Corona-Pandemie und Hunger treffen Brasilien hart

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RIO DE JANEIRO (dpa-AFX) - Inmitten der außer Kontrolle geratenen Corona-Pandemie in Brasilien ist der Hunger mit voller Wucht zurückgekehrt. 116,8 Millionen Brasilianer haben keinen vollständigen und dauerhaften Zugang zu Nahrung, 19 Millionen unter ihnen leiden Hunger, wie aus einer Studie des Brasilianischen Forschungsnetzwerks für Ernährungssicherheit (Rede PENSSAN) mit Daten vom Dezember hervorgeht. Damit sind mehr als 55 Prozent der Haushalte betroffen, ein Anstieg um 54 Prozent im Vergleich zu 2018. In der Corona-Pandemie überschritt das Land am Donnerstag die Marke von 400 000 Toten.

"Der Anstieg spiegelt die wirtschaftliche Krise in der Mittelklasse", sagt die Ernährungswissenschaftlerin von der Rede PENSSAN, Rosana Salles, der Deutschen Presse-Agentur. Die Zahlen bestätigen den Eindruck des Geschäftsführers der Nichtregierungsorganisation Açao da Cidadania, Daniel de Souza, aus Rio de Janeiro, wo sich vor Essensausgabestellen lange Schlangen bilden. "Es fällt auf, dass Leute, die davor gespendet haben, jetzt um eine Lebensmittelspende bitten."

Brasilien, vor allem der Nordosten, ist immer wieder von Hunger heimgesucht worden. 2014 nahmen die Vereinten Nationen das größte und bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas jedoch erstmals von der Landkarte des Hungers. Der frühere Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva (2003-2011) hatte den Kampf gegen den Hunger zu einer seiner Prioritäten erklärt. Hohe Rohstoffpreise und neu entdeckte Ölvorkommen halfen ihm, Sozialprogramme wie "Fome Zero" (Null Hunger) zu finanzieren. Der seit 2019 regierende Präsident Jair Bolsonaro dagegen setzte in einer seiner ersten Amtshandlungen den Nationalen Rat für Ernährungssicherheit aus.