒ bis letzte Woche. Es stellt sich heraus, dass die Bedenken mit CRISPR-Cas9 viel Lärm um nichts waren.
Gründe zur Besorgnis
Worum ging es überhaupt? Lass uns zunächst klären, was CRISPR-Cas9 eigentlich ist.
CRISPR ist die Abkürzung für clustered regularly interspaced short palindromic repeats(gebündelt regelmäßig interspaced kurze palindromische Wiederholungen), während Cas9 für CRISPR-associated protein-9 steht. Bestimmte Bakterien nutzen das Enzym Cas9, um die DNA von angreifenden Viren zu verändern. Wissenschaftler, die diese Bakterien im Jahr 2012 untersuchten, entdeckten, dass CRISPR-Cas9 verwendet werden kann, um bestimmte Abschnitte der DNA in jedem lebenden Organismus zu bearbeiten.
Die Fähigkeit, DNA zu bearbeiten, war nicht neu. Andere Arten der Genbearbeitung wurden bereits entwickelt, wie die Zink-Finger-Nuklease(ZFN)-Technologie und ein ähnlicher Ansatz namens TALEN (Transkriptionsaktivator-ähnliche Effektor-Nuklease). CRISPR bot jedoch eine bessere, schnellere und kostengünstigere Alternative zu den älteren Methoden.
Aber etwas so Gutes musste doch einen Haken haben, oder? Das schien der Fall zu sein, als der Artikel in Nature Methods erschien. Die Forscher, die den Artikel geschrieben haben, sagten, dass CRISPR Hunderte von unbeabsichtigten Mutationen verursachen könnte. Tatsächlich hieß ihr Beitrag „Unerwartete Mutationen nach der Bearbeitung von CRISPR-Cas9 in vivo“.
Wären diese Ergebnisse korrekt, wäre CRISPR-Cas9 vielleicht schneller und billiger als ältere Gen-Editing-Ansätze, aber es wurden Zweifel an der vermeintlich besseren Technik laut. Die Wissenschaftler von CRISPR Therapeutics, Editas Medicine und Intellia Therapeutics bestritten die Befürchtungen des Artikels. Doch wenn solche Anschuldigen erst einmal aufgeworfen sind, verschwinden sie nicht wieder einfach so. Meine Kollegen Todd Campbell und Kristine Harjes erwähnten sogar den Artikel Nature Methods in einem Podcast im vergangenen Jahr als einen Grund, warum Investitionen in präklinische Biotechs gefährlich sein könnten.
Nach weiterer Prüfung …
Wie sich herausstellte, lagen die Wissenschaftler, die den Artikel geschrieben hatten, falsch, und die Wissenschaftler der Biotechs hatten recht. Das ursprüngliche Team, das den Artikel in Nature Methods geschrieben hat, hat letzte Woche ein Korrigendum (eine Fehlerkorrektur) auf bioRxiv (ausgesprochen „bioarchive“) veröffentlicht, einer Website, die Zugang zu Preprint-Versionen von Bio-Forschungspapieren bietet. Die ursprüngliche Onlineversion des ersten Artikels auf Nature Methods wurde zurückgezogen.
Die Wissenschaftler, die anfangs behaupteten, dass mit CRISPR Hunderte von unbeabsichtigten Mutationen auftreten könnten, erklärten nun, dass „die CRISPR-Cas9-Bearbeitung das Genom auf der Ebene des Organismus präzise bearbeiten kann und keine zahlreichen, unbeabsichtigten, nicht zielgerichteten Mutationen hervorrufen dürfte“. Ups…
Es gibt jedoch noch einige mögliche Probleme mit CRISPR-Cas9. Ein anderes Papier, das auf bioRxiv zu Beginn dieses Jahr bekannt gegeben wurde, meinte, dass viele Leute Immunreaktionen auf Cas9 haben könnten, was die Verwendung von CRISPR-Cas9 bei Menschen behindern könnte. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die beiden am häufigsten verwendeten Cas9-Enzyme von Bakterien stammen, die den Menschen schon lange infiziert haben.
Dieses Papier brachte die Aktien von CRISPR Therapeutics, Editas und Intellia ebenfalls zum Absturz. Doch wie schon zuvor erholten sich die Aktien, als bekannt wurde, dass es mehrere Möglichkeiten gab, die im Artikel aufgezeigten Probleme zu umgehen.
Investitionen in neue Technologien
Es gibt zwei Lektionen, die wir aus der Achterbahnfahrt lernen können, die CRISPR-orientierte Biotech-Aktien erlebt haben.
Erstens: Werd nicht jedes Mal nervös, wenn ein Problem mit einer neuen Technologie auftritt. Ob es ein mögliches Problem bei der Genbearbeitung oder ein unglücklicher Unfall mit einem selbstfahrenden Auto ist, der Himmel stürzt nicht unbedingt ein. Neue Technologien brauchen in der Regel eine Weile, um sich zu bewähren. (Übrigens, frühe Automobile ‒ mit menschlichen Fahrern ‒ hatten auch ihre Probleme und ihre Kritiker.)
Die zweite Lektion ist vielleicht die wichtigste: Beim Investieren geht es um das Risiko-Ertrags-Verhältnis. Das gilt für Investitionen in alles, aber es ist besonders relevant, wenn man in Aktien von Unternehmen investiert, die sich auf neue Technologien konzentrieren. Ja, der Kauf von Aktien eines Unternehmens wie CRISPR Therapeutics oder Editas Medicine ist riskant. Aber die Gewinne könnten auch enorm sein, wenn CRISPR-Cas9 hält, was es verspricht.
Ich habe Editas-Aktien vor einigen Monaten gekauft mit dem Wissen, dass jederzeit ein weiterer wissenschaftlicher Artikel veröffentlicht werden kann, der CRISPR-Cas9 überflüssig macht oder Hürden identifiziert, die zu steil sind, um sie zu überwinden. Aber ich kaufte die Aktie auch deshalb, weil ich glaube, dass CRISPR ein Game Changer für das Gesundheitswesen sein könnte. Es hat das Potenzial, viele genetische Krankheiten zu behandeln und sogar zu heilen. Es hat sogar das Potenzial, Krankheiten zu behandeln, die nicht genetisch bedingt sind.
Wenn du dich an vergangene „Katastrophen“ erinnerst, dann wirst du dich auch erinnern, dass der Himmel nicht eingestürzt ist. Normalerweise passiert das auch nicht in der realen Welt. Wenn man nach oben schaut, ist der Himmel nicht nur immer noch da ‒ er ist sogar blau. Meiner Meinung nach gibt es für CRISPR mehr blauen Himmel als Weltuntergangsstimmung.

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 The Motley Fool empfiehlt Editas Medicine.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 03.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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