Corona-Kilos abnehmen: Warum ihr nicht einfach eine Saftkur starten solltet

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Eine neue Wortschöpfung der Pandemie macht gerade die Runde: der Corona-Body. Zunächst soll der Begriff neutral beschreiben, dass die meisten Bundesbürger während der Pandemie an Gewicht zugenommen haben: durchschnittlich 5,6 Kilogramm. Das berichtet die TU München.

Viele Menschen fühlen sich nach 1,5 Jahren, geprägt von Ausgangsbeschränkungen und Lockdown, unwohl in ihrem Körper. Euch geht es vielleicht auch so. Da bietet es sich für die Ernährungs- und Fitnessindustrie regelrecht an, den „Corona-Body“ als Gegenteil des Bikini-Bodys zu inszenieren und zu vermarkten. Abnehmkuren oder Entschlackungsprodukte, die beim Abnehmen sollen, werden zu Beginn des Sommers sowieso schon vermehrt beworben.

Der Mythos des Entschlackens

Das Wort Detox hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich in unseren Wortschatz integriert. Entschlackung versprechen Tees, Shakes, Säfte oder Pillen, die meist nicht billig sind. Sie sollen sogenannte Schlacken und Umweltgifte aus dem Körper spülen, die sich durch schlechte Ernährung und belastete Lebensmittel in den Organen angesammelt haben. Bisher gibt es allerdings keinerlei wissenschaftlichen Beleg für die angeblich entschlackende Wirkung so vermarkteter Produkte.

Zudem braucht unser Körper dafür auch im Normalfall keine Hilfe von außen. Unsere Nieren, Leber, Lunge und Haut arbeiten dauerhaft daran, unsere Körper zu entgiften. „Es werden beim Fasten keine toxischen Substanzen ausgeschwemmt. Inwiefern diese überhaupt vorhanden sind, ist relativ unklar“, ordnet Ernährungsmediziner Andreas Pfeiffer der Berliner Charité ein.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) verweist ebenfalls auf die fehlenden Belege einer solchen Wirkung: „Eine Reinigung des Körpers von Schadstoffen ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht nötig, zumal es [bei Entgiftungsdiäten] keine Aussage dazu gibt, um welche Gifte oder Schadstoffe es sich dabei genau handelt, und auch nicht darüber, wie diese dann abgebaut werden sollen.“

Saftkuren versprechen schnellen Gewichtsverlust

Neben Entgiftungssupplementen wie Tees oder Pillen gibt es immer mehr Saftkuren. Auch bei ihnen wird damit geworben, den Körper zu entschlacken und dabei überflüssige Kilos loszuwerden. Gerade im Frühsommer und nach Corona dürfte das ein Versprechen sein, dass bei vielen Verbrauchern Anklang findet. Die Kuren werden in fertigen Paketen angeboten und können bis zu 200 Euro kosten. Im Internet kursieren dazu weiterhin viele Artikel, die ohne fachliche Einschätzung betonen, wie gut sich mit einer Saftkur abnehmen lasse, während teure Produkte beworben werden.

Saftkuren sind durch die einfache Handhabung beliebt. Sind allerdings regelrechte Crash-Diäten, bei denen die Kalorienzufuhr tagelang weit unter dem Tagesbedarf liegt. Zwischen drei und sieben Tagen dauern die meisten solcher Saftdiäten, in denen man, wie der Name schon sagt, neben Obst- und Gemüsesaft oft nur Wasser, ungesüßten Tee oder Brühe zu sich nehmen darf.

Der tägliche Kalorienbedarf liegt je nach Anbieter bei 600 bis 1000 Kalorien, was rund ein Viertel beziehungsweise die Hälfte des durchschnittlichen Tagesbedarfs eines erwachsenen Menschen ausmacht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont, dass ein „sehr rigides Essverhalten mit extrem niedriger Protein- und Energiezufuhr die Gefahr von Essstörungen erhöhen kann.“

Säften fehlen Nährstoffe, die der Körper braucht

Inwiefern durch eine solche Diät der Stoffwechsel angeregt wird, sei zudem fraglich, sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Der angepriesene schnelle Gewichtsverlust sei vor allem auf die drastische Einschränkung der Kalorienzufuhr zurückzuführen, so Pfeiffer von der Charité.

Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass die Waage nach drei Tagen Saftkur weniger anzeigt. Dieser Gewichtsverlust beruht laut der Deutsche Gesellschaft für Ernährung vor allem darauf, dass der Körper Wasser und Muskelmasse verliert – nicht Fett. Dementsprechend ist diese Abnahme auch nur dann von Dauer, wenn ihr eurem Körper auch nach der Kur weiterhin zu wenig Kalorien zuführt.

Laut einer Analyse der Verbrauchershow „Visite“ des NDR haben solche Detox-Säfte meist mehr Zucker als die gleiche Menge Cola. Das bestätigt auch Ernährungswissenschaftler Pfeiffer: „Fruchtsäfte bestehen im Wesentlichen aus Zucker mit relativ wenigen gesunden Mikronährstoffen. Essenzielle Fettsäuren, Mineralien und Metalle sind kaum oder nur gering vorhanden. Zudem fehlt Protein, sodass man Muskulatur verliert.“ Eine Saftkur sei laut dem Experten sowieso nur für eine geringe Gewichtsabnahme bis zu zwei Kilogramm geeignet.

So nehmt ihr Corona-Kilos gesund ab

Für gesunde, übergewichtige Menschen können Fastenkuren von drei bis sieben Tagen hilfreich sein, um den Stoffwechsel anzukurbeln und eine gesunde Ernährungsumstellung zur dauerhaften Gewichtsabnahme einzuleiten. Alle anderen sollten darauf achten, ein dauerhaftes gesundes Kaloriendefizit aufzubauen, rät Ernährungsmediziner Andreas Pfeiffer. Das erreicht ihr, indem ihr weniger Kalorien zu euch nehmt, als ihr verbraucht. Ihr könnt entweder in eurer Ernährung Kalorien einsparen oder mit körperlicher Bewegung Kalorien verbrennen.

Für die durchschnittlichen drei bis fünf Kilos, die wir während Corona zugelegt haben, müssen wir rund vier Wochen lang ein Kaloriendefizit von 500 bis 1000 Kilokalorien täglich haben, sagt Pfeiffer. Wenn man länger als eine Woche Diät mache, solle man dabei auf eine Ernährung achten, bei der alle wesentlichen Nahrungsbestandteile in der geringen Essensmenge vorhanden seien. Dabei hilft euch im Zweifelsfall eine Diätberatung.

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