Coronavirus: Formel-1-Auftakt ohne Ferrari und Co. wäre "unfair"

Ruben Zimmermann

Nach aktuellem Stand soll es mit Ausnahme des Großen Preises von China keine weiteren Verschiebungen von Formel-1-Rennen in diesem Jahr geben. Zu 100 Prozent sicher ist das angesichts der ungewissen Situation rund um das Coronavirus allerdings keinesfalls. In der MotoGP wurde beispielsweise der Saisonauftakt in Katar abgesagt, weil unter anderem Personen aus Italien aktuell nicht uneingeschränkt einreisen können.

Italien ist mit knapp 1.700 bestätigten Coronafällen eines der am meisten betroffenen Länder. Sollten Australien, Bahrain oder Vietnam ähnliche Einschränkungen einführen, könnte das für die Formel 1 zum Problem werden. "Wenn [einige] Teams aus welchem Grund auch immer nicht teilnehmen können, [...] dann wäre es meiner Meinung nach unfair, die Saison zu starten", so AlphaTauri-Teamchef Franz Tost.

Mit AlphaTauri und Ferrari gibt es im Formel-1-Feld zwei Teams mit Sitz in Italien. Für diese wäre eine Teilnahme an den Rennen bei einem Einreiseverbot unmöglich. "Es geht nicht nur um zwei [Teams]", erinnert Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. Denn Ferrari beliefert zusätzlich zum Werksteam auch noch Haas und Alfa Romeo mit Motoren, weshalb im Ernstfall "mindestens vier Teams" betroffen wären.

Ein Saisonstart mit nur zwölf Autos also? Möglicherweise nicht einmal das. Denn Binotto erinnert daran, dass Reifenhersteller Pirelli seine Basis ebenfalls in Italien hat - und deswegen auch unter möglichen Beschränkungen leiden würde. Und ohne Pneus wäre ein Saisonstart sowieso unmöglich. Tost erklärt, dass er sich darüber noch keine Gedanken gemacht habe und auch nicht zuständig sei.

Ein Saisonstart ohne einige Teams sei aber ein "großer Nachteil" für die Betroffenen. Daran glaubt Tost aber sowieso nicht. "Ich bin optimistisch, dass wir alle 22 Rennen haben werden, denn im November und Dezember haben wir eine Menge Zeit, in der wir Rennen fahren können - und auch im August", so der AlphaTauri-Teamchef. Denn aktuell wurde noch kein Rennen endgültig abgesagt.

Der Große Preis von China wurde bislang lediglich auf unbestimmte Zeit verschoben. Viele mögliche Nachholtermine gibt es allerdings nicht, wenn man die Sommerpause im August unangetastet lassen möchte. Für Tost wäre aber sowohl das als auch eine Verlängerung der Saison bis in den Dezember hinein eine Möglichkeit, doch noch alle 22 Rennen auszutragen.

Mit Bildmaterial von LAT.