Corona-Wirtschaftskrise: Die Auswirkungen auf die Formel-1-Teams

Ruben Zimmermann

Die aktuelle Coronakrise ist auch eine Wirtschaftskrise. Weltweit stürzen die Börsen ab, Arbeitsplätze gehen verloren und viele Unternehmen kämpfen ums Überleben. Das trifft natürlich auch die Formel 1. Vor allem die kleineren Rennställe stehen vor schwierigen Zeiten, denn weil es in den kommenden Wochen und Monaten keine Rennen gibt, bleiben die Einnahmen aus.

GP von Mexico. (Photo by Melzer/ullstein bild via Getty Images)

Das beginnt zunächst einmal bei der Antrittsgebühr, die jeder Grand Prix zahlen muss. Im Schnitt kann man hier grob von 30 Millionen Euro pro Rennen ausgehen. Einige Überseerennen zahlen deutlich mehr, andere Traditionsrennen in Europa weniger. Dieses Geld steckt sich die Formel 1 nicht selbst in die Tasche, auch die zehn Teams bekommen einen Teil vom Kuchen ab.

Mit Australien, Bahrain, Vietnam, China, Zandvoort, Barcelona und Monaco wurden aktuell bereits sieben Rennen abgesagt beziehungsweise erst einmal verschoben. Das alleine sorgt - ausgehend von den 30 Millionen Euro pro Rennen - in der ersten Jahreshälfte für ein Minus von mehr als 200 Millionen Euro. Und momentan ist unklar, wie viele der Rennen 2020 noch nachgeholt werden können.

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Keine Einnahmen, Ausgaben bleiben

Außerdem bleiben aktuell auch an anderer Stelle Einnahmen aus. Denn die Einnahmen der FOM (beziehungsweise Rechteinhaber Liberty Media) setzen sich nicht nur aus den Renngebühren zusammen. Dazu kommen zum Beispiel Einnahmen aus dem teuren Paddock Club oder weitere Sponsorengelder. Auch da herrscht nun mindestens bis Juni Ebbe. Fraglich ist zudem, wie es bei den TV-Verträgen aussieht.

Denn auch abseits der FOM-Ausschüttungen bleiben die Einnahmen der Teams aktuell aus. Das betrifft zum Beispiel die individuellen Sponsoren. Hier gilt das gleiche wie bei den TV-Stationen: Gibt es weniger Rennen, wird wohl nicht der volle Betrag gezahlt. Einige Sponsoren zahlen ohnehin nur pro GP, weshalb Logos manchmal bei einem Rennen da und beim nächsten schon wieder weg sind.

Nach 2007 erwischte es drei Hersteller

Und es sind nicht nur die fehlenden Einnahmen, die den Teams zu schaffen machen. Denn obwohl aktuell kein Geld sprudelt, hat man laufende Kosten zu decken. Das betrifft zum Beispiel das Personal, die Weiterentwicklung des Autos und eigentlich auch schon die Entwicklung des neuen Boliden für 2021. Aus diesem Grund wurde das neue Reglement auch erst einmal auf 2022 verschoben.

Zumindest in dieser Hinsicht werden die Teams nun etwas entlastet, doch gerade für die kleineren Rennställe bleibt die Situation kritisch. Und auch die Lage der großen Hersteller darf man angesichts der schwierigen Weltwirtschaftslage nicht vernachlässigen. Dort ist im Hintergrund zwar mehr Kapital vorhanden, doch das werden die Autokonzerne vermutlich auch an anderer Stelle brauchen.

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Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie gravierend die Auswirkungen einer Wirtschaftskrise auf die Formel 1 sein können. Nach der letzten großen Finanzkrise ab 2007 zogen sich beispielsweise mit Honda, Toyota und BMW gleich drei große Hersteller komplett aus der Königsklasse zurück. Angesichts der unsicheren Situation ist unklar, ob dieses Mal alle Teams überleben werden.

Mit Bildmaterial von LAT.