Coronakrise: Kann die Square-Aktie diese Rezession überstehen?

Christoph Gössel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Mit fast 55 % Verlust seit ihrem Zwischenhoch von Mitte Februar zählt die Square (WKN: A143D6)-Aktie zu den größten Verlierern des Corona-Crashs. Kein Wunder: Das Unternehmen verdient sein Geld insbesondere als Zahlungsdienstleister und Anbieter finanzieller Mehrwertdienste für Einzelhändler. Der Einzelhandel ist einer der Hauptleidtragenden der aktuellen Situation, weshalb jeder Tag Quarantäne, Ausgehverbot und „soziale Distanzierung” für Square wegbrechende Einnahmen bedeutet.

Wie dramatisch ist die Situation? Müssen Square-Anleger nun mit dem Schlimmsten rechnen oder ist das aktuelle Kursniveau eine super Einstiegschance? Lass uns das mal untersuchen.

Die Risiken

Wie bereits gesagt, ist Square aufgrund seines auf den Einzelhandel fokussierten Geschäftsmodells besonders stark von den aktuellen Maßnahmen gegen die Verbreitung des neuartigen Coronavirus betroffen. Restaurants, Friseure und Modegeschäfte sind die typischen Kunden des Unternehmens – laut Cowen-Analyst George Mihalos könnten sie für über 40 % der Umsätze stehen. Brett Winton von Ark Invest denkt, dass ein substanzieller Teil dieser Geschäfte pleitegehen könnte, sollte die Regierung nicht einspringen.

Wenn diese vorübergehend nicht mehr öffnen können, dann gibt es für Square auch keine Umsätze aus elektronischen Zahlungen mehr. Das Unternehmen gab zudem bekannt, die Gebühren aus dem margenstarken Mehrwertdienstesegment (hierunter fällt unter anderem spezielle Software für Termine, Lohn- und Gehaltsmanagement, Marketing und Onlineshops) für den März zurückzuerstatten. Dieser kulante Schachzug dürfte zwar förderlich für Kundenzufriedenheit und -bindung sein und die betroffenen Betriebe finanziell leicht entlasten, kostet Square aber kurzfristig natürlich Geld.

Insgesamt kürzt Mihalos seine Umsatzerwartungen für das laufende Jahr um 12 %. Der Cashflow könnte sogar um 63 % schlechter ausfallen. Sollten die Social-Distancing-Maßnahmen länger andauern als erwartet, könnte das Unternehmen noch stärker getroffen werden.

Die Chancen

Möglicherweise kann Square die aktuelle Situation aber auch für sich nutzen: Über Square Capital vergibt das Unternehmen Kleinkredite an seine Kunden, die mit jeder eingehenden Zahlung automatisch abbezahlt werden. Square verkauft diese Forderungen an Drittinvestoren, sodass das Unternehmen nicht auf dem Kreditrisiko sitzen bleibt. Das Unternehmen könnte über diese Sparte Überbrückungsfinanzierungen an seine Kunden gewähren. Die Voraussetzung dafür wäre natürlich, dass sich Drittinvestoren finden, die Kredite von Einzelhändlern kaufen möchten, die auf unbestimmte Zeit geschlossen sind.

Zudem ist ein leicht übertragbares Virus natürlich Gift für die Bargeldnutzung – möglicherweise mit langfristigen Chancen für Square. Einerseits profitiert das Unternehmen über mehr elektronische Zahlungen bei Händlern, andererseits könnte auch das Wachstum der Cash App weiter zunehmen. Durch seine Software zur Aufsetzung eines Onlineshops würde Square zudem davon profitieren, wenn Geschäfte sich dazu entschließen, sich ein Standbein im Internet aufzubauen.

Mehr über Squares Strategie in der aktuellen Situation werden wir nächste Woche auf einer Investorenveranstaltung erfahren.

Die Finanzen

Square ist noch nicht verlässlich profitabel, was die Situation nicht wirklich besser macht. Allerdings hatte das Unternehmen Ende 2019 1,5 Mrd. Dollar Cash und kurzfristige Anlagen in der Bilanz; durch die Emission einer Wandelanleihe Anfang März stieg dieser Betrag auf 2,5 Mrd. an.

Das würde ausreichen, um die gesamten Overhead-Ausgaben Squares (also Produktentwicklung, Vertrieb, Verwaltung und Ähnliches) aus dem Jahr 2019 zu decken. Folglich könnte Square sogar mit null Umsätzen mehrere Monate von seinen Cash-Reserven leben. Dass es so weit kommt, ist jedoch ausgeschlossen, da zum einen nicht alle Kunden von Square geschlossen haben und zum anderen das Geschäft außerhalb der Zahlungsdienstleistungen normal weiterläuft.

Im Rahmen der Anleihenemission hat Square am 5. März einen neuen Jahresausblick veröffentlicht. Damals sah sich Square nur zu einer minimalen Anpassung gezwungen – von 90 bis 94 US-Cent je Aktie ging es auf 88 bis 92 Cent herab. Allerdings war die Pandemie vor zwei Wochen nicht ansatzweise so weit fortgeschritten wie heute: Der 5. März war auch der Tag, an dem US-Präsident Trump die offiziellen Zahlen der WHO aufgrund eines „Bauchgefühls“ für falsch erklärte. Die Läden hatten außerdem noch geöffnet.

Foolishes Fazit

Insgesamt scheint mir Square, vor allem dank der vor Kurzem durchgeführten Fremdkapitalerhöhung, in einer guten Position zu sein: Das Unternehmen besitzt genug Cash-Reserven, um harte Zeiten zu überstehen, die definitiv kommen werden. Allerdings sollten die weltweiten Shutdowns sich wie auch in China als sehr wirksam gegen das Coronavirus erweisen. Irgendwann wird Square also wieder zu seinem alten Geschäft zurückkehren können.

Langfristig dürften hauptsächlich positive Effekte bleiben: Die Kundenbindung dürfte infolge der Rückerstattung der Gebühren für die Mehrwertdienste steigen, zudem könnte die Nutzung von Bargeld zurückgehen und im Gegenzug der Onlinehandel nachhaltig beliebter werden.

Auch Cowen-Analyst Mihalos bleibt optimistisch: Trotz COVID-19-Auswirkungen erwartet er 2020 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 255 Mio. Dollar. In den zwei folgenden Jahren könnten diese Werte auf 580 Mio. und dann sogar auf 860 Mio. Dollar steigen. Insgesamt gute Aussichten – weshalb ich für meinen Teil die Kursschwäche wahrscheinlich für einen Nachkauf nutzen werde.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Square. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Square.

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