Corona-Hotspot Bergamo steht besser da als im Frühjahr

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ROM (dpa-AFX) - Bergamo bleibt auch in der zweiten Corona-Welle etwas Besonderes: Im Frühjahr war das Gebiet um die norditalienische Stadt eine der am schlimmsten von dem Virus betroffenen Zonen. Die Bilder der Militärlastwagen mit Särgen gingen um die Welt. Aktuell scheinen die Menschen dort besser durch die zweite Corona-Welle zu kommen als in vielen anderen Teilen Italiens. Obwohl die Region Lombardei, zu der Bergamo gehört, erneut an der Spitze bei den Zahlen der Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 in Italien steht, ist die Lage in Bergamos Krankenhäusern eher entspannt.

"In der Provinz hat sich so etwas wie eine weit verbreitete Immunität entwickelt", sagte Fabio Pezzoli, für Gesundheit zuständiger Direktor im Hospital Papa Giovanni XXIII, der Zeitung "La Repubblica" vom Freitag. Dagegen sieht die Lage in der rund 50 Kilometer entfernten Metropole Mailand dramatischer aus. Am Donnerstag meldete die Provinz Bergamo 135 Neuinfektionen in 24 Stunden, verglichen mit mehr als 3200 in der Provinz Mailand. Bezogen auf die Bevölkerungsgröße bedeute das achtmal so viel Fälle dort wie in Bergamo, sagte Bergamos Bürgermeister Giorgio Gori im Fernsehen der Rai.

Experten versuchen derzeit, mögliche Gründe zu finden. Einige nannten ein vorsichtiges Verhalten der Menschen rund um Bergamo als Folge des Schocks vom Frühjahr. Franco Locatelli, Mitglied einer Beratungsgruppe der Regierung, sprach vor der Auslandspresse in Rom von "einer Art der sozialen Prägung". Andere Fachleute vermuten, dass große Teile der Bevölkerung durch Virus-Antikörper eines ersten Kontakts mit dem Erreger geschützt seien.

So hatte eine Studie mit fast 21 500 Menschen aus der Bergregion Val Seriana vor den Toren der Stadt ergeben, dass sich dort im Frühjahr rund 42 Prozent der Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckt hatten. Bei den allermeisten war die Infektion - ob mit oder ohne Symptome - zum Untersuchungszeitpunkt im Juli wieder abgeklungen, wie die Behörden berichtet hatten.