Credit Suisse setzt sich ehrgeizige Renditeziele


Eigentlich läuft die Strategie von Tidjane Thiam noch bis ins kommende Jahr. Doch der Chef der Credit Suisse richtet schon jetzt den Blick in die Zukunft. Auf dem Investorentag in London gibt er heute neue Ziele für die Großbank aus. Die Kosten sollen weiter gesenkt, die Eigenkapitalrendite erhöht werden. Der Haken: Schon beim letzten Anlauf hatte sich die Bank ein ambitioniertes Renditeziel gesetzt – und es krachend verfehlt.

Trotzdem lautet Thiams Kernbotschaft auch diesmal: „Unsere Strategie funktioniert“. Der CS-Chef hatte die Bank stärker auf die Vermögensverwaltung ausgerichtet und per Kapitalerhöhung die Bilanz aufgepolstert. Jetzt sieht er die Bank auf gutem Weg – und ruft neue Ziele aus, die bis ins Jahr 2020 reichen. Dann sollen die Kosten zwischen 16,5 und 17 Milliarden Franken (15,15 und 15,6 Milliarden Euro) liegen. Um zu sparen, hatte sich die Bank bereits von tausenden Mitarbeitern getrennt. Ob weitere Jobstreichungen anstehen, um die Kosten weiter zu drücken, blieb am Donnerstagmorgen zunächst offen.

Management steht unter Druck

Dass Thiam bei jeder Gelegenheit den Erfolg seiner Strategie betont, hat Gründe. Denn das Management steht unter Druck. Der Hedgefonds RBR des aktivistischen Investors Rudolf Bohli hatte öffentlichkeitswirksam einen Gegenvorschlag präsentiert: Die Credit Suisse solle in drei Teile aufgespalten und das Investmentbanking als eigenständige Einheit an die Börse gebracht werden. Bohlis Vorschlägen werden in Zürich zwar geringe Chancen eingeräumt. Eine öffentliche Debatte um die richtige Aufstellung der Bank dürfte das Management aber vermeiden wollen. Da hilft es, wenn die Aktionäre die Treue halten: Ihnen stellte Thiam am Donnerstag in Aussicht, dass rund die Hälfte des Gewinns an sie ausgeschüttet werden soll.


Zudem will die Bank mit dem Abbau ihrer Altlasten schneller vorankommen und in der Vermögensverwaltung stärker wachsen. Dadurch soll das Institut insgesamt profitabler werden: 2020 soll die Eigenkapitalrendite (Return on Tangible Equity) zwischen 11 und 12 Prozent liegen.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Kosten konnte Thiam zwar senken, doch die Rentabilität ist mau: In den ersten neun Monaten lag die Eigenkapitalrendite bei gerademal 4,1 Prozent. Dabei hatte die Bank 2015 davon geträumt, sie bis 2018 auf 14 Prozent zu steigern. Davon ist nun keine Rede mehr, die neuen Ziele fallen weniger ambitioniert aus. Das Problem mit guten Vorsätzen ist, dass sie oft schwer einzuhalten sind.