Corona-Impfstoff von AstraZeneca: Interne EU-Dokumente zeigen, warum es immer wieder Lieferprobleme gibt

Business Insider Deutschland
·Lesedauer: 2 Min.
Eine Medizinerin bereitet in Neapel eine Impfung mit dem Wirkstoff von AstraZeneca vor
Eine Medizinerin bereitet in Neapel eine Impfung mit dem Wirkstoff von AstraZeneca vor

Bei keinem Corona-Impfstoff gab es in der Europäischen Union in den vergangenen Monaten so viele Lieferprobleme wie beim britisch-schwedischen Hersteller AstraZeneca. Allein im ersten Quartal des Jahres musste der Pharmakonzern seine Lieferversprechen von 100 Millionen Impfstoffdosen auf 30 Millionen korrigieren — und auch im April halten die Lieferunregelmäßigkeiten bei AstraZeneca an.

Zwischen der EU-Kommission und AstraZeneca gibt es seit Monaten Streit über die anhaltenden Probleme. Brüssel wirft dem Unternehmen vor, andere Kunden — vor allem Großbritannien — zu bevorzugen. Nun zeigt ein Bericht des Magazins "Politico": Da ist etwas dran.

USA versorgten EU mit AstraZeneca-Serum — aus Großbritannien kam nichts

"Politico" liegen interne Dokumente der EU-Kommission vor, die zeigen, dass die Lieferprobleme schlichtweg durch einen anhaltenden Mangel an abfüllbarer AstraZeneca-Wirksubstanz in Europa begründet sind. Die Dokumente stammen von Anfang Februar. Demnach produzierten die AstraZeneca-Werke in Europa zu wenig Wirkstoff, um den Bedarf für die bestellten Liefermengen zu decken. Vor allem ein Werk in den Niederlanden blieb hinter den erwarteten Produktionsmengen zurück.

AstraZeneca bemühte sich, die Kapazitäten über ein Werk im Bundesstaat Maryland in den USA auszugleichen. Im Januar und Februar dieses Jahres seien von dort "die wichtigsten Mengen" Impfstoffserum an die EU geliefert worden, heißt es in den von "Politico" veröffentlichten Dokumenten. Diese wurden dann in Belgien, Italien und den Niederlanden abgefüllt. Die Dokumente nennen keine genauen Mengen, die aus den USA importiert wurden. "Politico" zitiert jedoch einen anonymen EU-Diplomaten, laut dem die Wirksubstanz-Importe aus den USA Anfang des Jahres etwa die Hälfte des in der EU verfügbaren AstraZeneca-Impfstoffes ausmachten.

Die Vereinigten Staaten lieferten Anfang des Jahres also einen wertvollen Beitrag zur europäischen Impfstrategie. Ganz anders Großbritannien. Zum Vereinigten Königreich heißt es in den AstraZeneca-Dokumenten der EU nur: "Von dort haben wir nichts erhalten."

jg/dpa