Corona-Impfstoff von Biontech erhält US-Zulassung für Fünf- bis Elfjährige

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Impfung eines 14-Jährigen in Los Angeles (AFP/Frederic J. BROWN)

Eine großangelegte Impfkampagne für fünf- bis elfjährige Kinder in den USA rückt näher: Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte dem Impfstoff von Biontech/Pfizer am Freitag eine Notfallzulassung für diese Altersgruppe.

"Als Mutter und Ärztin weiß ich, dass Eltern, Kinderbetreuer, Schulmitarbeiter und Kinder auf die heutige Zulassung gewartet haben", erklärte die geschäftsführende FDA-Chefin Janet Woodcock. "Jüngere Kinder gegen Covid-19 zu impfen wird uns einer Rückkehr zu einer gewissen Normalität näher bringen."

 Woodcock betonte, das Vakzin des Mainzer Impfstoffentwicklers Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer erfülle die "hohen Ansprüche" der FDA. Die Arzneimittelbehörde erklärte unter anderem, der Impfstoff sei auch bei Kindern unter zwölf Jahren wirksam und sicher. In den USA leben rund 28 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren.

 Der beratende Impfausschuss der FDA hatte am Dienstag eine Notfallzulassung für das Biontech/Pfizer-Vakzin für diese Altersgruppe empfohlen. Diese Notfallzulassung wurde nun offiziell erteilt. Nun muss noch die Gesundheitsbehörde CDC eine entsprechende Impfempfehlung aussprechen. Ein dort angesiedeltes Expertengremium soll die Frage kommende Woche am Dienstag und Mittwoch prüfen.

Auch für Kinder kann das Coronavirus gefährlich werden

 Die Regierung von US-Präsident Joe Biden hat angekündigt, nach Veröffentlichung einer Impfempfehlung sofort mit der Impfkampagne für Fünf- bis Elfjährige zu beginnen. Zuletzt bestellte die Regierung bei Biontech und Pfizer weitere 50 Millionen Impfdosen für Kinder. Bislang verabreicht nur eine Handvoll Länder, darunter China, Chile, Kuba und die Vereinigten Arabischen Emirate, jeweils dafür zugelassene Impfstoffe an jüngere Kinder.

 Das Biontech-Vakzin wird an Fünf- bis Elfjährige zweifach mit einer Dosierung von jeweils zehn Mikrogram verabreicht. Die sonst übliche Dosierung beträgt jeweils 30 Mikrogramm. Laut Pfizer beträgt der Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung durch die Impfung bei Fünf- bis Elfjährigen 90,7 Prozent.

 Kinder sind vom Coronavirus zwar viel weniger betroffen. Doch auch für sie kann das Virus gefährlich werden. Seit Beginn der Pandemie wurden in den USA laut CDC 8300 Kinder zwischen fünf und elf Jahren wegen einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert. Es gab demnach 146 Todesfälle. Zudem gab es mehr als 5000 Fälle des Multisystem-Entzündungssyndroms bei Kindern (MIS-C), einer seltenen, aber sehr ernsten Corona-Nachwirkung, die in 46 Fällen tödlich endete.

Mertens äußert sich zurückhaltend

 Die Gesundheitsbehörden sollen bei Kindern weiterhin auf mögliche ernste Nebenwirkungen des Impfstoffs wie Herzmuskelentzündung achten. Die klinischen Studien waren bisher zu klein, um diese Risiken verlässlich zu beschreiben. Es wird aber davon ausgegangen, dass derartige Nebenwirkungen äußerst selten sind, weil ein Zusammenhang mit dem Testosteronspiegel besteht. Das Coronavirus selbst verursacht je nach Übertragungsrate vermutlich deutlich mehr Herzmuskelentzündungen.

 Der Biontech/Pfizer-Impfstoff hat in den USA bereits eine Notfallzulassung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren und eine vollständige Zulassung für Menschen ab 16 Jahren. Die Unternehmen haben auch in der EU eine Zulassung ihres Impfstoffes für Fünf- bis Elfjährige beantragt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) könnte bis Weihnachten darüber entscheiden.

 In Deutschland hatte sich der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, allerdings zurückhaltend zu Corona-Impfungen von Kindern schon ab fünf Jahren geäußert. Die Covid-19-Krankheitslast bei Kindern sei in den USA "offenbar höher als in Deutschland", sagte er diese Woche der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

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