Corona-Neuinfektionen: Sieben-Tages-Inzidenz wieder zweistellig — Experten diskutieren über Aussagekraft der Zahlen

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Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 546 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 324 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit bundesweit 10,3 an (Vortag: 10).

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden ein Todesfall verzeichnet. Vor einer Woche waren es zwei Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.745.227 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.640.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg demnach auf 91 363.

Bundeswirtschaftsminister sieht kein Grund für neue Schließungen

Für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kommt eine erneute Schließung von Geschäften und Restaurants in der Corona-Krise nicht infrage. "Wir müssen und werden einen neuen Lockdown verhindern. Er wäre für viele Geschäfte und Restaurants, die bereits monatelang geschlossen waren, verheerend", sagte Altmaier der "Bild am Sonntag". Solange keine Überlastung des Gesundheitssystems drohe, gebe es keinen Grund für neue Maßnahmen. Geimpfte oder Jüngere hätten bei einer Infektion meist gar keine Symptome, die Intensivbetten-Kapazität in Deutschland sei weit von ihrer Auslastungsgrenze entfernt.

Aus Sicht des Mittelstands sind Altmaiers Äußerungen indirekt Anlass zur Sorge. "Denn offenbar reagiert er damit auf entsprechende Überlegungen in der Bundesregierung", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Markus Jerger, der Deutschen Presse-Agentur. Schon die Spekulation darüber verunsichere die Unternehmen und verhindere Investitionen. "Anstatt über neue Zwangsmaßnahmen zu spekulieren, sollte die Bundesregierung ein positives Signal an die Wirtschaft senden." Die Union müsse sich "endlich einmal" gegen ihren Koalitionspartner durchsetzen und für eine Entlastung bei Steuern, Abgaben und Energiekosten sorgen. "Der Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, forderte einen «Wirtschaftsgipfel mit einer verbindlichen Absage der Bundesregierung an einen weiteren Lockdown."

Altmaier sprach sich für mehr Tempo und Angebote vor Ort beim Impfen aus. Und: "Wir sollten überlegen, Großveranstaltungen wie Konzerte oder Fußballspiele auf geimpfte und genesene Besucher zu beschränken. Ein Negativ-Test allein darf dafür dauerhaft nicht ausreichen." Belohnungen für Impfwillige lehnte der Minister jedoch ab.

Wert wird diskutiert

Derweil wird unter Experten diskutiert, wie der Anstieg der Inzidenz zu bewerten ist. Bisher war der Wert Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden. Experten plädieren zudem dafür, bei der Bewertung der Inzidenzentwicklung auch das Alter der Infizierten zu betrachten, weil etwa ältere Menschen besonders anfällig für schwere Verläufe sind.

Am Sonntag unterstützte die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, einen Vorschlag ihrer rheinland-pfälzischen Kollegin Malu Dreyer, künftig einen neuen "Warnwert" zur Bewertung der Corona-Lage zu etablieren. "Ich unterstütze den Vorschlag, dass sich Bund und Länder auf einen neuen bundeseinheitlichen Warnwert zur Coronalage verständigen, ausdrücklich", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Sonntag. "Wir müssen zukünftig stärker Impfungen und Krankenhausbelastungen berücksichtigen."

Für das RKI geben die derzeit deutlich ansteigenden Fallzahlen Anlass zur Sorge. Allerdings werde die Gefährdung für vollständig Geimpfte als moderat eingeschätzt, heißt es im Lagebericht vom Freitag. Alle in Deutschland verfügbaren Impfstoffe schützten bei vollständiger Impfung auch vor der Delta-Variante.

tel/dpa

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