Covid-19: Ist diese Studie der Durchbruch für Relief Therapeutics?

Henning Lindhoff, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
Biotech: Forscher mit Reaganzgläsern Corona-Impfstoff
Biotech: Forscher mit Reaganzgläsern Corona-Impfstoff

Neue Studien des Schweizer Pharmaunternehmens Relief Therapeutics (WKN: A1H80W) wecken zarte Hoffnungen auf wirksame Entzündungshemmer gegen Covid-19. Nach Veröffentlichung der entsprechenden Pressemitteilung vor einer Woche hüpfte der Aktienkurs kurzzeitig um 37 % nach oben. Aktuell notiert das Papier wieder bei 0,28 Schweizer Franken (Stand: 7. April 2021).

Bislang nur wenige Wirkstoffe gegen Covid-19

Während es bereits mehrere Impfstoffe gegen das Coronavirus gibt, konnten auf medikamentöser Basis in den vergangenen zwölf Monaten keine großen Therapie-Fortschritte verzeichnet werden. Immerhin stehen den Ärzten momentan drei Substanzklassen zur Verfügung: antivirale Wirkstoffe, entzündungshemmende Medikamente und monoklonale Antikörper.

Auf Letztere richteten Mediziner bisher ihren therapeutischen Fokus. Entzündungshemmer, darunter vor allem das Cortison-Präparat Dexamethason, brachten hingegen nur bei sehr schweren Corona-Verläufen Vorteile. Neue Hoffnung schenken nun die Resultate der Phase-2b/3-Studie von Relief Therapeutics aus Genf.

Signifikante Erfolgsquote

Gemeinsam mit dem US-amerikanischen Immunologie-Experten NeuroRX verabreichten die Schweizer 196 Probanden das Mittel Aviptadil, das üblicherweise zur Behandlung von Erektionsstörungen eingesetzt wird. Die Patienten wurden parallel mit einem Beatmungsgerät und der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) behandelt.

Die auf diese Weise mit dem Wirkstoff RLF-100 behandelten Covid-19-Patienten hatten laut Studie eine Chance von 71 %, bis zum 28. Tag nach Beginn der Behandlung zu genesen. Bei denen, die ein Placebo erhalten hatten, waren es lediglich 48 %. Nach 60 Tagen lag die Erfolgsquote mit 75 % noch etwas höher, gegenüber 55 % in der Placebo-Gruppe. Und schließlich war auch die Überlebensrate in spezialisierten Krankenhäusern nach 60 Tagen mit 84 % signifikant höher unter den Aviptadil-Patienten. Mit Placebo überlebten hingegen nur 60 %.

Zulassungsverfahren läuft

Relief Therapeutics und NeuroRX haben bereits im August 2020 die Notfallzulassung durch die US-Gesundheitsbehörde FDA beantragt. Ob diese die neuen Studienergebnisse als ausreichend ansieht oder zusätzliche Daten verlangen wird, sollte schätzungsweise bis Ende April bekannt werden.

Auf Biontechs Spuren?

Folgt Relief Therapeutics dank der neuen Studienergebnisse nun den bereits erfolgreichen Impfstoffherstellern wie Pfizer (WKN: 852009), Moderna (WKN: A2N9D9) und Johnson & Johnson (WKN: 853260)?

Sollte sich der Wirkstoff RLF-100 am Ende als wirksamer erweisen als das bereits von der FDA zugelassene Remdesivir aus dem Hause Gilead Sciences (WKN: 885823), könnte er einen bedeutenden Marktanteil gewinnen. Doch im Erfolgsfall müsste Relief Therapeutics einen weitaus größeren Vertriebspartner als NeuroRX an Bord holen und einen substanziellen Teil des Umsatzes abgeben.

Immerhin sollte aufgrund der sehr schlanken Unternehmensstruktur – Relief Therapeutics beschäftigt nach eigenen Angaben nur maximal 50 Mitarbeiter – eine Umsatzbeteiligung überwiegend als Gewinn ausgewiesen werden können.

Ich halte mich dennoch fern von der Holding

Sie erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2020 ein EBITDA von -1,2 Mio. Schweizer Franken. Unterm Strich wurde zwar ein operativer Gewinn von 10 Mio. Schweizer Franken ausgewiesen. Doch dieser kam allein durch die immaterielle Werterhöhung des neuen „Heilsbringers“ Aviptadil zustande. Der Free Cashflow ist seit Jahren negativ.

Auch die Bilanz macht einen schwachen Eindruck. Das Umlaufvermögen deckt die kurzfristigen Verbindlichkeiten lediglich zu 53 %.

Trotz gestiegener Chancen gegen Covid-19: Diese Aktie ist riskant

Relief Therapeutics ist kein gesundes Investment. Schließlich basiert der Aktienkurs nahezu einzig und allein auf der Hoffnung, dass der Entzündungshemmer RLF-100 schwerkranken Corona-Patienten helfen kann und die Zulassung erteilt wird.

Ich denke, Aktionäre müssen auch mit einem Totalausfall kalkulieren. Und sie sollten bedenken, dass die Papiere in den letzten Wochen bereits ordentlich zugelegt haben. Das Unternehmen wird an der Börse zurzeit mit 957 Mio. Schweizer Franken bewertet. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 103, das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 40. Angesichts ihrer starken Volatilität ist die Aktie aus meiner Sicht nicht viel mehr als ein Spielball für Trader.

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Henning Lindhoff besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Gilead Sciences und empfiehlt Johnson & Johnson und Moderna Inc.

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